POLITIK
27/09/2015 23:45 CEST

14 Verletzte bei Massenschlägerei in Flüchtlingslager bei Kassel

Flüchtlinge sitzen vor dem Eingang zum Zeltlager in Calden
DPA
Flüchtlinge sitzen vor dem Eingang zum Zeltlager in Calden

In der Flüchtlingsunterkunft Kassel-Calden gab es eine Massenschlägerei. Dabei wurden am Sonntag 14 Menschen verletzt, darunter drei Polizisten. Mehrere Hundert Menschen verschiedener Nationalitäten waren an der stundenlangen Auseinandersetzung beteiligt, wie die Polizei am Abend mitteilte. Die Beteiligten schlugen unter anderem mit Stöcken aufeinander ein und versprühten Reizgas.

Der Streit begann banal. Am Mittag sei es während der Essenausgabe in der Kantine zunächst zu einer Rangelei zwischen zwei Bewohnern gekommen, berichtete ein Polizeisprecher. Dieser Streit habe am frühen Nachmittag zu einer Auseinandersetzung zwischen Pakistanern und Albanern geführt. Jeweils rund 60 Menschen seien aufeinander losgegangen. Acht seien dabei verletzt worden. Die Polizei habe die Lage zunächst beruhigt.

Am Abend eskalierte die Gewalt erneut. Diesmal hätten sich 70 auf der einen und 300 Menschen auf der anderen Seite gegenübergestanden, sagte der Polizeisprecher. Erst nach mehreren Stunden sei es der Polizei gelungen, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Festnahmen habe es keine gegeben. Mehrere Schutzsuchende, die der Gewalt ausweichen wollten, hätten sich ins Freie geflüchtet und dort bis zum Abend ausgeharrt.

Die Aufnahmeeinrichtung Calden ist eine Zeltstadt. Das Lager befindet sich auf einem ehemaligen Flughafengelände. In der Ende Juli eröffneten Aufnahmeeinrichtung leben nach Angaben des Sprechers derzeit etwa 1500 Menschen aus etwa 20 Nationen nebeneinander.

Die Einrichtung war zunächst für 1000 Menschen ausgelegt, wurde aber dann erweitert. Flüchtlinge aus Syrien, Albanien, Pakistan und vielen anderen Ländern sind dort in rund 50 Zelten untergebracht. Viele sind froh, in Ruhe schlafen zu können und in Frieden zu leben. Bei anderen steigt der Frust, auch weil sie wenig Chancen sehen, Asyl in Deutschland zu bekommen.

Es war nicht der erste Vorfall in Calden. Erst vor zwei Wochen hatten sich dort mehrere Flüchtlinge gegenseitig mit Reizgas angegriffen. Rund 60 von ihnen, darunter auch Kinder, wurden verletzt. Einlasskontrollen wie in anderen Flüchtlingsunterkünften gibt es in Kassel-Calden nicht. Die beauftragte Sicherheitsfirma äußerte sich zunächst nicht zu den Vorfällen.

Die Polizei versuchte, die Streitparteien zu trennen. Am Abend suchte sie ein Ausweichquartier für eine der beiden beteiligten Volksgruppen, um die Lage in der Zeltstadt zu befrieden. Bis zu 50 Polizisten waren auf dem Gelände des alten Flughafens Calden im Einsatz. "Wenn die Gruppe woanders untergebracht ist, ist auch der Einsatz beendet", sagte Polizeisprecher Werner. Unklar ist, wie danach verfahren wird.

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