LIFE
19/09/2015 18:04 CEST | Aktualisiert 19/09/2015 18:06 CEST

"Black Dot Campaign": Ein kleiner schwarzer Punkt auf der Hand ist ein leiser Schrei nach Hilfe

Irgendwann schlägt er seine Frau, mit der Faust. Ihr erstes gemeinsames Baby war gerade einen Monat alt, als sich etwas in ihrer Beziehung veränderte. Es beginnt, als er aufgebrachter als sonst von der Arbeit nach Hause kommt. Dann scheinen Worte seinen Ärger nicht mehr ausdrücken zu können. Das Blut tropft Evgenia aus der Nase direkt auf ihr Baby, das sie im Arm hält.

Die junge Frau flüchtet zu ihrer Mutter. Sie ist verängstigt, erkennt ihren Mann nicht mehr wieder. Dennoch verlässt sie ihn nicht, sondern glaubt seinen Entschuldigungen. Ein Fehler.

Drei Tage bewusstlos im Badezimmer

Drei Tage lang liegt sie bewusstlos im Badezimmer, nachdem er ihren Kopf gegen die Toilette geschlagen hat. Er lässt sie liegen, hält das Baby an ihre Brust, um es zu füttern. Als sie wieder zu sich kommt, betrachtet sie sich im Spiegel. An ihrem Hals schimmern seine Fingerabdrücke bläulich durch die dünne Haut. Ihren Freunden wird er erzählen sie sei ausgerutscht und ihr Sohn habe ihr das blaue Auge beim Spielen verpasst. Aus Angst, ihre Kinder nie wieder zu sehen, bleibt sie bei ihm.

Frauen, die über ihr Leid sprechen

Evgenia (26) erzählt ihre Geschichte der Organisation „Cause of Death: Women“, die in investigativen Reportagen über häusliche Gewalt an Frauen auf der ganzen Welt berichten. Es sind ganz persönliche Geschichten von Überlebenden, wie sich die Frauen nennen, die es geschafft haben, die Beziehung zu verlassen und über Frauen, die die Gewalt nicht überlebten. Es sind Frauen, die sich trauen, über das Thema häusliche Gewalt zu sprechen. Viele aber schweigen, schämen sich, haben Angst.

Stiller Schrei nach Hilfe

Die Kampagne „Black Dot Campaign“ ermutigt Frauen, gegen Gewalt ein Zeichen zu setzten auch wenn sie nicht darüber sprechen wollen. Ein kleiner schwarzer Punkt inmitten der Handfläche ist ein leiser Ruf nach Hilfe. Für die Familie, Freunde, Ärzte, und Gemeinschaften wird so klar, dass die Frau Hilfe benötigt, ohne, dass sie es aussprechen muss.

Jeder Hilfsversuch birgt Risiken

Eine Überlebende hat die Idee für die Kampagne und begeistert über 22.000 Menschen für die Idee. Natürlich birgt jeder Versuch der Hilfe Risiken. Die Männer der Frauen könnten das Zeichen ebenfalls erkennen. Zu entscheiden, was für einen persönlich am sichersten ist, muss jede Frau selbst, heißt es von Gründerseiten auf der Facebookseite der Kampagne. Auch wenn die „Black Dot Campaign“ keine perfekte Lösung ist, ist sie erfolgreich. Sie bringt Leute dazu, über das Thema zu sprechen und im persönlichen Umfeld aufmerksamer zu sein. Frauen, die zu Hause Gewalt erfahren, sollen ihr Leiden nach Außen kommunizieren können. Laut und leise.

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