WIRTSCHAFT
24/09/2015 00:21 CEST | Aktualisiert 24/09/2015 03:04 CEST

Jeder dieser 6 Manager könnte Winterkorns Nachfolger werden

VW-Chef Martin Winterkorn gab gestern seinen Rücktritt bekannt
Getty
VW-Chef Martin Winterkorn gab gestern seinen Rücktritt bekannt

Am Ende blieb ihm keine andere Wahl. Der Druck im Skandal um manipulierte Abgaswerte auf VW-Chef Martin Winterkorn wurde immer größer - gestern erklärte er seinen Rücktritt. Nach seinem Abgang geht beim Volkswagen-Konzern die Schadensbegrenzung weiter. Der Aufsichtsrat will am Freitag über einen Nachfolger beraten – 48 Stunden Zeit für die Kandidaten, für sich zu werben. Diese sechs Manager werden in die engere Auswahl kommen.

Porsche-Chef Matthias Müller

matthias mueller

Gleich nach dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals kamen Gerüchte auf, dass Müller Winterkorn beerben solle. Kein Wunder: Er hat alles, was man braucht, um den Konzern zu führen. Er ist durch und durch ein VW-Produkt. Müller begann seine Karriere als Werkzeugmacher bei Audi. Dann absolvierte er ein Informatikstudium. Bei VW machte er schnell Karriere, erst als EDV-Experte, später als Planer. Als Leiter der VW-Produktstrategie steuerte er ab 2017 das Produktmanagement sämtlicher Marken des Konzerns, bevor er auf den Chefsessel von Porsche wechselte.

Müller gilt als zupackend und bodenständig. Er könne leicht ruppig werden, handle aber immer im Dienst des Unternehmens, sagen Menschen, die mit ihm gearbeitet haben. Gegen ihn spricht allerdings, dass er schon 62 ist. Er selbst sagte einmal, dass er damit als Konzernlenker nicht in Frage kommen - allerdings nur, um diese Aussage in einem Interview mit der "Welt" im März wieder zurückzunehmen: "Ich bin für nichts zu alt", sagte er. Zudem ist die Porsche-Marke nicht von dem Abgasskandal betroffen.

Audi-Chef Rupert Stadler

rupert stadler

Dem Bayern trauen viele zu, VW-Chef zu werden - er selbst sich auch. Auch wenn Stadler auf Fragen nach seinen Ambitionen stets lächelnd abblockt, zeigt ein kurzer Blitz in seinen Augen, wie gern er den Job hätte. Der studierte Betriebswirt mit den Schwerpunktfächern Unternehmensplanung und Controlling arbeitet seit 1990 für Audi – die meiste Zeit unter Martin Winterkorn. Als der 2007 auf den Chefsessel des Volkswagen-Konzerns berufen wurde, folgte ihm Stadler in Ingolstadt als Audi-Chef nach.

Seine Premiummarke ist einer der Gewinnbringer im VW-Konzern. Zudem ist er mit 52 Jahren im idealen Alter, die VW-Spitze zu erneuern. Manches spricht allerdings gegen ihn: Audi-Fahrzeuge haben den mit der Betrugssoftware versehenen Motor eingebaut bekommen - die gesamte A3-Reihe nutzt Dieselmotoren der betroffenen Baureihe. Was wusste Stadler darüber?

Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch

hans dieter pötsch

Der 64-Jährige ist der Finanzvorstand bei VW und leitet das Controlling - doch ab November soll er den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen, der überraschend im April frei geworden ist. Damals hatte Piëch nach dem verlorenen Machtkampf mit Winterkorn den Posten geräumt. Vorübergehend übernahm der ehemalige Chef der IG-Metall Berthold Huber den Posten. Die aktuelle Krise bei VW macht deutlich, wie wichtig es ist, dass das Vakuum im Aufsichtsrat, das Piëch hinterlassen hat, schnell gefüllt wird. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der Konzern seine Pläne für Pötsch ändern wird.

VW-Markenvorstand Herbert Diess

herbert diess

Der Chef der Hausmarke VW Pkw gilt als Routinier - und Medienberichten zufolge in Aufsichtsratskreisen als einer der Top-Favoriten. Er trat seinen Job erst im Juli an, nachdem ihn Volkswagen von BMW abgeworben hatte. Dort galt er ebenfalls als Kronprinz, ihm wurde bei BMW jedoch Harald Krüger vorgezogen.

Ohne den Abgas-Skandal wäre seine BMW-Vergangenheit für Diess im Nachfolge-Rennen womöglich ein Nachteil. Nun könnte sie sich als Pluspunkt erweisen. Bei den Münchnern leitete er zuletzt im Vorstand den Entwicklungsbereich, zuvor war er für den Einkauf zuständig. Und Diess gilt als knallharter Kostendrücker.

Winterkorn holte den 56-Jährigen, um die renditeschwache Pkw-Kernmarke bei Volkswagen wieder aufzupolieren. Diess hat an der Fachhochschule München Fahrzeugtechnik studiert, ist also ein Vollblut-Ingenieur. Außerdem ist er vom US-Skandal völlig unbelastet. Das könnte eine gute Voraussetzung sein, um den Fall aufzuklären und die US-Behörden milde zu stimmen. Allerdings fing er erst im Juli offiziell an und hatte aus der Sicht des Aufsichtsrats keine Gelegenheit, sich zu beweisen. Er wirkt unscheinbar und ist auch in der Öffentlichkeit kaum bekannt.

Nutzfahrzeugchef Andreas Renschler

reschler

Der 57-jährige Renschler ist nur wenige Monate länger bei Volkswagen als Diess. Er kam im Februar vom Konkurrenten Daimler zu VW und leitet im Konzern die Nutzfahrzeugsparte. Piëch selbst soll ihn bei Daimler abgeworben haben, was dort für hohen Puls sorgte. Die Stuttgarter ließen Renschler schmoren und gaben ihn monatelang nicht frei. Von 1999 bis 2004 war er bei Daimler Chef der Konzernmarke Smart, von Oktober 2004 bis März 2013 leitete er Truck- und Bussparte der Schwaben.

Mancher in Stuttgart traute ihm die Nachfolge von Dieter Zetsche zu. Bis dieser seinen Vertrag verlängerte – und Renschler ging. Renschler ist bei VW allerdings zurzeit voll mit der Aufgabe beschäftigt, die Marken MAN und Scania zu einer Lkw-Allianz zu vereinen - eine schwierige und wichtige Aufgabe. Mit den Pkw-Sparten von VW und Audi kennt er sich nicht aus. Zudem ist Renschler - wie Stadler – Betriebswirt. Und die VW-Unternehmenskultur verlangt einen Techniker an der Spitze.

Skoda-Chef Winfried Vahland

winfried vahland

Der Chef der tschechischen Volkswagen-Tochter Skoda hat einen guten Ruf im VW-Konzern. Er hat die unglamouröse Marke brutal auf Rendite getrimmt. Pro Wagen macht Skoda etwa doppelt so viel Profit wie die VW-Stammmarke. Zuvor leitete er einige Jahre VW in China, wo er sehr erfolgreich war. Vahland hat mit 58 Jahren ein gutes Alter, um den Konzern zu leiten. Schon während des Machtkampfs zwischen Winterkorn und Piech war er als möglicher Nachfolger im Gespräch.

Allerdings ist er außerhalb des Konzerns kaum bekannt. Zudem soll er nach Informationen von "Spiegel Online" das US-Geschäft von VW übernehmen. Das ist zurzeit schlicht katastrophal - ein guter Mann wird dort dringend gebraucht.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Kreislaufschwäche auf der Bühne: BMW-Chef Harald Krüger kippt bei IAA-Präsentation um

Hier geht es zurück zur Startseite