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11/09/2015 12:08 CEST | Aktualisiert 11/09/2015 14:03 CEST

Carolin Kebekus: Nach Stefan Raab kommt nichts mehr - außer...

Pressefoto

Fernsehen verändert sich. Wer in den 80er Jahren als Kind ferngeschaut hat, der kennt noch Phänomene, die uns mittlerweile wie staubig genebelte Kuriositäten vorkommen: Testbild. Schulfernsehen. Frank Elstner.

Dann kam Privatfernsehen und unser Leben wurde ein bisschen bunter, glamouröser und aufregender. Aber die glorreichen Zeiten der TV-Straßenfeger neigen sich auch dem Ende zu. "Wetten, dass..?" ging sang- und klanglos unter, Allrounder Stefan Raab hat seinen Hut genommen und gerade das jüngere Publikum interessiert sich immer weniger für analoges Fernsehen. Stattdessen machen sich Youtuber bereit, die etablierten Fernseh-Stars in der Beliebtheit abzulösen.

Doch die Hoffnung, sie stirbt zuletzt. Denn es gibt auch einige tapfere Talente, die sich von der seichten Masse der Sedier-Unterhaltung absetzen. Und richtig gutes Fernsehen machen: Witzig, bissig, mutig.

Wie Carolin Kebekus. Die 35-jährige Kölnerin ist Ensemblemitglied der "heute-show" und hat seit März 2015 ihr eigenes Format im WDR, "Pussy Terror TV". Und spätestens seit ihrer Helene Fischer-Parodie bei der Verleihung des Deutschen Comedypreises könnte jeder bemerkt haben: Kebekus will's wissen.

Daher haben wir sie mal gefragt: Wie sieht es denn aus mit der Zukunft des deutschen Fernsehens? Geht da noch was? Ein Gespräch über Stefan Raab, GEZ Gebühren und Youtube.

Huffington Post: Was kommt nach Stefan Raab?

Carolin Kebekus: Nichts, das war‘s. Wir können nun endgültig unsere Fernseher aus dem Fenster schmeißen und lesen alle nur noch Bücher. Nee, quatsch. Aber die Lücke, die er hinterlässt, ist schon extrem groß. Das heißt aber nicht, dass die niemand füllen wird. Nicht so wie er das gemacht hat, aber dennoch dreht sich das Rad ja weiter.

HuffPost: War er der letzte große Universal-Entertainer?

Kebekus: Ich hoffe nicht! Das wäre ja schrecklich. Aber er war schon einzigartig in dem was er gemacht hat. So viele Sendungen so erfolgreich zu produzieren ist schon eine große Leistung. Seine anarchistische Art Fernsehen zu machen, hat damals die TV-Landschaft in Deutschland extrem verändert und nachhaltig geprägt.

HuffPost: Was konnte er, was andere nicht können?

Kebekus: Er hat nicht nur eine extreme Bandbreite an Talenten, sondern auch noch den nötigen Ehrgeiz und Fleiß, das alles umzusetzen. Mit ProSieben hatte Stefan auch einen Partner, der alle Wege mitgegangen ist und diese Position muss man sich als Künstler bei einem Sender erstmal erarbeiten. Da springt nicht jeder gleich vom Hocker, wenn man sagt: "Hey, lass mal in ner Bratpfanne nen Eiskanal runterfahren." 

HuffPost: Wird es noch einmal eine erfolgreiche, neue Samstag-Abend-Show geben? 

Kebekus: Auf jeden Fall. Ich denke Joko und Klaas sind doch auf dem besten Weg dahin. Wenn ProSieben langfristig mit Ihnen arbeiten will und danach sieht es ja aus, dann werden die einen guten Weg machen.

HuffPost: Wie und womit kann man im Fernsehen noch Karriere machen? 

Kebekus: Auf der einen Seite gibt es immer wieder vielversprechende Newcomer, die durch ihr künstlerisches Talent auf sich aufmerksam machen. Andererseits gab es doch noch nie eine Zeit, in der es einfacher war zum Fernsehen zu kommen. Viele Formate zielen darauf ab, dass sich die Protagonisten zum Affen machen. Da reicht schon rudimentäres Talent, um eine Rolle in einem der Reality-Formate zu bekommen. Selbst wenn man tatsächlich gar nichts kann, zieht man sich nackt aus und sucht bei "Adam sucht Eva" den Mensch fürs Leben und lässt die Zuschauer seine Genitalien bewerten. Hauptsache, der Voyeurismus der Zuschauer wird geweckt.

HuffPost: Wer sollte Karriere machen? Kennen Sie ein Talent, dem Sie das wünschen?

Kebekus: Da gibt es einige. Viele Künstler haben eine größere Bühne verdient. Pierre M. Krause zum Beispiel oder Kathrin Bauerfeind finden im Fernsehen viel zu selten statt. Ich freu mich sehr, dass Tobias Mann und Christoph Sieber eine neue Sendung im ZDF bekommen, das war höchste Zeit. Manchen Talenten wünsche ich aber auch, dass das Fernsehen sie noch nicht entdeckt, damit ihnen Zeit bleibt, um sich zu entwickeln. Heute stehen viel zu schnell Agenturen und Sender auf der Matte, um einen Künstler zu vermarkten. Da bleibt keine Zeit, eine eigene Haltung zu entwickeln und wenn man mal scheitert, dann scheitert man direkt vor großem Publikum.

HuffPost: Wie lange wird es das Fernsehen von heute noch geben?

Kebekus: Ich denke nicht, dass das Fernsehen vor dem Untergang steht. Die Menschen lieben Fernsehen! Aber die Sehgewohnheiten ändern sich. Man guckt heute lieber bequem die Sendungen, die einem gefallen, online an – zu einem Zeitpunkt den man eben selber wählt.

HuffPost: Können Youtube-Kanäle den Fernsehsendern gefährlich werden?

Kebekus: Bisher hat Youtube ja hauptsächlich das junge Publikum auf seiner Seite. Die älteren Zuschauer bleiben dann doch lieber vor dem gewohnten Fernsehgerät sitzen. Wenn das Fernsehen die junge Zielgruppe allerdings wieder für sich gewinnen will, dann wird das bestimmt ein hartes Stück Arbeit. Diese Generation ist ja komplett mit Youtube groß geworden und die Sehgewohnheiten passen sich da eben an.

HuffPost: Brauchen  wir gebührenfinanziertes Fernsehen noch?

Kebekus: Ich denke, der Rundfunkbeitrag ist immer noch sinnvoll, man könnte über eine bessere Verteilung nachdenken, da gäbe es Optimierungsbedarf. Aber grundsätzlich finde ich die Idee gut, einen Journalismus zu unterstützen, der vom Quotenmarkt unabhängig ist.

Die nächste Folge "Pussy Terror TV" läuft am 12.09. um 21.45h im WDR Fernsehen.

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