WIRTSCHAFT
18/09/2015 03:45 CEST | Aktualisiert 18/09/2015 03:45 CEST

Aus diesen 3 Gründen wollte die Fed nicht die Zinsen anheben

Fed-Chefin Janet Yellen bei der Pressekonferenz gestern
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Fed-Chefin Janet Yellen bei der Pressekonferenz gestern

Die Nullzinsen gehen in die Verlängerung: Die US-Notenbank spielt bei der Normalisierung ihrer Geldpolitik weiter auf Zeit. Der Leitzins bleibe unverändert auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent, teilte die Federal Reserve gestern in Washington mit.

Der Ausnahmezustand bleibt als weiter bestehen. Auf diesem historisch niedrigen Niveau verharrt der Zins, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, bereits seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Ende 2008.

Die Fed hatte drei Gründe, ihre Zinsen nicht anzuheben.

1. Der Arbeitsmarkt in den USA

Fed-Chefin Janet Yellen misstraut den guten Nachrichten vom amerikanischen Arbeitsmarkt. Sie sagte vor Journalisten in Washington: "Die Zinsanhebung erfordert weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt." Zwar hätten die USA inzwischen Vollbeschäftigung erreicht, allerdings gebe es noch "eine Unterauslastung".

Vollbeschäftigung, aber gleichzeitig eine Unterauslastung? Das klingt etwas wischi-waschi. Viele Beobachter halten dieses Argument daher für vorgeschoben. Grund: Die wahren Gründe haben für die Fed-Entscheidung liegen nicht in den USA - aber das darf die Fed-Chefin so nicht sagen.

2. Die Börsenturbulenzen in China

Das Börsenchaos in Fernost dürfte wohl eher zu der Entscheidung beigetragen haben. Die Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten wurde explizit im Fed-Statement hervorgehoben: "Globale wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen könnten die Konjunktur bremsen." Diese Entwicklungen könnten der US-Wirtschaft nach Yellens Einschätzung zusetzen und auch weitere negative Auswirkungen auf die Inflation haben. Diese Risiken würden genau beobachtet, betonte Yellen.

Vor dem Hintergrund globaler Unsicherheiten hatten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank die Fed aufgefordert, vorerst von einer Zinsanhebung abzusehen. Die Verknappung des billigen Geldes würde Anleger noch nervöser machen, so die Befürchtung. "Die Fed scheint den von IWF und Weltbank mit Blick auf die Schwellenländer geäußerten Bedenken zum jetzigen Zeitpunkt Rechnung zu tragen, kommentierte Allianz-Chefökonom Michael Heise.

Die US-Geldpolitik ist für die gesamte Weltwirtschaft von hoher Bedeutung. Sind die Zinsen in den USA höher als im Ausland, so zieht das internationales Finanzkapital an und lässt damit den Kurs des US-Dollars steigen. Davor zittern vor allem Schwellenländer, in die in den Jahren der Nullzinsen viel Anlegergeld floss und deren Unternehmen sich stark in Dollar verschuldet haben. Die aber haben sich aber in den letzten Jahren zu den Motoren der Weltkonjunktur entwickelt - und die wollte Yellen nicht abwürgen.

3. Die niedrige Inflation

Spielraum für eine lockere Geldpolitik eröffnet hingegen die schwache Inflation, die weit vom Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank entfernt ist. Viele Ökonomen erwarten, dass der Rückgang der Arbeitslosenquote und das Anziehen der amerikanischen Wirtschaft zu einem Steigen der Inflation führen wird. Die liegt schon seit drei Jahren weit von ihrer idealen Marke von zwei Prozent entfernt. Yellen will erst ein Zeichen sehen, dass die Inflation zunimmt, bevor sie die Zinsen anhebt.

Wie geht es jetzt weiter?

Mit ihrem Entschluss erhöhen die Notenbanker den Druck, in einer der beiden Sitzungen Ende Oktober und Mitte Dezember tätig zu werden. Beim nächsten Treffen im Oktober handelt es sich um eine Sitzung ohne anschließende Pressekonferenz, auf der traditionell keine großen Entscheidungen zu erwarten sind. Viele Beobachter haben daher nun den Dezember im Blick. Grundsätzlich sei der Zinsschritt aber auch schon bei der kommenden Sitzung möglich, sagte Yellen.

Wie reagierten die Börsen auf die Nachricht?

Die Wall Street hat die Verschiebung der US-Zinswende am Donnerstag leicht negativ aufgenommen. Der Dow Jones Industrial auf ging gestern Berg- und Talfahrt. Zum Schluss stand der Leitindex 0,39 Prozent im Minus bei 16 674,74 Punkten. Heute Morgen tendierten die Börsen in Asien uneinheitlich. Während der Markt in der japanischen Hauptstadt Tokio Verluste verbuchte, legten die Aktienmärkte in China leicht zu. Der Euro nahm den US-Zinsentscheid positiv auf und notierte zuletzt mit deutlichen Gewinnen.

Mit Material der DPA

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