POLITIK
17/09/2015 08:54 CEST | Aktualisiert 17/09/2015 09:13 CEST

"Flüchtlinge bedrohen unsere christliche Identität": Die Wahrheit über unsere gefährdete Kultur

"Flüchtlinge bedrohen unsere christliche Identität": Die Wahrheit über unsere gefährdete Kultur
dpa
"Flüchtlinge bedrohen unsere christliche Identität": Die Wahrheit über unsere gefährdete Kultur

In diesen Stunden baut Ungarn einen Zaun. Den zweiten Zaun schon, der Flüchtlinge davon abhalten soll, in das Land einzureisen.

Nachdem Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán zuerst die serbisch-ungarische Grenze "gesichert" hat, soll nun auch die Grenze zu Rumänien abgesperrt werden. Möglicherweise soll sogar ein dritter Zaun entstehen, an der Grenze zu Kroatien. "Wir folgen ihren Spuren", sagte Orbán der französischen Zeitung "Le Figaro". Es klingt bedrohlich.

Orbán baut Zäune, weil er verhindern will, dass Muslime in sein Land einwandern. Er glaubt, dass sie die christliche Identität gefährden, weil sie sich nicht integrieren wollen.

Um diese christliche Identität zu finden, muss man zur Zeit ziemlich tief graben. Nicht nur in Ungarn. Auch in Tschechien, der Slowakei, Rumänien. Ausnahmslos christliche Staaten. Sie alle stellen sich gegen eine Verteilung der Flüchtlinge per Quote. Sie alle möchten so wenige Flüchtlinge wie möglich aufnehmen.

Dabei verlangt das Christentum das genaue Gegenteil von ihnen:

"Du aber tritt für die Leute ein, die sich selbst nicht verteidigen können! Schütze das Recht der Hilflosen! Sprich für sie, und regiere gerecht! Hilf den Armen und Unterdrückten!" (Lemuel 31,8-9)

"Unterdrückt die Fremden nicht! Ihr wisst ja, wie ihnen zumute sein muss, denn ihr seid selbst einmal Fremde in Ägypten gewesen." (2. Mose 23,1-9)

"Gebt den Hungrigen zu essen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen!" ( Jesaja 58, 7)

"Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt Mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt Mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und Ihr habt Mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt Mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt Mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu Mir gekommen." (Matthäus 25, 35-36)

Übrigens: Das Wort "Fremder" hat in der Bibel die gleiche Bedeutung wie "Gast". Jesus selbst musste als Kind nach Ägypten fliehen, um sein Leben zu retten, wie in Matthäus 2,13–15 zu lesen ist. Migration und Völkerwanderung sind so alt wie die Menschheit selbst.

Wo ist die christliche Identität also, wenn wir sie brauchen? Sie wird von Asylgegnern und Ausländerhassern nur zu gerne herangezogen, um fadenscheinige Thesen zu untermauern.

Nein, die christliche Identität ist keineswegs gefährdet. Sie wird in diesen Wochen und Monaten nur sehr hart auf die Probe gestellt.


Lesenswert:

2015-08-06-1438870629-2559366-10000.png

200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

Lebensgefahr durch Minen: Ungarn schließt die Grenze - nun müssen Flüchtlinge eine tödliche Route nehmen

Hier geht es zurück zur Startseite