POLITIK
29/09/2015 05:59 CEST | Aktualisiert 21/01/2018 12:07 CET

Polizeigewalt: So misshandelten die bayerischen Beamten fünf junge Männer wegen ein paar Gramm Cannabis

dpa
Muss der Besitz von Marihuana wirklich so stark geahndet werden?

Fünf junge Männer zwischen 18 und 21 Jahren waren Ende August auf dem Rückweg einer Holland-Reise, als sie plötzlich von einem silbernen Mercedes aufgehalten wurden. Der Wagen überholte sie und versperrte ihnen auf einer Kreuzung den Weg.

Dann stiegen Männer mit Sturmmasken und Waffen aus, umstellten den Wagen und schrien die jungen Männer an: Aussteigen!

Diese Szenen stammen nicht etwa aus einem Film - sie haben sich tatsächlich so zugetragen, wie das Portal "Vice" berichtet.

In Oberstotzingen nahe der Stadt Ulm. Denn die jungen Männer hatten ein paar Gramm Cannabis bei sich und die vermummten Männer, die mit Pistolen auf die völlig verängstigten Männer zielten, waren Polizisten, die einen heißen Tipp erhalten hatten.

Einer der fünf Männer, Jochen P., erzählte "Vice", was er erlebte:

„Er wies sich nicht als Polizist aus und auf der Schutzweste war kein Polizeisymbol. Im ersten Moment dachte ich, wir werden ausgeraubt und in dem Kaff auf offener Straße erschossen. Voller Panik verriegelte ich das Auto.“

Die Kriminalpolizei von Neu-Ulm (sie trugen zum Schutz ihrer Identität Sturmhauben) griff mit der Unterstützung von Anti-Drogen-Kräften hart durch. Als die Männer vor lauter Panik nicht aussteigen wollten, zertrümmerten die Polizisten die Scheiben des Wagens.

Dann zogen sie die Männer aus dem Auto und drückten sie zu den Scherben auf den Boden. Schließlich filmten die Gesetzeshüter die 18- bis 21-Jährigen - und ließen sie dann nach Angaben von Jochen P. mindestens eine halbe Stunde in Handschellen in den Scherben liegen. Zehn Polizisten sollen an der Aktion beteiligt gewesen sein.

Gefunden hat die Polizei in ihrem Bericht nur sechs Gramm Marihuana und ein Gramm Haschisch – die jungen Männer dagegen schwören, es seien insgesamt nur 3,5 Gramm Gras gewesen.

Nun sind die Minh Thien D., David T., Kevin H., Jochen P. und Felix K. wieder auf freiem Fuß. Aber die Auswirkungen des Vorfalls spüren sie noch immer.

Jochen P erzählt:

„Minh Thien hatte Schürfwunden am Gesicht, David ein geprelltes Knie und ich leide seit dem Vorfall unter Angstzuständen sowie Schlafstörungen. Ich befinde mich seit dem Vorfall in psychologischer Behandlung.“

In dem Polizeibericht heißt es hingegen, niemand sei verletzt worden. David T. und Jochen P. haben nun Kontakt mit einem Anwalt aufgenommen. Eine Anzeige gegen sie liegt allerdings noch nicht vor.

Es ist kaum vorstellbar, dass all das wegen ein paar Gramm Marihuana passiert ist, die nachgewiesenermaßen harmloser sind als jede Flasche Schnaps aus dem Supermarkt.

Man muss sich ernsthaft fragen: Was hat schlimmere Auswirkungen – zu kiffen oder von der bayerischen Polizei hochgenommen zu werden?

Denn, dass die bayerische Polizei Menschen, die Marihuana konsumieren, lebensgefährlich werden kann, hat der traurige Vorfall von André B. letztes Jahr gezeigt.

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