WIRTSCHAFT
27/09/2015 07:07 CEST

VW wusste seit Jahren von Manipulationen an Auto-Software

Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn
Getty
Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn

Der VW-Skandal um manipulierte Testergebnisse wird immer peinlicher für den deutschen Autokonzern. Eine neue Enthüllung zeigt nun, dass der Hersteller genau wusste, was er tat - und zwar schon seit vielen Jahren.

Zwei Warnungen waren anscheinend nicht genug

Den ersten Warnschuss bekam Volkswagen schon 2007 vom Autozulieferer Bosch. Damals flatterte ein Brief in die Konzernzentrale. Darin wies Bosch darauf hin, dass es illegal sei, seine Technik zur Nachbehandlung von Abgasen zu verwenden, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet. Ob es eine Antwort gab, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich wurde das Schreiben schlicht ignoriert, denn die Manipulationen gingen weiter.

Die nächste Mahnung: 2011. Damals wies ein VW-Techniker auf die illegalen Praktiken hin. Reaktion: unbekannt. Konsequenzen: bekanntermaßen keine. Offenbar wurde die zweite Warnung in der VW-internen Revisionsabteilung abgeheftet. Ans Tageslicht kam die Warnung erst wieder im Zuge der aktuellen Affäre. Nun liegt sie der Sonntagszeitung vor.

Jetzt gehen Prüfer durchs Haus

Doch wenn die Revision nicht in der Lage ist, vor Missständen im Haus zu warnen - wer dann? Mittlerweile soll eine US-Anwaltskanzlei beauftragt worden sein, die Revisionsabteilung einer Prüfung zu unterziehen. So soll geklärt werden, wer bei VW die Verantwortung für die Manipulationen trägt. Das könnte unangenehme Folgen für den zurückgetretenen Konzernchef Martin Winterkorn haben. Denn bei der Untersuchung könnte herauskommen, dass die Schummeleien von der Spitze her befohlen wurden.

Dann könnte es auch juristisch problematisch werden - wie am Muster der USA abzulesen ist, wo die Manipulationen durch eine Behörde aufgedeckt wurden. Dort sind bereits strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden - wenn auch nicht gegen Winterkorn persönlich. Das könnte in Deutschland aber durchaus passieren. Vieles spricht dafür, dass ein Rücktritt und mehrere Vorstands-Entlassungen noch nicht die letzte Konsequenz waren.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite