POLITIK
11/09/2015 10:28 CEST | Aktualisiert 11/09/2015 13:10 CEST

Wie radikale Salafisten in Deutschland ankommende Flüchtlinge rekrutieren

dpa

Abertausende Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak fliehen nach Deutschland - auf der Suche nach einem besseren Leben, nach einer besseren Welt.

Die bekommen sie – mitunter aber von höchst fragwürdiger Stelle. Salafisten aus dem ganzen Land bieten den Neuankömmlingen in Deutschland Hilfe an.

Auf den ersten Blick wirkt das Engagement der radikalen Muslime tatsächlich hilfsbereit. In Wahrheit aber sehen sie in den Flüchtlingen potenzielle Rekruten für ihren fanatischen Glauben. Und damit auch zukünftige Terroristen.

Vor dieser Gefahr warnt nun eine wachsende Zahl von Experten: "Salafisten treffen auf einen großen Pool an Menschen, aus dem sie rekrutieren können", sagte der Islamwissenschaftler Thorsten G. Schneiders aus Duisburg der HuffPost. "Denn viele dieser Menschen sind bereits frustriert und sie sind wütend. Über die Entwicklungen in ihrem Land, aber auch über die Fehler der internationalen Politik, vor allem des Westens, der jahrelang untätig geblieben ist und kaum etwas gegen die Zustände in ihrer Heimat unternommen hat."

To-do-Liste auf Facebook

Der bekannte salafistische Prediger Pierre Vogel aus Bergheim in Nordrhein-Westfalen hat auf Facebook schon eine Liste von Ratschlägen veröffentlicht, wie sich Salafisten Flüchtlingen gegenüber verhalten sollen. Er rät ihnen, Geschenke mitzubringen, und nicht "besserwisserisch" aufzutreten. Denn "der Arzt muss den Patienten immer zunächst kennen lernen".

Ein besonders schmutziges Bild, wenn man weiß, was wirklich dahinter steckt.

Salafisten sollten sich nicht entmutigen lassen, wenn jemand vom Personal oder den Flüchtlingen unhöflich werde, schreibt Vogel. Im Zweifel solle das Gespräch in nahe gelegenen Moscheen verlegt werden. "So kommt man gut über die Religion ins Gespräch."

Vor kurzem wurde eine Umfrage von uns durchgeführt. Wir wollten von euch Ratschläge haben, was wir für die Flüchtlinge...

Posted by PierreVogel.de on Montag, 7. September 2015

Das sind klare Hinweise auf einen klaren Plan, der nun - wenn auch zaghaft - von höchster Stelle bestätigt wird: "Mitunter sehen sich Flüchtlinge in Deutschland den Einflussnahmeversuchen von Salafisten ausgesetzt", teilte das Bundesinnenministerium auf HuffPost-Anfrage mit.

Anfangs eher in Nordrhein-Westfalen aktiv, sind Salafisten mit ihren Aktionen längst im ganzen Land unterwegs. Kürzlich versuchten einige von ihnen, vor einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft Korane zu verteilen.

Was den Salafisten in die Hände spielt, ist der offene Fremdenhass, den einige Flüchtlinge in Deutschland erleben. "Das geht los bei solchen Empfängen wie in Heidenau, wenn den Flüchtlingen plötzlich hasserfüllte Menschen gegenüberstehen", sagt Islamwissenschaftler Schneiders. "Sie bekommen gleich einen negativen Eindruck von Deutschland."

Viele Flüchtlinge sind Opfer der Ideologie, die die Salafisten unterstützen

Im Laufe der Zeit machten sie dann weitere Diskriminierungserfahrungen, sagt Schneiders. "Bei den Menschen, die damit nicht umgehen können, wird sich Wut anstauen. Und genau auf diese Menschen haben es die Salafisten abgesehen."

Das Perfide dabei: Viele der von Salafisten umworbenen Flüchtlinge sind in Deutschland, weil sie vor dem Terror des IS geflohen sind. Die deutschen Salafisten sympathisieren aber durchaus mit der IS-Ideologie. Die Flüchtlinge könnten also erneut Opfer der Ideologie werden, vor der sie geflohen sind.

Laut Schneiders bestehe die Gefahr, dass Flüchtlinge die Salafisten aus Unkenntnis einfach als nette Menschen betrachteten. Als befreundete Muslime, die ihnen einfach nur zuhören wollen.

Wie sich das Problem lösen lässt? "Das ist eine Frage der Aufklärung", sagt der Islamwissenschaftler. Das Innenministerium ruft die Bundesländer daher genau dazu auf. Sie sollten die Akteure vor Ort – etwa das Personal in Flüchtlingsheimen – für den Umgang mit Salafisten sensibilisieren. Damit die wiederum die Flüchtlinge informieren.

Und wenn die Neuankömmlinge ahnen, mit wem sie es wirklich zu tun haben, werden sie den Kontakt zu Salafisten sicher lieber vermeiden.

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