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14/09/2015 07:49 CEST | Aktualisiert 14/09/2016 07:12 CEST

Schauspieler Bill Mockridge im Interview: "Fühle mich jünger und aktiver"

Bill Mockridge mit Ehefrau Margie Kinsky
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Bill Mockridge mit Ehefrau Margie Kinsky

Bill Mockridge (68) ist nicht nur seit vielen Jahren in der "Lindenstraße" als Erich Schiller zu sehen. In der Comedyserie "Die Mockridges - Eine Knallerfamilie" (freitags, WDR, 21:45 Uhr) steht er mit seiner Familie - er hat mit Ehefrau Margie sechs Söhne, die alle im Show-Business sind - vor der Kamera. Und: Bill Mockridge hat gerade ein neues Buch herausgebracht. In "In alter Frische: Ein grauer Star packt's an" (Bastei Lübbe, 320 Seiten, 9,99 Euro) wird der Comedian zum Altersforscher. Neben skurrilen Fakten rund um das Thema Älterwerden hat er auch gleich sein eigenes Leben umgekrempelt. Was dabei herausgekommen ist, verrät der 68-Jährige im Interview mit spot on news.

Sie haben für Ihr neues Buch "In alter Frische" viel zum Thema Altern geforscht, theoretisch und praktisch. Was war für Sie die überraschendste Erkenntnis dabei?

Bill Mockridge: Dass man mit FDH tatsächlich Gewicht verlieren kann. Und zwar nachhaltig. Ich hatte zuvor schon sehr viele Diäten ausprobiert, aber immer wieder hat mir der Jojo-Effekt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da ist es mir wie Joschka Fischer ergangen. Der Trick bei FDH besteht darin, dass man ganz langsam isst. Nach 20 Minuten signalisiert der Körper, dass man genug hat. Damit habe ich 18 Kilo abgenommen und die sind immer noch weg.

Diese neue Lebensweise haben Sie also komplett beibehalten können?

Mockridge: Ja, und ich fühle mich wirklich jünger, aktiver und habe viel mehr Kraft, Energie und Kreativität als vorher.

Gab es Reaktionen von "Lindenstraßen"-Zuschauern?

Mockridge: Ja, es gab Zuschauer, die sich gewundert haben, warum Erich Schiller jetzt so jung aussieht. Und auch meine Kollegen haben nachgefragt, wie ich das geschafft habe. In unserer neuen WDR-Familienserie "Die Mockridges - Eine Knallerfamilie" - in der ich einfach Bill bin und nicht Erich Schiller - bemerke ich selbst, dass ich sehr viel sportlicher, schlanker und fitter aussehe. Das ist nicht mehr der alte Erich Schiller.

Sie haben die Beauty-Tricks der Stars durchprobiert, unter anderem die Kaviar-Gesichtsmaske von Angelina Jolie, mit der Sie sich in eine Badewanne voller Wein gesetzt haben. Hatten Sie vorher Erfahrungen in diesem Bereich?

Mockridge: Nein. Das war das erste Mal, dass ich mir Gedanken darüber gemacht habe, ob man wirklich ein jüngeres Gesicht bekommen kann - da ja angeblich die ganzen Bio-Liftings der Stars funktionieren. Bei mir hat das nicht gewirkt. Ich bin zu der Einsicht gekommen: Man muss wirklich zu seinen Falten stehen. Ich möchte nicht das Gesicht eines 30-Jährigen haben, sondern das eines 68-jährigen Mannes. Ein aktives Gesicht - mit Falten. Die sind wie die Landkarten des Lebens. Es gibt gute Straßen und weniger gute.

Und das gilt auch für Frauen?

Mockridge: Ich habe darüber sogar ein Lied für meine Frau geschrieben. Ich liebe sie gerade darum, weil ich in ihrem Gesicht lesen kann wie in einem Buch. Weil ich weiß, woher die Falten kommen: von der Geburt unseres ersten Sohns zum Beispiel. Sie lacht zudem auch wahnsinnig viel und hat wunderschöne Lachfalten. Als Komikerin steht sie jeden Abend auf der Bühne.

Viel Raum in Ihrem Buch nimmt auch das Thema Sex im Alter ein. Kann man das heute offener angehen als früher?

Mockridge: Ja. Ich habe vor einigen Jahren auf der Bühne versucht, darüber zu sprechen. Das Publikum verstummte. Der Humor zu diesem Thema ging auch immer in die Richtung "Der alte Mann, der nicht mehr kann" und "Die Frau, die nicht mehr will". Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß und falsch. Gott sei Dank gibt es zu diesem Thema auch schöne Filme wie "Wolke 9", in denen Sexualität im Alter angesprochen und liebevoll behandelt wird. Nachdem die Kinder aus dem Haus sind, ist es bei uns ganz wunderbar. Ich habe mich in meine Frau neu verliebt, weil ich sie neu sehe und weil wir Zeit haben, einander wirklich zu erleben. Jetzt ist die Sexualität viel intensiver als damals mit 20, als man einfach sportlich unterwegs war.

Lieben gehört neben laufen, laben, lachen und lernen zu den Tipps, die Sie den Lesern geben. Meldet sich bei Ihnen der innere Schweinehund inzwischen gar nicht mehr?

Mockridge: Am Anfang war das so. Ich habe den Schweinehund aber besiegt, indem ich das nicht mehr zur Debatte gestellt habe. Ich habe nicht mehr gefragt: "Gehe ich ins Fitnessstudio?", sondern einfach entschieden, dass ich jeden Tag hingehe und sei es nur für zehn Minuten.

Es gibt auch ein Live-Programm zu dem Buch.

Mockridge: Ja, das heißt "Alles frisch?!". Es behandelt weniger die wissenschaftliche Perspektive aus dem Buch, sondern dreht sich mehr um die Phasen, als ich gescheitert bin, weil ich den scheinbar leichten Weg einschlagen wollte. Ich erzähle auf der Bühne aber auch viel von meiner Familie, meinen Jungs und meiner Frau, die mich immer unterstützt und angefeuert haben. Es ist ein Comedy-Programm, in dem es viel zu lachen gibt. Aber ich will den Zuschauern auch meine Message mit auf dem Weg geben.