POLITIK
17/09/2015 03:02 CEST | Aktualisiert 17/09/2015 03:02 CEST

Barack Obama reagiert perfekt auf einen muslimischen Schüler, der diskriminiert wurde

Ap

Es ist eine Geschichte, die viele über die USA erzählt. Ahmed Mohamed ist ein Neuntklässler an der MacArthur High School Stadteil Irving von Dallas. Er wirkt wie ein Charakter aus der Serie "The Big Bang Theory": dünne Arme, Brille, NASA-T-Shirt - ein bekennender Nerd. Als er Montag seine Schule betrat, konnte er nicht wissen, dass er einen landesweiten Skandal auslösen würde, in den sich sogar das Weiße Haus einschalten wird.

Ahmed ist das Kind sudanesischer Einwanderer. Und er liebt Computer und Elektronik. In seinem Zimmer flimmern Bildschirme, Drähte und Platinen liegen auf seinem Schreibtisch. Er baut seine eigenen Radios und repariert sein Go-Kart selbst. Am Sonntag verbrachte er 20 Minuten damit, kurz einen Digitalwecker aus einer Platine, einer Stromversorgung und einem Display zu bauen. Den wollte er am Montag seinem Technik-Lehrer zeigen.

ahmed wecker

Er hatte keine Ahnung, was er damit auslösen würde. Sein Technik-Lehrer warnte ihn, dass er seinen Wecker im Rucksack lassen solle und niemanden zeigen wolle. Er hielt sich dran. Doch dann fing sein Wecker, an im Englisch-Unterricht zu piepen. Ahmed versuchte, das Piepen abzustellen. Sein Lehrer sah nur eines: Einen dunkelhäutigen Jungen, der mit Nachnamen Mohamed heißt, und aus dessen Rucksack Drähte hängen. Offensichtlich eine Gefahr. Ahmed wurde aus dem Unterricht geholt. Kurz darauf traf die Polizei ein. Und dann entstand dieses Foto: Ahmed, dem die Sprachlosigkeit und Verwirrung ins Gesicht geschrieben steht, ihn Handschellen und NASA-T-Shirt.

Und damit hat die Geschichte gerade erst angefangen. Drei Lehrer beschuldigten ihn, eine Bomben-Attrappe gebaut zu haben. Ahmed wurde abgeführt, von sechs Polizisten vernommen, ihm wurden Fingerabdrücke abgenommen und er wurde stundenlang festgehalten. Außerdem wurde er für mehrere Tage vom Unterricht ausgeschlossen.

Das Bild von Ahmed in Handschellen verbreitete sich auf Twitter. Ahmeds Schwestern (18 und 17) hatten sofort den Twitter-Account @istandwithahmed (etwa: Ich halte zu Ahmed) kreiert, weil ihr Bruder selbst es nicht so mit Social Media habe. Er hatte am Mittwoch Nachmittag bereits über 28.000 Follower. Die Zeitung "Dallas Morning News" zeigte ein Video des Jungen, der in seinem Zimmer - das einem Elektrolager gleicht - sehr ernst in die Kamera spricht. Ahmed sagte, er liebe das Basteln. In der Middle School war er Mitglied des Roboterclubs. "Jetzt, an der High School, weiß keiner so richtig, was ich mache", sagte er. Also schraube er einfach wie früher an Sachen. Ahmeds Vater sagte: "Ahmed möchte gute Sachen für die Menschen erfinden. Aber weil er Mohamed heißt und auch wegen des 11. September, ist er schlecht behandelt worden."

Die Reaktion der Polizei machte es nur noch schlimmer. Irvings Polizeichef Larry Boyd sagte in einer Pressekonferenz am Mittag, es würde zu keiner Anklage kommen, das Ahmed "nicht in böser Absicht" gehandelt habe. Ansonsten verteidigte er das Vorgehen der Polizei: "Wir leben in einer Zeit, in der man sowas einfach nicht mit zur Schule nehmen kann." Die Religion des jungen habe bei der Entscheidung der Polizei keine Rolle gespielt. "Natürlich" sei diese Uhr erstmal verdächtig gewesen, sagte Boyd. Die Handschellen hätten nur der Sicherheit des Jungen und der Polizisten gedient und seien "gängige Praxis".

texas ahmed mohamed

Boyd hatte offensichtlich Etwas nicht verstanden. Nur weil etwas "gängige Praxis" ist, heißt das noch lange nicht, dass es richtig ist. Genau darum ging es bei diesem Skandal. Wenn ein Junge einen Wecker bastelt und deshalb in Handschellen abgeführt wird und das Ganze dann auch noch "gängige Praxis" ist - dann ist das ein gesellschaftliches Problem.

Ahmed ist jetzt in den USA ein Star. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg lud ihn ihn die Firmenzentrale ein: "Wenn jemand die Fähigkeiten und den Ehrgeiz hat, etwas Cooles zu bauen, sollte man ihm applaudieren und ihn nicht verhaften. Ahmed, wenn du mal bei Facebook vorbeischauen willst, es würde mich freuen, dich kennenzulernen. Bastel weiter!", postete er auf dem Netzwerk.

mark zuckerberg

Dann schaltete sich das Weiße Haus ein. Der Präsident Barack Obama schrieb auf Twitter: "Coole Uhr, Ahmed. Magst Du sie ins Weiße Haus bringen?" Die Ironie in diesem Statement war nicht zu überhören. Über seinen Sprecher Josh Earnest ließ er nachlegen: Ahmeds Verhaftung sei ein lehrreicher Moment für das ganze Land. "Wir müssen uns ein paar schwierige und bohrende Fragen stellen", falls Ahmed wegen seines muslimischen Hintergrunds arrestiert worden sei. Das Weiße Haus freue sich, Ahmed zu seiner Astronomienacht einzuladen. Dort verbringen Astronauten und Wissenschaftler Zeit mit jungen Leuten. "Wir hoffen, dass Ahmed sich hier sofort zu Hause fühlt", sagte Earnest.

Ein einladung des Präsidenten - doch noch immer ist Ahmed vom Unterricht ausgeschlossen. Reportern sagte er, er plane, zu "irgendeiner anderen Schule" zu wechseln. Er hat sich geschworen, nie mehr eine Erfindung mitzubringen.

Mit Material der AP

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Krise in Europa: Flüchtlingshelfer in München klagt an: "Die Willkommenskultur darf nicht am Bahnhof enden"

Hier geht es zurück zur Startseite