POLITIK
10/09/2015 01:48 CEST | Aktualisiert 10/09/2015 07:53 CEST

Warum sich der Brennpunkt der Flüchtlingskrise nach Norden verschiebt

AP
Flüchtlinge auf einer dänischen Autobahn am Mittwoch

Der Fokus der Flüchtlingskrise verschiebt sich in Richtung Norden. Und damit wird auf einmal Dänemark ein neuer Brennpunkt der Flüchtlingskrise. Seit Sonntag waren rund 3000 Flüchtlinge mit Zügen in Padborg nahe Flensburg und mit Fähren in Rødby auf der dänischen Insel Lolland angekommen.

Was heute mit den Flüchtlingen geschieht? Die dänische Polizei hatte versucht, die Flüchtlinge von der Weiterreise nach Schweden abzuhalten. "Wir haben laut dem Ausländergesetz Befugnis, Menschen dreimal 24 Stunden zurückzuhalten", sagte Reichspolizeichef Jens Henrik Højbjerg bei einer Pressekonferenz am Mittwochabend. "Es ist klar, dass wenn die Zeit, in der wir die Menschen zurückhalten können, abläuft, wir nicht verhindern können, dass sie in ein anderes Land reisen." Diese Zeit ist jetzt abgelaufen.

Nun lässt Dänemark vorerst keine Züge aus Deutschland mehr nach Norden fahren. Das hatte die dänische Bahngesellschaft DSB am Mittwoch mitgeteilt. Zudem erklärte der Fährbetreiber Scandlines, dass auf Anweisung der dänischen Polizei keine Fußgänger mehr an Bord genommen werden dürften.

Auch der Fährbetrieb nach Schweden wird eingeschränkt. Die dänische Bahn erklärte, auf der Fähre zwischen Rødby und Puttgarden seien nur noch Autos erlaubt, aber keine Züge und Passagiere zu Fuß. Eingestellt war auch der Bahnverkehr zwischen Flensburg und Padborg. Zuvor hatten sich in Rødby rund 100 Migranten geweigert, einen Zug zu verlassen, um als Asylsuchende registriert zu werden, wie eine Polizeisprecherin sagte. Nördlich von Padborg wurde eine Autobahn gesperrt, nachdem eine Gruppe von Flüchtlingen aus einem dänischen Heim darauf marschiert war.

Die Flüchtlinge durchqueren Dänemark, um nach Schweden zu gelangen. Die dänischen Behörden versuchten deshalb, eine Sonderregelung mit Schweden zu erreichen und die Migranten durchreisen zu lassen. Eine solche Umgehung von EU-Regeln sei aber nicht möglich, sagte Fredrik Beijer von der schwedischen Einwanderungsbehörde. Die Flüchtlinge hätten das Recht, Asyl zu beantragen, hätten aber nicht das Recht, sich auszusuchen, wo sie das machen.

Viele Flüchtlinge sitzen nun unfreiwillig in Flensburg fest. Zahlreiche Asylbewerber sind am späten Mittwochabend vom Bahnhof in Erstaufnahmeeinrichtungen in Schleswig-Holstein gebracht worden. Die meisten der etwa 100 bis 150 Menschen wurden mit Bussen nach Boostedt (Kreis Segeberg) gefahren, wie ein Behördensprecher in Kiel sagte. "Damit der lange Weg ein Ende hat und alle sicher unterkommen."

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