POLITIK
07/09/2015 02:08 CEST | Aktualisiert 07/09/2015 09:33 CEST

"Kanonenfutter": Das geschieht wirklich mit den deutschen IS-Kämpfern

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Ein Kämpfer in Syrien mit einer Kalaschnikow

Die Zahl deutscher Dschihadisten im Nahen Osten steigt. Doch sie liefert ein falsches Bild von der Rolle deutscher Islamisten in den Kriegen im Nahen Osten. Der BND-Präsident Gerhard Schindler hält deutsche ISIS-Kämpfer in einem Interview mit der "Bild" nur für "Kanonenfutter" und Propagandamittel. Führungsrollen haben deutsche Dschihadisten laut Schindler nicht inne.

Schindler sagte der Zeitung: "Der Islamische Staat ist eine sehr professionell agierende Propagandamaschine. Durch viele Videos und Einträge in sozialen Netzwerken wird die Botschaft vermittelt, deutsche ISIS-Kämpfer spielten eine führende Rolle, seien immer in Kämpfe verwickelt und bestimmten das Leben im Kalifat wesentlich mit. Das ist aber eine völlig verzerrte Darstellung. Tatsächlich haben sie meist nur eine untergeordnete Rolle, sie dienen hauptsächlich als Kanonenfutter und zu Propagandazwecken.“

Trotzdem gehe von deutschen Rückkehrern eine Terror-Gefahr aus. Schindler sagte: "Die größte Gefahr geht von Rückkehrern aus den Kriegs- und Krisengebieten im Nahen Osten aus. Wir verfolgen, wer aus Deutschland in die Krisengebiete zieht, überwachen auch deren Kommunikation und versuchen gerichtsverwertbare Beweise für ihre Verbrechen zu beschaffen. Uns interessiert dabei vor allem, ob Deutsche an Kampfhandlungen und Gräueltaten beteiligt sind."

Der Militäreinsatz gegen ISIS habe jedoch zu ersten Erfolgen geführt. Schindler sagte "Bild": "Die Luftschläge der US-geführten Allianz zeigen Wirkung und haben das Kräfteverhältnis bereits verändert. Einen kurzfristigen militärischen Sieg wird es aber nicht geben. Vor allem muss den islamistischen Terroristen der ideologische Nährboden entzogen werden, um den Zustrom immer neuer Kämpfer zu stoppen."

Der militärische Druck auf ISIS könnte jedoch die Gefahr in Europa vergrößern. Wenn sich die Terrormiliz in Syrien und im Irak zurückziehen muss, steige die Gefahr für Anschläge in Europa. "Wenn der militärische Druck auf ISIS in beiden Ländern so groß wird, dass er seine Strukturen dort aufgeben muss, wird Europa noch stärker als bisher zum Ziel werden", sagte Schindler.

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