POLITIK
09/09/2015 11:35 CEST | Aktualisiert 09/09/2015 12:54 CEST

Vergesst die Zahlen! Das war das wirklich Beeindruckende an Junckers Rede zur Lage der EU

AP

Jean-Claude Juncker wusste, worauf es ankam, als er am Mittwochmorgen im Europäischen Parlament ans Rednerpult trat. Eine Einschätzung zur Lage der EU sollte der Kommissionspräsident geben - in einer Zeit, die für die Europäische Union komplizierter nicht sein könnte.

Hunderttausende Flüchtlinge suchen derzeit Zuflucht in der EU. Die Länder streiten sich, wer sie aufnehmen soll, wie das zu finanzieren ist und wie die Außengrenzen der EU künftig besser geschützt werden können.

Kein Wunder also, dass Juncker viel über Zahlen sprach. Über Verteilungsschlüssel und Zuständigkeiten, er bot konkrete Lösungen an, um die Krise zu lindern.

Doch Juncker wusste auch: Mit seiner Rede musste er den Menschen in Europa Mut machen, ihnen Zuversicht geben, sie beruhigen. Und das schaffte er - vielleicht mit einer der eindrucksvollsten Reden, die vor dem Europäischen Parlament je gehalten wurden.

Seine Botschaft: Wir können die Krise meistern. Das müssten die Bürger der Europäischen Union verstehen. Einer Union, in der es nach Junckers Worten derzeit an zwei Dingen mangelt: “An Europa und an Union”.

500.000 Menschen haben sich seit Beginn dieses Jahres auf die gefährliche Reise nach Europa gemacht. Klar, beeindruckend sei sie, das räumte auch Juncker ein - “für manche beängstigend”. Doch für lähmende Angststarre sei jetzt nicht der richtige Moment.

“Es ist an der Zeit, entschlossen und wagemutig zu handeln”, sagte der EU-Politiker also und aus seinen Worten sprach so viel positiver Tatendrang, so viel Zuversicht, dass man ihm nur uneingeschränkt zustimmen kann.

In der Vergangenheit haben viele Politiker an die Menschlichkeit der Europäer appelliert. Beeindruckt hat das die meisten eher weniger. Junckers wichtige Rede aber hat das Potenzial, auch die aufzurütteln, die den ankommenden Flüchtlingen noch immer feindlich gegenüber stehen - mit einem Argument, gegen das nur schwer etwas einzuwenden ist: "Europa ist ein Kontinent, in dem jeder einmal ein Flüchtling war.”

Junckers Worte rufen uns eine Tatsache ins Gedächtnis, die wir gerne verdrängen: Gerade wir Europäer - und wir Deutschen - sollten niemals vergessen, was es heißt, das eigene Land verlassen zu müssen. Mit der Angst, die Heimat und die geliebten Menschen nie wieder zu sehen.

Es gibt das fundamentale Recht auf Asyl. Manchmal braucht es eine Rede wie die von Juncker, um uns das wieder bewusst zu machen.

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