POLITIK
08/09/2015 09:22 CEST

Blutiger Sommer: 4 Gründe, warum es immer wahrscheinlicher wird, in den USA ermordet zu werden

New York
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New York

Diese Statistik macht den USA Sorgen: In 35 Großstädten des Landes ist die Zahl der Tötungsdelikte laut "New York Times" im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gestiegen.

In manchen Städten stieg die Zahl der Mordfälle um weit mehr als 50 Prozent. In Milwaukee hat die Mordrate von Jahresbeginn bis Mitte August sogar um 76 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum zugenommen, in St. Louis 60 Prozent. In Washington waren es 44 Prozent, in New Orleans 22. In New York, einem der beliebtesten Reiseziele der Deutschen, ist es noch verhältnismäßig sicher, dort waren es neun Prozent. In absoluten Zahlen gab es die meisten Morde in Chicago, nämlich 294.

Dies ist ein blutiger Sommer. Warum? Die Gründe sind umstritten. "Ich glaube, niemand hat gerade eine wirklich gute Antwort", sagt Juraprofessor Michael Greenberger von der University of Maryland. Kriminologen rätseln. Diese vier Gründe kommen in Betracht:

Möglichkeit 1: Die harmlosen Waffengesetze

Polizeivertreter und Forscher sehen das Problem in den laschen Waffengesetzen. Beinahe jeder, der eine Waffe will, bekommt in den den USA auch eine. Das muss sich ändern, fordern Experten. Aber die Waffenlobby ist mächtig und hat viele Unterstützer in der Politik, vor allem bei den Republikanern.

Ein Beispiel, wie tief Waffen in der amerikanischen Gesellschaft verankert sind: Als vor wenigen Wochen ein Amokschütze in Virginia zwei Fernsehjournalisten während einer Live-Sendung erschoss, verkündete ein Sprecher der Supermarkt-Kette Walmart, dass man Sturmgewehre des Typs AR 15 aus dem Sortiment nehmen werde. Der Grund sei aber nicht etwa das Unglück von Virginia – die Nachfrage nach der Waffe sei vielmehr gesunken.

Möglichkeit 2: Mehr Bandenkriege

Immer mehr Jugendliche geraten in den Sog der zahlreichen Gangs, blutigen Bandenkriege in den Slums der amerikanischen Metropolen sind außer Kontrolle. In Chicago etwa vergeht kaum eine Nacht ohne Schusswechsel. Gangs haben die Randbezirke der Stadt fest im Griff, selbst Kinder werden als neue Mitglieder rekrutiert.

Möglichkeit 3: Mehr Gewaltbereitschaft

Eine vermeintlich steigende Gewaltbereitschaft unter jungen Männern in sozialen Brennpunkten. Der Polizeipräsident von Chicago, Garry McCarthy, plädierte daher dafür, Täter, die wiederholt durch Vergehen mit Waffen auffällig geworden sind, schneller und härter zu bestrafen.

Möglichkeit 4: Die "Ferguson-These"

Oder ist eine neue Zurückhaltung der Polizei schuld an der steigenden Mordzahlen? Der Kriminologe Alfred Blumstein von der Carnegie Melton University hat diese Theorie in Umlauf gebracht. Seit der Mord an dem Jugendlichen Brown eine landesweite Protestwelle ausgelöst hat, seien Polizisten sehr viel zurückhaltender. In der Folge habe sich "das Gleichgewicht zwischen Polizisten und Tätern verändert". Sie fürchten sich vor den Konsequenzen vorschnellen Handelns. Und Gewalttäter, so das Argument, nutzen das aus.

Zum Vergleich: Die gefährlichste Stadt der Welt ist San Pedro Sula in Honduras, dort gab es im vergangenen Jahr 1317 Tötungsdelikte. Davon sind die nordamerikanischen Großstädte noch ein ganzes Stück entfernt. Im Ranking der gefährlichsten Städte liegt die erste nordamerikanische mit St. Louis auf Platz 19. Dennoch nehmen die Behörden das Problem sehr ernst – zurecht.

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