POLITIK
17/09/2015 05:02 CEST | Aktualisiert 17/09/2015 09:26 CEST

7 Gründe, warum der Westen mit Putin und Assad verhandeln muss

Getty
Wladimir Putin und Bashar al-Assad im Jahr 2005 in Moska

Jetzt doch? Tagelang haben die USA den Vorschlag Wladimir Putins abgelehnt, eine gemeinsame Koalition gegen den Islamischen Staat einzugehen. Obama hatte vergangene Woche erklärt, Putins Strategie sei "zum Scheitern verurteilt".

Plötzlich werden andere Töne angeschlagen. Die USA und Russland erwägen offenbar ein gemeinsames militärisches Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien. Im Gespräch seien Absprachen auf militärischer Ebene, sagte US-Außenminister John Kerry am Mittwoch bei einem Treffen mit seinem südafrikanischen Amtskollegen Maite Nkoana-Mashabane. Die USA, die ein internationales Bündnis gegen die IS-Kämpfer anführen, würden eine "konstruktive Unterstützung" Moskaus begrüßen, sagte auch Regierungssprecher Josh Earnest.

Hier sind 7 Gründe, warum es jetzt endlich Zeit ist, sich mit Assad und Putin an einen Tisch zu setzen:

1. Eines ist sicher: Wenn wir einen Frieden in Syrien wollen, dann wird das nur geschehen, wenn der Westen Russland, Assad und den Iran in die Verhandlungen einbezieht. Die USA hatten es bisher abgelehnt, Russland in ihre Syrien-Strategie zu integrieren, da Putin ein Unterstützer des Machthabers Assad ist.

Lest dazu auch: Was will Putin mit DIESEN Waffen in Syrien?

2. Das "moralische" Argument der USA zieht nicht mehr. Nach Ansicht Obamas hat Assad die Legitimität seines Volkes verloren. In dem seit mehr als vier Jahren tobenden Bürgerkrieg wird er beschuldigt, Frauen und Kinder mit Fassbomben angegriffen und Giftgas und Folter gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt zu haben. Besser als am Verhandlungstisch wäre er vor einem internationalen Gericht für Kriegsverbrecher aufgehoben, meinen die USA. Doch was ist das für eine Moral, die den Tod von Tausenden Menschen akzeptiert?

3. Der Westen ist mit seiner Politik bisher spektakulär gescheitert. Der Sturz Assads mit Unterstützung des Westens und eine völlige Machtübernahme der Opposition in Syrien ist derzeit in weite Ferne gerückt. Nach mehreren Jahren des Krieges ist offensichtlich, dass Assad nicht verschwinden wird.

4. Es bleibt nur noch ein realistisches Szenario, das nicht mit einer völligen Machtübernahme des Islamischen Staates in Syrien und einem noch viele massiveren Flüchtlingsstrom nach Europa endet: Eine Lösung, bei der Assad freiwillig zurücktritt, ins Exil geht und sich das Regime und die Opposition auf einen Verhandlungsfrieden einigen. Syrien würde gespalten. Das würde nur gelingen, wenn man den Iran und Russland in die Verhandlungen mit einbezieht.

Es wäre ein schlechter Frieden. Aber ein schlechter ist besser als gar keiner.

5. Misstrauen gegenüber Russland ist angebracht, ja - aber in der aktuellen Situation fehl am Platz. "Wir nehmen nichts für bare Münze", stellte der Chefdiplomat John Kerry klar. Es gebe ernsthafte Zweifel an den Absichten Russlands. So sah es die USA bisher. Aber die Signale in Richtung Putin zeigen auch, dass die USA ihre Haltung überdenken. Das wäre angesichts der katastrophalen Situation in Syrien nur angebracht.

6. Putin ist realistisch, was seine Optionen angeht. Er weiß, dass es keinen Frieden ohne einen Rücktritt Assads geben wird. Dafür hat Assad zu viel Blut vergossen. Russland hat diese Möglichkeit eines Rücktritts mehrmals angedeutet. Putin ist der einzige Politiker, der Verhandlungen mit Assad aufnehmen und einen Abgang erwirken kann. Gerade deshalb müssen die USA und Europa in Verhandlungen über Syrien mit Russland und Assad treten.

7. Gespräche mit Putin und Assad unterstützen mittlerweile auch Länder aus dem Westen. Spaniens und Österreichs Außenminister zum Beispiel setzen sich längst für Gespräche mit Assad ein. Auch deutsche Politiker sollten sich dem nicht verschließen.

Man muss das Assad-Regime nicht unterstützen. Doch wenn wir ein Ende der Kämpfe in Syrien wollen, müssen wir zumindest mit ihm reden.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Neue Freundin? Bilder zeigen Wladimir Putin mit attraktiver Blondine

Hier geht es zurück zur Startseite