WIRTSCHAFT
25/09/2015 08:58 CEST | Aktualisiert 25/09/2015 09:05 CEST

Warum die 11 Millionen manipulierten Autos ein gigantisches Problem für VW werden

Getty

Knapp eine Woche, nachdem der Abgas-Skandal aus den USA über den Volkswagen-Konzern hereinbrach, herrscht immer noch Fassungslosigkeit: Elf Millionen Diesel-Autos wurden manipuliert, um Grenzwerte einzuhalten.

Experten fordern nun, dass Volkswagen die Technik austauschen soll. Doch das ist nicht so leicht, wie es vielleicht klingt. Es könnte sich gar zu einer Katastrophe für den Autobauer entwickeln.

Das Problem: Anhand von Steuerung und Gaspedal konnte eine Software erkennen, dass sich der Wagen in der Überprüfung befindet. Denn bei den offiziellen Emissionstests in den USA bewegten sich zwar die Räder - das Lenkrad aber nicht. Das sei wohl das Signal gewesen, die Abgasreinigung einzuschalten.

Die ungeschönten Werte hingegen sind schockierend hoch. Beispiel: Der tatsächliche Abgasausstoß des Jetta lag im Normalbetrieb um das 15- bis 35-fache über dem US-Grenzwert, beim Passat um das 5- bis 20-fache.

Ohne die Manipulation wären die Fahrzeuge also nie zugelassen worden. Fast ein Viertel der in den USA verkauften VW sind Diesel. Außerdem hatte Volkswagen durch den Schwindel andere, enorme Vorteile. Er verringerte den Benzinverbrauch und erhöhte die Leistung. Es gibt auch Fahrer, die ihre Autos selbst durch den Ausbau der Gasreinigung "tunen".

Nun steht Volkswagen vor einer - vorsichtig gesagt - enormen Herausforderung. Was immer sich die Ingenieure einfallen lassen, um die Abgaswerte zu senken. Sie müssen höchstwahrscheinlich Abstriche bei Performance und Verbrauch machen.

Das Auto wäre dadurch auf dem Papier ein anderes. “Wir müssen noch nicht, wie genau die Änderungen ausfallen”, zitiert der “Business Insider” einen Autoexperten des Portals “KBB.com”. “Und wir wissen noch nicht, welche Werte der Wagen hat, wenn er die Abgasgrenzwerte einhält.”

Zweimal habe Volkswagen bereits versucht, die Grenzwerte in den Griff zu bekommen - bislang vergeblich. Wenn den Wolfsburgern keine Lösung einfällt, könnte es gar zu einer radikalen Maßnahme kommen: Einem Rückkauf aller manipulierten Fahrzeuge. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 50-50, sagt der “Kbb.com”-Experte. Das würde VW Milliarden kosten.

Es wäre der größte Rückkauf der Geschichte. Und würde Verbraucher wahrscheinlich noch mehr verägern als ohnehin schon. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch rät VW-Fahrern, sich schriftlich an den Autobauer zu wenden und sich die Schadstoffwerte für ihr Auto bestätigen zu lassen.

Er sagt: "In dem Schreiben empfiehlt sich ein Hinweis darauf, dass man sich rechtliche Schritte vorbehält, wenn falsche Angaben gemacht werden sollten." Liegen die Werte über den Vorgaben, sollten Kunden eine kostenlose Nachbesserung einfordern, sagt Resch.

mit Material von dpa

Video:Von Porsche zu Volkswagen: Wusste er schon, was passieren wird? Dieser Mann könnte der nächste VW-Chef werden

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