WIRTSCHAFT
23/09/2015 03:24 CEST | Aktualisiert 23/09/2015 07:22 CEST

Internationale Sanktionen schwächen Russlands Wirtschaft stärker als gedacht

Wladimir Putins Souveränität bröckelt. Russlands Öl- und Gaspreis könnte auf ein Rekordtief sinken.
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Wladimir Putins Souveränität bröckelt. Russlands Öl- und Gaspreis könnte auf ein Rekordtief sinken.

Die internationalen Sanktionen zersetzen die russische Wirtschaft. Anders, als von Präsident Wladimir Putin lange beteuert, haben die internationalen Sanktionen für den Öl- und Gassektor doch große Auswirkungen. Das Land erlebt derzeit einen drastischen Öl- und Gaspreisverfall, der Russland im Vergleich zum Vorjahr bereits 40 Milliarden Dollar Verlust gebracht hat, berichtet "Die Welt".

Das sagten Vertreter des Öl- und Gassektors. Sie sollen beiläufig über die beklemmende Lage des weltweit zweitgrößten Ölförderers gesprochen haben, heißt es in dem Artikel. Denn das schwarze Gold könne Russland bald ausgehen. Um Russlands Öl-Sektor vor einem Zusammenbruch zu retten, sei eine substanzielle, strategische Neuausrichtung notwendig.

Die Erlöse würden bald nicht mehr die Förderpreise decken. Wie "Die Welt" berichtet, hat Alexandr Jerkov, der stellvertretende Direktor für Führung im Energieministerium, auf einer Konferenz in St. Petersburg vergangene Woche mitgeteilt, dass Russland als Folge der Sanktionen "schon in nächster Zeit weder ausreichend Bohrplattformen noch die nötigen Bestandteile dafür haben“ würde. Auch Vizeenergieminister Alexej Teksler bekundet seine Sorge um den Rückgang des Ölpreises.

In Prognosen für das Jahr 2018 wurde für das russische Exportgas ein Rekordpreisverfall prognostiziert. Das hat die Zeitung "Kommersant" enthüllt. Demnach falle der Wert für das Gas auf 162 bis 194 Dollar je 1000 Kubikmeter. Das ist deutlich weniger als im Krisenjahr 2009. Da lag der Preis bei 286 Dollar, berichtet „Die Welt“.

Wie schwer die Auswirkungen auf den Öl- und Gassenktor sind, wird sich immer mehr zeigen. Putins Souveränität wandelt sich in Nervosität. Verständlich, denn "das einzige, was in Russlands Wirtschaft eine Rolle spielt, ist der Preis für Öl und Gas", sagt Andrej Movtschan, Energieexperte am Moskauer Carnegie-Zentrum.

Russland muss jetzt in immer teurer werdende neue Öllager investieren. Das Land muss so dem Versiegen der bestehenden Quellen entgegenwirken. Die zerrütteten Verhältnisse mit Europa zwingen den Gaskonzern Gasprom, viel Geld in den teuren Pipelineausbau nach China zu pumpen, schreibt "Die Welt". In diesem alternativen Absatzmarkt schlummert die Hoffnung des Gassektors.

Russland kann kaum mit der weltweiten Konkurrenz mithalten. Das Land muss mehr Erfahrungen im Offshore-Segment sammeln, heißt es. Mithilfe von Kooperationen mit westlichen Konzernen versucht das Land das nötige Know-How und die nötige Technik zu erlangen, schreibt „Die Welt“. Denn derzeit befinde sich der Anteil russischer Technik bei Erkundungen im Meer bei weniger als einem Prozent, sagt Jerkov.

Die russische Regierung arbeitet derzeit an einer neuen Energiestrategie für die nächsten 20 Jahre. In der konservativen Strategie geht die Regierung von anhaltenden Sanktionen aus. In ihrer Prognose würde der Ölpreis innerhalb von fünf Jahren auf 95 bis 100 Dollar steigen. Bis 2035 sei dann mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent zu rechnen. Die optimistische Strategie prognostiziert einen bis zu 15 Prozent höheren Ölpreis und ein verdoppeltes BIP, heißt es in dem Artikel.

Zwei bis 2,5 Billionen Euro müsste Russland investieren, um die Strategien bewerkstelligen zu können. Angeblich setzt die Regierung dabei auf die Unterstützung unabhängiger kleinerer Ölunternehmen. Ihre Rolle nehme ab 2020 immer weiter zu.

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