POLITIK
28/09/2015 06:53 CEST | Aktualisiert 28/09/2015 07:31 CEST

Plagiatsvorwürfe gegen von der Leyen: 5 Gründe, warum es für die Ministerin jetzt eng wird

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen
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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen

Es geht um Geburtsvorbereitung und Blasensprung: Ursula von der Leyen wird von ihrer 25 Jahre alten Dissertation eingeholt. Große Teile sollen Plagiate enthalten. Zwar bestreitet sie die Vorwürfe - doch die wiegen schwer. Andere kostete das schon den Ministerposten.

Hier sind 5 Gründe, warum die Vorwürfe der Ministerin gefährlich werden können:

1. Die Vorwürfe wiegen schwer

Die Plagiatsjäger werfen von der Leyen vor, in ihrer medizinischen Doktorarbeit eklatante wissenschaftliche Verstöße begangen zu haben. Ihre 1990 erschienene Arbeit zur Frauenheilkunde enthalte "zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind", heißt es auf der Internetseite "VroniPlag Wiki". Auf 27 der 62 Seiten sind bereits Plagiatsfunde dokumentiert. Drei der beanstandeten Seiten enthalten zwischen 50 und 75 Prozent Plagiatstext, fünf Seiten sogar mehr als 75 Prozent.

2. Auch Wissenschaftler sehen den Fall als ernst an

Der Juraprofessor Gerhard Dannemann von der Berliner Humboldt-Universität, der seit Jahren bei "VroniPlag" mitarbeitet, sagte "Spiegel Online", die Arbeit sei "eher ein mittelschwerer als ein schwerer Fall". Der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) sagte er dagegen, er halte "die Mängel für schwerwiegender als bei Frau Schavan". Es gehe nicht um einen Grenzfall. "Die Häufigkeit und leichte Vermeidbarkeit der Fehler spricht für grobes Schlampen."

3. Schon andere Minister sind über Plagiate gestolpert

Plagiatsvorwürfe haben schon mehrere Spitzenpolitiker in Bedrängnis gebracht - bis hin zum Rücktritt.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) musste 2011 sein Amt niederlegen, nachdem ihm die Universität Bayreuth den Doktortitel aberkannt hatte.

2013 trat Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) nach dem Entzug ihres Titels durch die Uni Düsseldorf zurück. Plagiatsvorwürfe gab es auch gegen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die Uni Gießen stellte in seinem Fall 2013 weder wissenschaftliches Fehlverhalten noch Täuschungsabsicht fest.

4. Von der Leyens Äußerungen könnten ihr zum Verhängnis werden

Die Ministerin reagiert überraschend gereizt auf die Vorwürfe. "Es ist nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen von Politikern zu streuen”, sagte sie. Zwar übergab sie der Universität in Hannover die Arbeit zur unabhängigen Prüfung - nimmt ihr aber Urteil schon vorweg. "Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen", sagte die CDU-Vizevorsitzende den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Das könnt ihr noch zum Verhängnis werden - auch Guttenberg verbürgte sich voreilig und bis zuletzt für seine Arbeit, bis die Universität Bayreuth schließlich das Plagiat bestätigte. Erste Ergebnisse aus Hannover werden in den nächsten Tagen erwartet. Verliert von der Leyen ihren Doktortitel, könnte sich schon diese Woche das Schicksal der Ministerin entscheiden.

5. Oppositionspolitiker erheben schwere Vorwürfe - und weisen auf einen wichtigen Punkt hin

Die Grünen-Politikerin Agnieszka Brugger forderte sofortige Aufklärung. "Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit", sagte sie der "Mitteldeutschen Zeitung". Ihr Fraktionskollege Kai Gehring wies darauf hin, dass von der Leyen als Verteidigungsministerin auch oberste Dienstherrin der Bundeswehr-Universitäten sei. "Daraus erwächst eine ganz besondere Verantwortung." Er hat Recht.

mit Material von dpa

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