WIRTSCHAFT
24/09/2015 12:24 CEST

Warum die Entlassungen bei VW nur der Anfang sein dürfen

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VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn

VW hat bei Abgastests seiner Dieselautos betrogen und zieht nun Konsequenzen. Erste Konsequenzen. Denn bei vier geschassten Managern kann noch lange nicht Schluss sein: Am Mittwoch legte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn sein Amt nieder. Morgen soll auf einer Aufsichtsratssitzung die Entlassung von Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg und Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz beschlossen werden, auch US-Chef Michael Horn muss seinen Platz räumen.

Gemessen an der Größe des Skandals und der Größe des Konzerns wären es sehr zahme Konsequenzen, wenn nur vier Manager gehen müssten. Schließlich stellen sich nach den Betrügereien etliche Fragen: Welche Verstrickungen existieren innerhalb des Kosmos Volkswagen? Wer beteiligte sich entgegen jeder Firmen-Compliance an den Software-Manipulationen? Und wer gab letztlich grünes Licht dafür?

VW hat jetzt eine Chance

Will VW sich einen Rest an Glaubwürdigkeit sichern, dann muss der Autohersteller alle Beteiligten im Haus ermitteln, sanktionieren und sich gegenüber der Öffentlichkeit umfangreich dazu erklären. Einfach nur die ranghöchsten Vorstände als Bauernopfer kaltzustellen, ist als Lösung zu simpel. Das Stichwort heißt Selbstreinigung: Nach einem milliardenschweren Korruptionsskandal etwa installierte der Siemens-Konzern eigens einen internen Kommissar für die Korruptionsbekämpfung.

Damit VW seine Chance zur Selbstreinigung nutzt, darf der Konzern nicht das Gefühl bekommen, die Sache nach ein paar Entlassungen schlicht aussitzen zu können. Vielleicht nutzt der gesamte Vorstand die Gelegenheit, mittels Rücktritt eine gänzlich unbeschwerte Durchleuchtung des Konzerns zu ermöglichen.

Das ist wohl der heftigste Schritt, den sich die Wolfsburger vorstellen können. Doch schließlich geht es um die Frage, wer sich die wohl heftigsten Betrug in der Geschichte der Autobranche ausdenken konnte - und wer ihn toleriert hat.

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