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17/09/2015 10:55 CEST | Aktualisiert 17/09/2015 12:49 CEST

Hier zeigen Sachsen ihre ganze Abscheulichkeit

ARD

Ostdeutschland genießt aktuell nicht den besten Ruf. Orte wie Tröglitz, Heidenau und Freital sind zum Symbol für ein neues Zeitalter der Fremdenfeindlichkeit geworden. Doch sind die neuen Bundesländer wirklich rassistischer als die Alten? Nein, sagen die dortigen Ministerpräsidenten und verweisen darauf, dass auch im Westen Flüchtlingsunterkünfte brennen würden.

Ein Team des ARD-Magazins "Kontraste" wollte es genau wissen: Was erlebt ein Mensch mit dunkler Hautfarbe in Sachsen, wenn er eine Wohnung oder einen Job sucht oder einfach nur ein Eis essen geht? Die Autoren sind mit einem gebürtigen Senegalesen durch den Freistaat gereist. Die Reaktionen? Erschreckend - aber auch überraschend.

Niaga ist Musiker und stammt aus dem Senegal, lebt aber schon seit einigen Jahren in Berlin. Zusammen mit einem Reporterteam begab er sich nun auf eine experimentelle Reise quer durch Sachsen.

"Sowas nannte man früher Rassenschande"

Die erste Station der Reise ist Riesa. In der 30.000-Einwohner Stadt schlendert der Afrikaner mit einer weißen Frau durch die Fußgängerzone. Als sie an einer Eisdiele Platz nehmen, passiert es: Im Vorbeigehen wirft ihnen eine junge Frau folgenden Satz zu: "Sowas nannte man früher Rassenschande".

Die Pöblerin ist jedoch keine Unbekannte im rechten Milieu: Es ist Emma Stabel, "Journalistin" beim NPD-eigenen Presseorgan "Deutsche Stimme". Sie ist Moderatorin bei "DS-TV" und präsentiert sich dort und auf ihrer Facebook-Seite als nette junge Frau, der einzig und allein ihre Heimat im Herzen liegt. Mit jungen Gesichtern wie Stabel und dem neuen Parteivorsitzenden Frank Franz will die rechtsextreme Partei weg vom gewalttätigen Image. Die wahren, menschenverachtenden Einstellungen der "frischen Gesichter" bleiben trotzdem nicht im Verborgenem.

Auf Wohnungssuche

In Chemnitz begibt sich das Team auf Wohnungssuche für den jungen Mann. Eine Stadt, die mit starkem Immobilien-Leerstand zu kämpfen hat. Als der Makler bei einer Wohnungsbesichtigung einen Schwarzen vor sich stehen sieht, ist er überrascht und reagiert abweisend. Er macht ihm deutlich, dass er ihn hier nicht haben möchte.

Bei der nächsten Besichtigung ist Niaga überrascht. Die Maklerin ist freundlich und nimmt sich viel Zeit für ihn. Diese Wohnung würde er wohl bekommen.

Rassistische Hetze vor dem Supermarkt

Die Reise führt weiter nach Regis-Breitingen. Das Team wurde gewarnt, dass es vor einem Supermarkt in dem 4.000-Seelen Ort in der Nähe von Leipzig immer wieder zur rechtsextremen Pöbeleien kommen soll. Kurz nach ihrer Ankunft erleben sie es am eigenen Leib: Aus einem Auto heraus werden sie mit Ausdrücken beschimpft, die wir hier nicht wiedergeben wollen.

Auf Arbeitssuche

In der Nähe von Dresden bewirbt sich Niaga auf ein Jobangebot in einer Lackiererei. Wieder ist er überrascht: Der Arbeitgeber ist freundlich, zeigt ihm den Betrieb und ist auch mit seinen Deutschkenntnissen - eine wichtige Vorraussetzung für die Stelle - zufrieden.

Ja zum Heim!

Weiter geht's nach Nassau ins Erzgebirge. Im 800-Seelen Dorf sollen ebenfalls Asylsuchende unterkommen. Auch hier regt sich Widerstand aus der örtlichen Bevölkerung. Niaga will helfen und startet eine Unterschriftenaktion "Ja zum Heim". Mit mäßigem Erfolg: Die Vorbehalte sind groß, die Gründe wirr. Ein Mann, der eigentlich helfen will, kapituliert aus Angst vor Rechten. Nur eine ältere Dame findet, dass Flüchtlinge hier willkommen sind und unterschreibt.

Riesa - Ein Ort der Vielfalt?

In Riesa ist gerade Stadtfest. Motto: Riesa - ein Ort der Vielfalt. Doch von dieser Vielfalt ist nur wenig zu spüren. Überall wird der Senegalese wie ein Aussätziger angestarrt und bepöbelt. Man macht ihm deutlich, dass Schwarze in der Stadt und leider auch in großen Teilen der sächsischen Provinz nicht erwünscht sind.

Die ganze Doku könnt ihr hier sehen.

Lesenswert:

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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