POLITIK
06/09/2015 06:46 CEST | Aktualisiert 08/09/2015 02:53 CEST

Highway To Hell - diese Entwicklung in Syrien könnte die Flüchtlingskrise völlig eskalieren lassen

Die jüngsten Erfolge des IS könnten die Flüchtlingskrise zur Explosion bringen
Getty
Die jüngsten Erfolge des IS könnten die Flüchtlingskrise zur Explosion bringen

Auslöser der Flüchtlings-Treks, die derzeit Europa erreichen, ist ein Konflikt, den viele Staatschefs am liebsten ignorieren würden: Der Krieg in Syrien, der seit einigen Monaten durch die Erfolge der Terrormiliz IS angeheizt wird. Die Radikalen sprengen nicht nur Tempel, sondern verbreiten durch Morde und Versklavung Angst und Schrecken.

Wen das Regime von Syrien-Machthaber Baschar al-Assad noch nicht vertrieben hat, den verjagt jetzt der IS.

Jetzt kündigt sich eine Entwicklung an, die alles noch viel schlimmer machen und die Flüchtlingskrise eskalieren lassen könnte. Das jedenfalls befürchtet der britische Reporter Patrick Cockburn, der für die Zeitung "Independent" aus dem Krisengebiet berichtet.

Er schreibt:

"Kämpfer des IS sind derzeit dabei, eine der wichtigsten Straßen des Landes zu erobern. Schaffen sie es, könnte das Panik auslösen und zu einem Exodus vieler Millionen Menschen aus den von der Regierung kontrollierten Gebieten führen."

Warum ist die Straße so wichtig?

Die Autobahn M5, um die es geht, verbindet die Hauptstadt Damaskus mit Gebieten im Norden und Westen des Landes. Einheiten des IS, so schreibt Cockburn stünden nur rund 30 Kilometer von wichtigen Abschnitten der Straße entfernt. Erobern sie den Highway, hätte die Regierung keine Chance mehr Bodentruppen - und damit Schutz - in die anderen Landesteile zu senden. Der IS hätte wohl leichtes Spiel, die weiteren Gebiete zu erobern und seine Schreckensherrschaft auszubauen.

m5syrien

(Der Highway Nummer 5 führt von Damaskus aus in den Norden des Landes)

Der IS gewinnt seit Wochen mehr und mehr Gebiete in Syrien

Noch seien aus den von der Regierung kontrollierten Gebieten nur wenige Menschen geflohen, schreibt Cockburn. 17 Millionen Syrer leben noch in den Regierungsgebieten. Die meisten Flüchtlinge, rund vier Millionen, kommen aus den Regionen, in denen der Krieg zwischen den Aufständischen und Regierungstruppen tobt. Bombardements von Regierungstruppen haben sie unbewohnbar gemacht. Prominentes Beispiel ist die zweitgrößte syrische Stadt Aleppo, die inzwischen weitgehend entvölkert ist.

isiskarte

(Die Karte zeigt die vom IS eroberten Gebiete in braun, Stand ist April 2015. Seitdem ist die Terrorgruppe weiter vorgerückt. Quelle: US-Verteidigungsministerium)

Schon jetzt warnt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, die UNHCR, dass Syrien zur "Flüchtlingsquelle Nummer 1 geworden ist". Noch vor Afghanistan. Feiern die Schlächter des IS weitere Erfolge - was sehr wahrscheinlich ist - und erobern sie den Highway M5, könnte die Situation noch viel schlimmer werden. Allein im ersten Halbjahr 2015 stellten in Deutschland mehr als 40.000 Menschen aus Syrien einen Asylantrag.

Es gibt derzeit nur eine Antwort auf die Entwicklung: Europa, die USA, die Türkei und Russland müssen in Syrien militärisch eingreifen. Die Situation in dem Land ist schon jetzt grauenvoll - was kommt, wenn der IS weiter an Boden gewinnt, ist so schrecklich, dass es sich derzeit wohl noch gar niemand vorstellen kann.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite