WIRTSCHAFT
22/09/2015 12:05 CEST | Aktualisiert 22/09/2015 14:46 CEST

Volkswagen-Affäre: 7 Zeichen, dass die Abgas-Affäre das Ende von VW bedeuten könnte

dpa

Ein solches Beben hat die deutsche Wirtschaft lange nicht erlebt. Die Abgas-Affäre zieht wie ein Orkan über Volkswagen hinweg - und damit über Deutschlands größtes Unternehmen.

Die Abgaswerte von elf Millionen Autos sollen manipuliert worden sein. Jetzt steht nicht nur Volkswagen, sondern eine ganze Branche am Pranger. Dem Unternehmen mit Sitz in Wolfsburg droht ein Totalschaden. Das wäre nicht nur eine Katastrophe für VW, sondern auch für die fast 600.000 Beschäftigten, das Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist - und den Wirtschaftsstandort Deutschland. Auch die Bundesregierung soll davon gewusst haben.

Hier sind sieben Zeichen, dass die Abgas-Affäre die Existenz von VW bedroht.

1. Volkswagen muss Milliarden zurückstellen

Volkswagen ist zwar Deutschlands größtes Unternehmen, hat 2014 14 Milliarden Euro verdient und einen Umsatz von 200 Milliarden Euro erzielt. Doch selbst in dieser Liga sind die Kosten, die auf VW jetzt sehr wahrscheinlich zukommen, ein gigantisches Problem.

Elf Millionen Autos sind betroffen - mehr also, als der weltgrößte Autohersteller in einem ganzen Jahr verkaufte. Schon jetzt hat VW deswegen eine Gewinnwarnung herausgegeben und 6,5 Milliarden Euro alleine für das dritte Quartal zurückgestellt. “Zur Abdeckung notwendiger Service-Maßnahmen und weiterer Anstrengungen, um das Vertrauen unserer Kunden zurück zu gewinnen”, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Ob das ausreicht, ist fraglich. Hinzu kommen möglicherweise bis zu 18 Milliarden Dollar Strafe in den USA, wegen der Manipulation der Abgaswerte.

2. Getäuschte Kunden könnten VW auf Milliarden verklagen

In den USA sind rund 500.000 Autos von der Abgas-Manipulation betroffen. Deren Käufer könnten nun Regressansprüche stellen - etwa wegen Verbrauchertäuschung und möglichen Gesundheitsschäden. Klagen dieser Sorte sind in den USA nicht unwahrscheinlich und die Kosten gehen schnell in die Milliarden.

3. Anleger wurden nicht rechtzeitig informiert

Anleger könnten sich von Volkswagen getäuscht fühlen. Der Konzern hat sie nicht rechtzeitig über den Abgas-Betrug informiert - und ist somit nicht seiner Adhoc-Pflicht nachgekommen, die das Aktienrecht vorschreibt.

Anleger mussten gigantische Verluste hinnehmen. Die Aktie rauschte seit gestern um 37 Prozent ab. Volkswagen war dadurch zeitweise 27 Milliarden Euro weniger wert als vor Bekanntwerden der Affäre. Anleger könnten jetzt Schadenersatz fordern - und die können geschätzten die 18 Milliarden Dollar Strafe bei Weitem übersteigen.

4. VW hat mächtige Gegner

Volkswagen hat mächtige Institutionen mit der Affäre gegen sich aufgebracht. Alleine in den USA drohen VW so 18 Milliarden Dollar Strafzahlungen.

Das US-Justizministerium ermittelt, ob VW kriminelle Machenschaften vorzuwerfen sind. Mit dem Skandal wird sich auch ein Ausschuss des US-Kongresses befassen. "Das amerikanische Volk verdient Antworten und Zusicherungen, dass dies nicht wieder passiert", heißt es in der Erklärung zweier US-Kongressmitglieder.

Auch in Europa gerät VW zur Zielscheibe. Am Vortag hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt eine Anweisung ans Kraftfahrt-Bundesamt angekündigt, bei VW-Dieselmodellen jetzt strenge spezifische Nachprüfungen durch unabhängige Gutachter zu veranlassen. Auch Frankreich fordert Ermittlungen gegen Volkswagen.

5. Der Imageschaden ist gigantisch

Langweilig, aber solide - mit diesem Image wurden die Wolfsburger zum größten Autobauer Europas. Das Vertrauen bei Kunden und Anlegern ist durch die Affäre nun erheblich beschädigt. Spüren wird das VW vor allem in den USA. Die Deutschen haben jahrelang mühselig in Marketing und neue Fabriken investiert, weil der US-Markt die einzige Chance für Volkswagen war, zu wachsen. China stagniert, Lateinamerika ist am Boden und Russland ist abgeschrieben.

“Es müssen jetzt schnell die notwendigen Entscheidungen getroffen und dann konsequent umgesetzt werden, um das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen”, forderte etwa der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im niedersächsischen Landtag, Dirk Toepffer, in der Huffington Post.

6. "Made in Germany" beschädigt

Joachim Pfeiffer (CDU), wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, befürchtet einen enormen Imageschaden für die deutsche Automobilbranche. „Das Ganze ist ein einzigartiger Vorgang", sagte Pfeiffer der Huffington Post.

"Die Folgen könnten nicht nur für den VW-Konzern unabsehbar sein, der sich gerade anschickte, weltweit die Nummer eins zu werden - sondern auch für den gesamten Automobilstandort Deutschland, seine Wertschöpfungsketten und sein Image", sagte er.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte gar vor einer Beschädigung des Qualitätsbegriffs "made in Germany". DIW-Präsident Marcel Fratzscher sagte der "Bild"-Zeitung, darüber hinaus könnten "auch andere deutsche Exporteure Schaden nehmen, denn VW war bisher ein Aushängeschild für Produkte "Made in Germany"".

Es müsse nun dringend "um Schadensbegrenzung für VW und für deutsche Exporteure allgemein gehen". Ähnliche Sorgen hatte am Montag auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel geäußert.

7. Top-Manager werden ihren Job verlieren

Nach dem Skandal droht dem Konzern ein gigantisches Köpferollen. VW-Manager weltweit werden mit ziemlicher Sicherheit ihren Job verlieren. Auch Vorstandschef Winterkorn muss um seinen Posten bangen. “Personelle Konsequenzen sind unausweichlich", sagte etwa Dieter Janecek, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, der Huffington Post.

Auch Niedersachsens ehemaliger Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) hat nach dem Skandal um Abgas-Manipulationen bei Volkswagen heftige Kritik am Konzern geübt. „Ich wüsste zu gerne, welcher Vollidiot entschieden hat, den Unternehmenserfolg von VW so leichtfertig aufs Spiel setzen“, sagte Bode der Huffington Post. Wer dafür verantwortlich sei, könne eins und eins nicht zusammenzählen, kritisierte der FDP-Politiker, einst selbst Mitglied des VW-Aufsichtsrates.

Noch weiter geht der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Dem ARD-Magazin “Plusminus” sagte er, dass Manipulationen dieser Größe nur von der zentralen Entwicklungsabteilung freigegeben werden könnten. Deren Chef ist Winterkorn. “VW braucht einen Neuanfang - ohne Winterkorn”. Gerüchte, dass Winterkorn durch den Porsche-Chef ersetzt werden soll, wies das Unternehmen als "lächerlich" zurück.Und Winterkorn? Der lehnt einen Rücktritt ab.

Am Mittwoch will sich der innerste Zirkel des Aufsichtsrats bei einem Krisentreffen mit dem Thema beschäftigten, hieß es aus VW-Kreisen. Zwei Tage später steht bei der VW-Aufsichtsratssitzung Winterkorns eigentlich seine Vertragsverlängerung an.

Nach Mega-Betrug durch VW - 4 fatale Konsequenzen für den Deutschen Autobauer

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