POLITIK
18/09/2015 09:33 CEST | Aktualisiert 18/09/2015 11:08 CEST

HuffPost an der serbisch-kroatischen Grenze: "Das ist verrückt, was hier passiert"

Seit vier Tagen bin ich jetzt schon an den südeuropäischen Grenzen unterwegs. Ich war in Österreich, ich war in Ungarn und in Kroatien. Und am Ende der Woche lässt sich sagen: Die Flüchtlingskrise in Europa spitzt sich immer weiter zu.

Gerade hänge ich im serbischen Backa Palanka fest, direkt an der Grenze zu Kroatien. Auf der anderen Seite der Donau steht mein Mietwagen. Ich habe ihn auf dem Hinweg dort stehen gelassen, weil ich ihn aus Versicherungsgründen nicht mit nach Serbien nehmen durfte. Jetzt würde ich ihn gern wieder abholen und zurück nach Deutschland fahren. Aber die Grenze vor mir ist dicht.

Bis auf einen sind seit Donnerstagabend alle Wege von Serbien nach Kroatien gesperrt. Der freie Grenzübergang wäre zwei Autostunden südlich. "Die kroatischen Kollegen haben alles dicht gemacht", sagt ein serbischer Grenzbeamter. "Wie lange es dauert, weiß niemand, vielleicht einen Tag, vielleicht auch fünf bis zehn Tage."

Die Grenzbeamten lassen niemanden mehr durch. Nicht mal Kroaten dürfen hinüber in ihre Heimat. "Das ist verrückt, was hier passiert", sagt ein kroatischer Lkw-Fahrer. "Was hat das noch mit Europa zu tun? Ich darf nicht mehr in mein eigenes Land einreisen."

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Dieser kroatische Lkw-Fahrer darf nicht mehr in sein eigenes Land (Credit: HuffPost/Christoph Asche)

Kroatien will dadurch verhindern, dass weitere Flüchtlinge in das Land kommen. Genau die aber erreichen Kroatien trotzdem. Mindestens 30 Busse sollen in der Nacht zur Grenze gekommen sein, berichtete das serbische Staatsfernsehen am Freitag. Die Flüchtlinge hätten Kroatien ungehindert über die "grüne Grenze" erreicht. Bisher kamen rund 14.000 Menschen auf kroatischer Seite an. Rund 10.000 warten wohl derzeit auf serbischer Seite auf die Weiterreise.

Gestern spielten sich an der Grenze chaotische Szenen ab. Flüchtlinge durchbrachen Polizeiabsperrungen. Deshalb hat das Land wohl jetzt die Übergänge dicht gemacht.

Ich werde jetzt versuchen, mit einem Taxi nach Batrovci zu kommen – dort soll die einzige noch offene Grenze sein. Dort will ich mein Glück versuchen. Aber es machen schon Gerüchte die Runde, dass auch der Übergang bald geschlossen werden soll.

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