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07/09/2015 08:57 CEST | Aktualisiert 07/09/2015 11:16 CEST

Frankreich und Großbritannien schicken Bomber nach Syrien - die drei wichtigsten Fragen zur Offensive gegen den IS

Frankreich und Großbritannien wollen mit Kampfflugzeugen gegen den Islamischen Staat vorgehen
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Frankreich und Großbritannien wollen mit Kampfflugzeugen gegen den Islamischen Staat vorgehen

Der Bürgerkrieg in Syrien ist Deutschland näher als je zuvor. Er kommt auf unsere Bahnhöfe in Form von Tausenden Flüchtlingen. Die aus ihrer Heimat geflohenen Syrer kommen dieser Tage etwa am Münchner Hauptbahnhof an, sie werden mit Jubel empfangen.

Keine dauerhafte Lösung für das Flüchtlingsproblem: Die herzliche Willkommenskultur und höhere Mittel für Flüchtlinge. Der massenweise Auszug von Menschen aus ihrem Heimatland muss gestoppt werden. Doch dazu müsste zuerst ein mächtiger Feind besiegt werden: die Terrormiliz des Islamischen Staates (IS), der in Syrien und dem Irak mit aller Härte die Einwohner unterjocht.

Die Truppen des IS erobern in Syrien immer mehr Terrain. Die westlichen Militärmächte und Russland sind in dem Land bislang nur sporadisch aktiv - und die Armee des Staatschefs Baschar al-Assad nach Jahren des Bürgerkriegs geschwächt. Bisher sind vier Millionen Menschen aus Syrien geflohen, aber es könnten viele weitere Millionen werden, wenn der IS weiter Erfolge feiert.

Großbritannien und Frankreich wollen jetzt handeln:Sie wollen die Luftwaffe in die umkämpften Regionen schicken. Eine Patentlösung haben sie damit jedoch nicht präsentiert - unsicher ist, auf welche Partner vor Ort sich die Alliierten verlassen können und wie wirkungsvoll Angriffe aus der Luft im Kampf gegen den IS wirklich sind.

Hier sind drei wichtige Fragen - und Antworten - zum militärischen Vorstoß gegen den IS:

Was planen Großbritannien und Frankreich?

Beide Länder wollen sich mit Militärflugzeugen am Syrien-Einsatz beteiligen. Allerdings in unterschiedlichem Ausmaß: Frankreichs Präsident François Hollande gab am Montag bekannt, er wolle den Einsatz auf Aufklärungsflüge beschränken.

Großbritannien will weiter gehen: Einem Zeitungsbericht zufolge möchte Premier David Cameron das Parlament im Oktober um ein Mandat für Luftschläge in Syrien bitten. Schatzkanzler George Osborne hatte zudem gefordert, das Problem um den Islamischen Staat müsse an der Wurzel angegangen werden - ein deutliches Signal, dass Großbritannien bald militärisch eingreifen wird.

Wie sind die Aussichten auf einen Erfolg der Offensive?

Westliche Staaten mischen sich endlich aktiv in den Syrien-Krieg ein. Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Doch die Bodentruppen der syrischen Regierung es bislang nicht geschafft, die Kämpfer des Islamischen Staats zurückzudrängen. In Syrien und dem benachbarten Irak allerdings fliegen die USA und ihre Alliierten, darunter Frankreich, seit Langem Luftangriffe - und konnten das Treiben der Terroristen auch dort nicht nennenswert eindämmen.

Zudem sind es derzeit Bodentruppen und nicht die Luftwaffe, die derzeit eine der wichtigsten Aufgaben erledigen: die Anrainergebiete um die Autobahn M5 gegen den IS zu verteidigen, die so bislang gegen dessen Kämpfer standhalten.

Gibt es Alternativen zu Luftschlägen?

Und noch eine weitere Militärmacht mischt im syrischen Konflikt mit: Russland unterstützt die Truppen von Machthaber Baschar el-Assad mit Waffen. Zudem bereitet der Kreml offenbar eine Intervention mit eigenen Soldaten vor und hat bereits Unterkünfte in Syrien aufgestellt.

Die russische Initiative nehmen die Vereinigten Staaten allerdings nur zähneknirschend hin: Sie wollen auch das Assad-Regime gestürzt sehen, wenn auch nicht dringend. Deshalb unterstützen die USA Rebellen, die sowohl gegen Assad als auch gegen die IS-Truppen kämpfen. Auch Israel hat vereinzelt Ziele in Syrien bombardiert. Gegen den Islamischen Staat lehnen sich zudem die konkurrierenden Terrororganisationen Al-Qaida- und die Al-Nusra-Front auf, jedoch mit schwindendem Einfluss.

An Partnern im Kampf gegen die Terroristen des IS mangelt es also nicht. Doch sind Erfolge unwahrscheinlich, solange die unterschiedlichen Parteien sich widersprechende Ziele verfolgen. Die USA sind gegen Assad und den IS, Russland ist für Assad und denn IS. Die Luftinitiative ist immerhin ein Versuch, den IS zurückzudrängen - und möglicherweise Vorbote einer Bodeninitiative, die den Durchbruch bringen könnte. Gelingt das, könnte es der Befreiungsschlag für das syrische Volk sein - und seinen Auszug aus der Heimat endlich beenden.

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