WIRTSCHAFT
22/09/2015 14:59 CEST | Aktualisiert 23/09/2015 01:39 CEST

Volkswagen-Skandal: "Vom Musterschüler zur Zockerbude"

DPA

VOLKSWAGEN - Eben noch blickte die Welt bewundernd auf die deutsche Autoindustrie. Fast im Monatstakt meldeten die Unternehmen neue Rekorde. Mit glänzend lackierten Modellen eröffneten sie die Internationale Automobilmesse (IAA) in Frankfurt.

Vorbei. Plötzlich ist nur noch die Rede von schmutzigen Diesel-Motoren, Manipulation und Betrug, von dem sogar die Bundesregierung gewusst haben soll.

Was wir gerade erleben ist nichts weniger, als einer der größten Wirtschaftsskandale der deutschen Geschichte.

Die Affäre bringt nicht nur Deutschlands größten Konzern ins Wanken - sie ruiniert auch das Image unserer Wirtschaft. Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit - die Attribute, für die unsere Automobilwirtschaft einmal stand, wirken vor dieser Kulisse nur noch unglaubwürdig.

Welt spottet über #Dieselgate

So unglaubwürdig, wie ein Vorstandschef Martin Winterkorn, der an seinem Posten klammert.

Völlig zu Recht spottet daher die Welt unter dem Hashtag #dieselgate über die Deutschen. Vom Vorzeige-Unternehmen zur Zockerbude - einen Abstieg wie bei VW kennen wir sonst nur aus dem Bankensektor.

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Fassungslos nehmen wir die Fakten zur Kenntnis, die scheibchenweise ans Licht kommen. 11 Millionen Fahrzeuge waren manipuliert, dafür musste ein System für massenhaften, vorsätzlichen Betrug installiert worden sein - und möglicherweise wusste die Bundesregierung von diesen Betrugsmöglichkeiten schon seit 2013.

Autoindustrie hat ihren Zenit überschritten

Die Erschütterung der Autoindustrie durch die Dieselaffäre verstärkt aber nur eine Entwicklung, die schon länger im Gang ist. Wenn wir in ein paar Jahren zurückblicken, werden wir sehen, dass die deutsche Autoindustrie gerade ihren Zenit überschritten hat.

Die Menschen in westlichen Märkten kaufen weniger Autos. Viele Schwellenländer geraten in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Und all das in einer Zeit, in der das Auto zunehmend die Bedeutung als Statussymbol verliert.

Gleichzeitig drängen Unternehmen wie Apple und Google auf den Markt. Gestern erst kam heraus, dass Apple schon früher als geplant ein eigenes Auto auf den Markt bringen will.

Die Champions bei Elektro- und Hybridmotoren sind ohnehin heute schon Unternehmen aus Asien, man denke nur an den chinesischen Hersteller BYD oder den japanischen Konzern Toyota.

Natürlich lästern die traditionellen Hersteller und Händler über die neuen Ansätze von Tesla, Apple und Google. Aber wie haben Nokia-Manager gelacht, als Apple sein erstes Telefon auf den Markt brachte? Heute spielt Nokia keine Rolle mehr.

Apple hat schon einmal gezeigt, dass der Konzern eine ganze Branche auf den Kopf stellen kann. Die Voraussetzungen, es noch einmal zu schaffen, sind bestens.

Vielleicht werden wir in einigen Jahren feststellen, dass der aktuelle VW-Skandal nicht nur die deutsche Autoindustrie erschüttert, sondern zugleich den Niedergang der deutschen Automobilwirtschaft beschleunigt hat.

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