POLITIK
08/09/2015 18:41 CEST | Aktualisiert 08/09/2015 18:57 CEST

6 Gründe, warum dieser Mann derzeit Merkels heimlicher Verbündeter ist

dpa

Auf den ersten Blick haben sie nicht viel gemeinsam, die deutsche Bundeskanzlerin und der schwedische Ministerpräsident. Angela Merkel in der CDU, Stefan Löfven Sozialdemokrat. Sie seit fast zehn Jahren an der Spitze ihres Staates, der gerade mal seit elf Monaten. Sie promovierte Physikerin, er Schweißer.

Und doch können beide wohl derzeit von sich sagen, dass sie miteinander mehr vereint als mit allen anderen europäischen Staatschefs.

1. Ihre beiden Länder nehmen die meisten Flüchtlinge in ganz Europa auf. Und zwar mit Abstand. Die Bundesrepublik - etwa 81,1 Millionen Einwohner - erwartet 2015 mindestens 800.000 Neuankömmlinge. Der 9,6-Millionen-Menschen-Staat Schweden rechnet, wie vergangenes Jahr, mit mehr als 80.000. Pro Kopf gerechnet lässt kein anderes EU-Mitglied mehr Asylbewerber ins Land.

2. Sie sind stolz darauf, dass das so ist. Als Lövfen am Dienstag zu Besuch im Kanzleramt in Berlin war, betonte er das explizit. Beiden Regierungschefs liegt die Lösung der Flüchtlingsfrage am Herzen. Merkel kann das nach einigen Anlaufschwierigkeiten ebenso glaubhaft versichern wie ihr schwedischer Kollege.

3. Sie zeigen Pragmatismus und blocken das Problem nicht ab. Anders als beispielsweise ihre Amtskollegen aus Dänemark oder der Slowakei suchen sie nach schnellen Lösungen, um den ankommenden Flüchtlingen ein würdiges Leben in ihren Ländern bieten zu können und weisen die Verantwortung nicht von sich.

4. Sie erfüllen eine Vorbildfunktion für andere EU-Länder. Frankreich und Großbritannien fühlen sich nach dem internationalen Lob für Schweden und Deutschland unter Zugzwang und fangen auch langsam an, Maßnahmen anzustoßen. So kündigten sowohl Hollande als auch Cameron Anfang der Woche an, zumindest einige Tausend Syrere aufnehmen zu wollen.

5. Sie senden eine positive Willkommensbotschaft in Richtung Flüchtlinge. In Schweden hat die Kultur des Willkommens Tradition. In den vergangenen Jahrzehnten gab es schon mehrere Flüchtlingswellen nach Skandinavien - aus dem Iran, dem Irak, dem ehemaligen Jugoslawien. 2013 bot Schweden als erstes EU-Land allen syrischen Flüchtlingen eine permanente Aufenthaltserlaubnis an. Mit Ausnahme der rechtspopulistischen Schwedendemokraten tragen alle Parteien die großzügige Einwanderungspolitik mit. Bislang jedenfalls. Und auch in Deutschland nimmt das Engagement für Flüchtlinge mehr und mehr zu.

6. Sie bringen andere EU-Staatschefs gegen sich auf. Trotz harscher Kritik bestehen Schweden und Deutschland auf einer verbindlichen Quote für die Verteilung von Flüchtlingen in ganz Europa. Löfven sagte am Dienstag: “Ich bin traurig, dass es so viele Länder gibt, die sich ihrer Verantwortung entziehen.” Beide halten sich aber mit allzu kritischen Worten zurück. Noch hoffen sie im Streit um eine verbindliche Quote zur Verteilung der Flüchtlinge auf alle 28 EU-Mitglieder auf einen Kompromiss - auch wenn es derzeit nicht wirklich danach aussieht.

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