GOOD
17/09/2015 15:41 CEST | Aktualisiert 02/10/2015 13:45 CEST

"Zum Tode verurteilt": Für dieses Foto fällt es uns schwer, Worte zu finden

Zehntausendfach haben Menschen auf der ganzen Welt dieses Bild auf Facebook, Twitter und Instagram geteilt. Es ist ein erschreckendes Bild. Denn es führt uns allen vor Augen: Auch wenn die Pole sehr weit weg sind - die Folgen des Klimawandels sind dramatisch spürbar.

eisbaer

Credit: Kerstin Langenberger

Aufgenommen hat das Bild der völlig abgemagerten Eisbärdame die deutsche Fotografin Kerstin Langenberger. Als sie auf einer Tour in der Region Svalbard im Arktischen Ozean unterwegs war, lud sie das Foto des verletzten Tieres auf Facebook hoch und schrieb dazu, besonders weibliche Eisbären hätten es immer schwerer, Futter zu finden. Wenn sie keine ausreichend großen Eisschollen mehr haben, auf denen sie ihre Jungen unterbringen können, haben sie praktisch keine Chance zu überleben. "Sie sind zum Tode verurteilt."

"So dünne Bären habe ich schon oft gesehen, und alle waren weiblich - so wie diese. Sie ist gerade noch ein Skelett, ihr Fuß ist verletzt", schreibt die Fotografin. Weil die Polkappen abschmelzen, weicht das Eis immer weiter in den Norden zurück. Das zwinge die Eisbären, an Land nach Nahrung zu suchen, was viel beschwerlicher und gefährlicher sei.

Lage der Eisbären in der Arktis ist prekär

Nun ist Langenberger zwar keine Wissenschaftlerin und kann deshalb nur Mutmaßungen darüber anstellen, welche Schlüsse aus ihrem Foto zu ziehen sind. Doch ihr trauriges Foto wirft die dringliche Frage auf, wie es um die Spezies der Polarbären steht. Und die Antwort darauf scheint keine gute zu sein.

Die norwegische Regierung zumindest liefert keine hilfreichen Informationen, wenn es um den Zustand der Eisbären in ihrem Land geht. Alles, was sie sagen kann, ist, dass es 2004 3000 Eisbären in der Svalbard-Region gab. Wie viel davon noch übrig sind, scheint schwer zu ermitteln.

Wenige Tage nach Langenbergers verstörendem Facebook-Post stellte der "National Geographic"-Fotograf Paul Nicklen ein Bild bei Instagram ein, das er ebenfalls in der Svalbard-Region aufnahm. Es zeigt einen toten, ebenso abgemagerten Eisbär.

Last summer I traveled with a group of friends to Svalbard, Norway in search of polar bears. We went to my favorite spot where I have always been able to find bears roaming around on sea ice throughout the summer. On this occasion, however, we didn't find any sea ice and we never found any bears alive. We did find two dead bears in this location and other groups found more dead bears. These bears were so skinny, they appeared to have died of starvation, as in the absence of sea ice, they were not able to hunt seals. In all of my years of growing up in the Arctic and later, working as a biologist, I had never found a dead polar bear. It is now becoming much more common. Through @sea_legacy and @natgeo we will continue to shine a light on our changing planet to convince the unconvinced. Please follow me on @paulnicklen to learn more about the effects of climate change. #polarbear #nature #wildlife #arctic #seaice @thephotosociety

Ein von Paul Nicklen (@paulnicklen) gepostetes Foto am


"Diese Bären waren so mager, dass sie an Erschöpfung gestorben sein müssen, weil sie ohne Eisschollen auch keine Seelöwen mehr jagen konnten", schrieb Nicklen dazu. In all den Jahren, die er als Biologe, auch in der Arktis, gearbeitet habe, habe er noch nie einen toten Eisbär gefunden.

Seit Jahren warnen Wissenschaftler davor, dass das Eis in der Arktis gefährlich schnell abschmilzt. Die NASA veröffentlichte Anfang diesen Jahres einen Bericht, dass das Meereseis den niedrigsten Jahreswert aller Zeiten erreicht hat.

Das Eis ist so stark zurückgegangen, dass "National Geographic" sogar seinen Atlas aktualisieren musste:


Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Video:Expedition in die Antarktis: Forscher entschlüsseln Blutgletscher-Phänomen

Hier geht es zurück zur Startseite