POLITIK
09/09/2015 07:40 CEST | Aktualisiert 09/09/2015 09:06 CEST

So grausam misshandelte der IS-Anführer eine 16-Jährige

Die Irakerin Zeinat wurde von ISIS-Boss Abu Bakr al-Baghdadi misshandelt
Screenshot/CNN
Die Irakerin Zeinat wurde von ISIS-Boss Abu Bakr al-Baghdadi misshandelt

Das Gesicht der 16-Jährigen ist vollständig in ein Tuch gehüllt, nur ihre Augen sind zu sehen. Der Grund ist jedoch kein religiöser: Das Leben von Zeinat, die eigentlich anders heißt, ist in Gefahr. Sie muss geschützt werden vor den Schergen des Mannes, der sie zweieinhalb Monate lang missbraucht hat: Abu Bakr al-Baghdadi, der Anführer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Sie erlebte Schläge, Demütigungen, Vergewaltigungen.

Das Interview, das Zeinat dem Nachrichtensender "CNN" gab, zeigt, wie grausam und lasterhaft der Extremist lebt. Das Mädchen aus dem Irak gehört zum Stamm der Jesiden, gegen den der IS ebenfalls Krieg führt. Zu einem ungenannten Zeitpunkt wurde sie von Kämpfern der Terrorvereinigung verschleppt und nach Syrien gebracht.

Wenn sie nicht zum Islam übertrete, würde sie sterben

Dort wurde sie wie Tausende Jesiden zur Sklavin des Islamischen Staats gemacht. Die Versklavung gehört zu den perfiden Taktiken, mit denen die radikalislamische Organisation im Irak und in Syrien die Bevölkerung einschüchtert und unterwirft.

Doch Zeinat nahm eine Sonderrolle ein: al-Baghdadi wählte sie persönlich als seine Leibeigene aus. Nach der Gefangennahme, erzählt Zeinat, wurde sie in einen weißen Palast gebracht. Dort traf sie zum ersten Mal auf den Mann, der sie traumatisieren sollte. Zusammen mit acht anderen Mädchen kam sie mit ihm in die syrische Provinzhauptstadt al-Raqqa.

Schläge und Sklavenarbeit

Dort musste sie auf einem Laptop ein Video anschauen, auf dem ein Mann enthauptet wurde. Womöglich handelt es sich um den Mord an dem US-Journalisten James Foley. Daraufhin habe al-Baghdadi gesagt: "Wenn ihr nicht zum Islam übertretet, wird euch das auch passieren."

Von da an gehörte Zeinat nicht nur dem Islam an, sondern gehörte auch zu ISIS. Sie musste für den Anführer und dessen drei Frauen kochen und putzen. Regelmäßig gab es Schläge. Immer wieder musste der Tross um al-Baghdadi das Versteck wechseln. Einmal gelang es Zeinat, mit anderen Mädchen zu flüchten. Doch eine Frau, bei der sie unterkamen, verriet sie. Die Sklavinnen wurden mit schlimmster Folter bestraft.

Der Islamist vergewaltigte seine Geisel

Mehrere der Männer um al-Baghdadi schlugen sie mit Kabeln, Gürteln und Stöcken. Der Terrorchef selbst habe sie so heftig ins Gesicht geschlagen, dass ihre Nase blutete. "Wir waren komplett schwarz von den Schlägen", erinnert sich Zeinat im Interview. Ihr Arm war ausgekugelt, eine Mitsklavin erlitt einen Bruch im Gesicht.

Die Sklavinnen hielten untereinander zusammen. Zeinat lernte auch die amerikanische Menschenrechtsaktivistin Kayla Mueller kennen, die ebenfalls gefangengenommen wurde. Mueller habe ihr erzählt, dass al-Baghdadi sie viermal vergewaltigt habe. Zudem habe er ihr angekündigt, dass er sie zwingen wolle, ihn zu heiraten. Lehne sie ab, werde sie dafür getötet. Nach der Heirat musste die Geisel fortan einen Gesichtsschleier tragen.Im Februar 2015 soll Mueller bei einem Luftangriff auf al-Raqqa gestorben sein.

al-Baghdadi benutzte kein Handy

Auch Zeinat bekam seine Einschüchterungen zu spüren. "Er sagte uns immer: Vergesst eure Väter und Brüder. Wir haben sie getötet. Eure Mütter und Schwestern haben wir verheiratet." Auch ihr selbst habe er die Hochzeit angekündigt.

Während ihrer Gefangenschaft wusste Zeinat nicht, wen sie vor sich hatte. Sie bekam mit, dass al-Baghdadi meist erst gegen zehn Uhr aufstand und nie ein Handy benutzte. Seine Kommandos gab er immer mündlich.

Die Sklavin wünscht ihrem Peiniger den Tod

Aus dem Martyrium entkam Zeinat schließlich bei einem zweiten Fluchtversuch. Mit einer Leidensgenossin brach sie ein Fenster auf und flüchtete in ein Dorf. Von dort aus brachten Bewohner sie auf Motorrädern aus der von dem IS kontrollierten Zone heraus.

Heute lebt Zeinat wieder bei ihrer Mutter. Ihr Vater ist in den Kriegswirren verschollen. Drei ihrer Schwestern wurden offenbar ebenfalls von Terroristen gefangengenommen. Die Sklavin ist heute eine Kronzeugin für die Skrupellosigkeit an der Spitze von ISIS. Unbestätigten Medienberichten zufolge, ist al-Baghdadi im November 2014 getötet worden. Doch dafür gibt es keine Beweise. "Ich hoffe, er wird getötet", sagt Zeinat. "Ich will, dass die Welt weiß, wie böse er ist."

Hier seht ihr das Interview mit Zeinat bei "CNN":

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