LIFESTYLE
18/09/2015 14:26 CEST | Aktualisiert 19/09/2015 05:14 CEST

10 Wege, wie Depressive anders mit der Welt umgehen

Thinkstock
Depressive sehen die Welt mit anderen Augen.

Für Depressive ist die Welt ein anderer Ort: Ein Ort, an dem sich die Zeit endlos zu dehnen scheint. Ein Ort, an dem Dunkelheit herrscht und jede Bewegung unglaubliche Kraftanstrengungen kostet.

Eine Depression ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen im Würgegriff hält und gehörig umkrempelt. Deshalb müssen sich Depressive anders verhalten als Gesunde. Diese 10 Dinge laufen bei ihnen völlig anders ab:

depression

1. Sie haben gelernt, immer auf der Hut zu sein.

Und zwar vor der nächsten Attacke dieser heimtückischen Krankheit. Depressive können schwer vorhersehen, wann ihre Erkrankung wieder zuschlägt. Auch an scheinbar guten Tagen voller glücklicher Erlebnisse oder mitten im Urlaub – die Depression kommt einfach, macht sich breit und die Tage werden wieder schwärzer.

2. Sie müssen die Zeit nutzen, die ihnen die Krankheit gibt.

Deshalb sind die Tage ohne depressive Stimmung besonders wertvoll. Viele Menschen mit Depressionen haben gelernt, diese sofort möglichst effektiv und sinnvoll zu nutzen. Sie blühen regelrecht auf und nehmen alle Dinge in Angriff, die sie vorher wegen der Krankheit nicht tun konnten.

3. Eine Depression macht das Bett zu einer unüberwindbaren Hürde.

Gesunde Menschen wollen morgens auch nur ungern das kuschelig weiche Bett verlassen. Aber eine Depression ist nicht mit der trüben Morgenstimmung Gesunder zu vergleichen. Alles – jede Tätigkeit, jede Bewegung – bedeutet eine unglaubliche Kraftanstrengung. Es kann sein, dass Depressive Stunden brauchen, um sich anzuziehen und etwas zu essen.

4. Depressive Menschen versuchen, die Krankheit hinter einem Lächeln zu verstecken.

Andere Depressive wiederum quälen sich durch den Tag, ohne jemandem zu sagen, wie schlecht es ihnen geht. Viele Menschen mit Depressionen haben nicht nur Angst vor Stigmatisierung und Unverständnis, sie wollen auch ihren Mitmenschen nicht zur Last fallen. Deshalb wirken sie nach außen freundlich und teilweise sogar ausgesprochen fröhlich, dabei geht es ihnen in Wirklichkeit richtig schlecht.

5. Sie haben ein besseres Selbstverständnis.

Da depressive Menschen lernen müssen, mit ihrer schweren Krankheit umzugehen, lernen sie sich auch selbst viel intensiver kennen. Sie können ihre Stärken und Schwächen besser einschätzen und denken viel über sich und ihre Situation nach. Dabei zeigen sie viel Kreativität, wie die eindrucksvollen Bilder des Fotografen Christian Hopkins beweisen, der selbst an der Krankheit leidet.

6. Depressionen verlangsamen die Zeit.

Die Stunden ziehen sich qualvoll in die Länge und wollen einfach nicht vergehen. Menschen mit Depressionen haben das Gefühl, sie seien durch eine Blase von den anderen Menschen getrennt und in dieser Blase vergeht die Zeit langsamer.

Depressive haben laut einer Studie der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz tatsächlich ein anderes Zeitempfinden. Konkrete Zeitintervalle konnten sie zwar genauso gut einschätzen wie die gesunde Kontrollgruppe, sie litten aber unter dem Gefühl, dass die Zeit langsamer vergeht.

7. Sie nehmen deine Gefühle besser wahr.

Menschen mit Depressionen sind sensibler. Sie haben feine Antennen und können die Gefühle anderer stärker wahrnehmen. Allerdings kann sich diese Begabung gegen sie wenden, wenn sie sich zu sehr in die Gefühlswelt anderer hineinsteigern. Depressive reagieren viel stärker auf die Meinungen und Emotionen ihrer Mitmenschen und geben ihnen mehr Bedeutung.

8. Depressive Menschen leben in einem Gefängnis.

Autor Jamie Flexman, der unter Depressionen leidet, beschreibt das so:

"Du bist im Grunde in deinem eigenen Gefängnis eingesperrt und der einzige Zugang zu deinem Gehirn liegt hinter dieser verschlossenen Tür. Manchmal, nur für kurze Zeit, ist es dir erlaubt, herauszukommen und deine Beine zu strecken, aber du weißt, dass das nur vorübergehend ist. Schließlich musst du doch in deine Zelle zurückkehren und darauf warten, dass du noch einmal eine Chance bekommst, wie ein normales Mitglied der Gesellschaft zu funktionieren."

9. Jeder muss seinen eigenen, schweren Weg gehen.

Um sich aus den Fängen der Krankheit zu befreien, müssen Depressive lange und hart an sich arbeiten. Sie werden viele Ärzte besuchen und wahrscheinlich professionelle Hilfe brauchen.

Sie werden viele dunkle Tage erleben und wenige helle. Und sie werden immer wieder Rückfälle erleiden. Aber sie werden versuchen, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen und dafür ihren ganz eigenen Weg finden müssen, weil eine Depression viele Gesichter hat und jeder anders damit umgeht.

10. Sie haben gelernt, mit ihrer Krankheit zu leben.

Eine Depression begleitet die meisten Betroffenen ein Leben lang. Sie verschwindet nicht einfach, wenn man „Lach doch mal“ sagt oder ein bisschen mehr Urlaub macht. Deshalb lernen die meisten Depressiven im Laufe ihres Lebens, sich mit der Krankheit zu arrangieren. Das ist schwer, aber es gibt viele Betroffene, die es schaffen und ihre Ziele trotzdem erreichen.

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