LIFE
14/09/2015 13:13 CEST | Aktualisiert 14/09/2015 15:07 CEST

Das passiert wirklich, wenn man sein Kind Kevin oder Chantal nennt

Das könnte einer sein: ein Kevin. Jeder hat sein Bild darüber, wie der Mensch zum Namen aussieht
YouTube
Das könnte einer sein: ein Kevin. Jeder hat sein Bild darüber, wie der Mensch zum Namen aussieht

Ausgefallene Namen liegen bei Eltern im Trend. Schließlich soll der Nachwuchs nicht heißen wie alle anderen Kinder in der Spielgruppe. Doch viele Eltern vergessen bei der Namensvergabe, dass Kinder nicht ewig klein und niedlich bleiben und im Erwachsenenalter möglicherweise Schwierigkeiten haben, mit ihrem Namen ernstgenommen zu werden.

Das ist ein echtes Problem, denn der Vorname hat nicht nur enorme Auswirkungen auf das Selbstbild einer Person, er kann auch darüber entscheiden, welchen Eindruck sie auf andere macht. Zu dieser Erkenntnis kamen Forscher der University of Illinois im Jahr 2010.

Im Interview mit der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärt Namensforscherin Damaris Nübling, warum ein Vorname für einen Menschen durchaus zur Belastung werden kann.

Viele würden lieber anders heißen

"In meinen Seminaren frage ich die Studenten öfter, ob sie zufrieden sind mit ihren Vornamen. Gut 20 Prozent sagen: Wenn ich dürfte, würde ich meinen Vornamen ändern“, sagte sie.

Die beste Wahl für einen Namen treffe daher immer noch die Person selbst. Nüblings Idee: “Ich bin dafür, es den Kindern zu überlassen, sobald sie volljährig sind, sich selbst einen Rufnamen zu geben. In Schweden ist das etwa der Fall.“

So ließe sich beispielsweise vermeiden, dass Menschen später unter sogenannten Lallnamen wie Lilly leiden. Wer so heißt, könnte als Erwachsener nicht ganz ernst genommen werden, glaubt Nübling.

Es sei auch nicht empfehlenswert, sein Kind nach einer berühmten Persönlichkeit zu benennen, meint die Forscherin. "Eltern wollen sich selbst und ihre eigene soziale Schicht benennen, denken aber nicht an das Kind."

Kevin, Chantal, Angelina - Namen können einem Kind schaden

Besser sei ein Name, der sich nicht an Trends orientiert. Das ist auch die Erkenntnis einer Studie der Universität Oldenburg aus dem Jahr 2013. Die Forscher befragten 500 Grundschullehrer mit Hilfe eines Online-Fragebogens und kamen zu dem Ergebnis, dass bestimmte Namen einem Kind tatsächlich schaden können.

Denn einige Namen werden von Lehrern offenbar gleich mit Freundlichkeit und Leistungsstärke verbunden, während sie bei anderen Namen sofort davon ausgehen, dass ein Kind verhaltensauffällig und leistungsschwach ist.

Namen mit positiver Konnotation sind: Hannah, Charlotte, Marie, Sophie, Maximilian, Lukas, Alexander, Simon und Jakob.

Als negativ werden Angelina, Chantal, Mandy, Justin, Kevin, und Maurice wahrgenommen. Kevin hat dabei den schlechtesten Ruf von allen.

Wissenschaftlerin Astrid Kaiser, die an der Studie beteiligt war, glaubt, dass viele Lehrer Namen unbewusst mit etwas Negativem verbinden. Sie hätten nicht die nötige Distanz, um ein Kind unabhängig von seinem Namen zu beurteilen.

Spitznamen charakterisieren eine Lebensphase

Wer seinem Kind etwas Gutes tun will, entscheidet sich also besser für einen schlichten, beziehungsweise altbewährten Namen, der nicht zu anfällig für Spitznamen ist, denn auch davor warnt Namensforscherin Nübling:

"Spitznamen werden einem von der Umwelt verpasst, weil sie bestimmte Lebensphasen charakterisieren, und wenn der Spitzname auch noch eine unliebsame Eigenschaft benennt, dann kann jemand darunter leiden. Denn wirklich effizient dagegen wehren kann man sich nicht."


Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Neue Studie offenbart: Starke Kontrolle durch Eltern führt zu dauerhaften Schäden bei ihren Kindern

Die schrägen Kindernamen der Promis

Hier geht es zurück zur Startseite