WIRTSCHAFT
16/09/2015 06:54 CEST | Aktualisiert 16/09/2015 07:09 CEST

Tschüss, Statussymbol! 5 Thesen, wie der Automarkt der Zukunft aussehen wird

Das Google-Roboterauto
DPA
Das Google-Roboterauto

Riesige Hallen, glänzende Konzeptautos und die obligatorischen Hostessen: Rein äußerlich könnte die aktuelle IAA, die sich am Donnerstag für das Publikum öffnet, eine Autoausstellung wie jede andere sein. Doch hinter den Kulissen herrscht bei den Ausstellern Anspannung. Die Branche steht vor gewaltigen Umbrüchen.

Vor allem Google machte mit seinen selbstfahrenden Autos in den vergangenen Wochen Schlagzeilen - ob die deutschen Autobauer, die maßgeblich zur deutschen Wirtschaft beitragen und Hunderttausende Arbeitsplätze schaffen, mit der neuen Konkurrenz aus den USA mithalten können, ist aber fraglich. Schaffen sie es nicht, könnte das den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden. Deshalb lohnt es sich, die Entwicklungen im Automobilsektor etwas genauer zu betrachten.

Hier sind fünf Thesen über den Automarkt der Zukunft:

1. Selbstfahrende Autos werden sich durchsetzen

Inzwischen arbeiten alle Auto-Hersteller an Technologie für selbstfahrende Autos - bis sie sich auf der Straße durchsetzen, ist nur noch eine Frage der Zeit. Der Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist sich sicher, dass Autos, die keinen Fahrer mehr brauchen, die Straßen schneller erobern werden, als viele Menschen denken.

Schon 2025 könnten mehr als ein Viertel aller Neuwagen von alleine fahren: "Je mehr selbstfahrende Autos im Straßenbild sichtbar sind, desto mehr wird diese Technik nachgefragt werden."

2. Apple und Google drängen in den Automarkt

Die zwei Unternehmen, über die auf der IAA gesprochen wird, sind auf der Ausstellung gar nicht anwesend: Google und Apple. Die Ambitionen der IT-Konzerne sind offensichtlich. Google arbeitet seit Jahren an der Technik für selbstfahrende Fahrzeuge und testet einen Stadtwagen aus eigener Entwicklung.

Apple entwirft angeblich ein Elektro-Auto. Auch beim japanischen Elektronikhersteller Sony gibt es Gedankenspiele über einen Einstieg in das Automobilgeschäft.

"Der Wettlauf um die Mobilität der Zukunft ist extrem hart, eine Erfolgsgarantie gibt es für niemanden", sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn im Frühjahr. Etwa jeder dritte Deutsche (32 Prozent) würde jetzt schon ein Auto von einem IT-Konzern wie Apple oder Google kaufen. Das geht aus einer Untersuchung der IT-Beratung Capgemini hervor, die am Dienstag auf der IAA in Frankfurt vorgestellt wurde.

3. Autos werden zu Smartphones auf Rädern

Warum sind Google und Apple so sehr am Automarkt interessiert? Es geht ihnen dabei um die Zeit, die Fahrgäste gelangweilt in den Fahrzeugen verbringen - und in der sie das Internet nutzen können, um auf Dienste der beiden Unternehmen zuzugreifen.

Deshalb ist es ihnen so wichtig, dass ihre Entwicklungen keine Lenkräder mehr haben. "Google hat kein Interesse an Auto-Hardware. Google will ein Mobilitätssystem in großen Städten erschaffen", sagt Axel Schmidt von der Unternehmensberatung Accenture.

Im Auto werde es künftig um den Zugang zu den Insassen gehen, darum, welche Dienste von welchem Anbieter ins Fahrzeug kommen, ist Schmidt überzeugt. "Das Spiel wird sich in den nächsten drei bis fünf Jahren entscheiden." Es ist ein Wettkampf der Plattformen, in dem Google und Apple Hunderte Millionen Smartphone-Kunden haben. "Wer die meisten Nutzer auf seiner Plattform hat, wird das System bestimmen, wird die Services bestimmen und letztlich auch die Preise und die Margen."

4. Die traditionellen Autohersteller werden zu Zulieferern der Software-Unternehmen.

Bisher haben weder Apple noch Google serienreife Pkws vorgestellt. Und wahrscheinlich ist das auch gar nicht der Plan der Technologie-Unternehmen. Die beiden Unternehmen sind es gewohnt, riesige Margen einzufahren - und in der Auto-Branche sind die eher niedrig.

Daher ist es wahrscheinlicher, dass Google das "Hirn" des Autos liefert - die Selbstfahrtechnologie und Unterhaltungs- und Informationssysteme - während die traditionellen Hersteller den "Körper" liefern. Das würde den Status der Autohersteller auf den eines reinen Zulieferers reduzieren.

Man könne sich eine Zukunft vorstellen, in der die Autoindustrie die Fahrzeuge baut - "aber das Gehirn kommt von Apple oder Google", sagt Schmidt von Accenture. Davor habe die Branche zu Recht Angst. "Und dieser Erkenntnisprozess ist inzwischen eingetreten."

"Wenn ein Google-System das Hirn des Fahrzeugs ist, werden die Autobauer nur noch ganz normale Zulieferer sein", sagt Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. "Wir wollen keine Lieferanten werden, die keinen direkten Kundenkontakt mehr haben und Hardware an Dritte liefern“, antwortet Daimler-Chef Zetsche in einem Interview mit Wirtschaftsportal dub.de auf die Frage, ob es denkbar wäre, Autos für Google oder Apple zu produzieren.

Auch BMW-Chef Harald Krüger schloss Kooperationen mit IT-Unternehmen wie Google oder Apple nicht grundsätzlich aus. Allerdings müssten beide Partner "von einer Kooperation profitieren", sonst werde so etwas nicht lange funktionieren.

Das klingt alles schon jetzt sehr defensiv.

5. Autos werden keine Statussymbole, sondern reine Fortbewegungsmittel sein

Bisher war das Auto mehr als ein Mittel zur Fortbewegung - es war auch ein Symbol für Männlichkeit, Macht und Status, bei dem entscheidend war, dass der Fahrer es selbst steuert. Junge Menschen haben daran immer weniger Interesse - sie wollen einfach von A nach B kommen.

Dieser Trend fällt zusammen mit dem Aufkommen von selbstfahrenden Autos. Die Zukunft ist wohl ein unscheinbares und austauschbares Google-Mobil, das bei Bedarf fahrerlos vor der Tür steht und danach verschwindet, ohne dass man sich groß darüber Gedanken macht.

Der Trend, dass der Autobesitz vor allem jüngeren Leuten weniger wichtig wird, ist auch der Autobranche bewusst. Auch Daimler und BMW stellen sich mit Carsharing darauf ein. Und Studien besagen, dass mit selbstfahrenden Autos deutlich weniger Fahrzeuge gebraucht werden könnten.

Mit Material der DPA

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