POLITIK
04/09/2015 02:48 CEST

3 Gründe, warum die DDR für den Fremdenhass im Osten verantwortlich ist

dpa
Arbeiter erhöhen die Sektorensperre an der Bernauer Straße zu Beginn der 60er Jahre

Ostdeutschland hat ein Problem mit Fremdenhass. Westdeutschland auch, aber das im Osten ist größer. Jedenfalls gibt es dort, gemessen an Einwohnerzahl und dort lebenden Migranten mehr Übergriffe auf Asylbewerberheime. Fast die Hälfte aller Übergriffe auf Flücht­lingsunterkünfte im Osten, wo nur ein Fünftel der Bevölkerung lebt.

Ihre Länder hätten kein besonderes Problem mit dem Rechtsradikalismus - behaupten dennoch Politiker wie Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

Wissenschaftler kritisieren das nun. „Ich verstehe nicht, warum ein kluger Kopf wie Bodo Ramelow so etwas behauptet“, sagte der ehemalige Direktor des Kriminologischen For­schungs­institut Niedersachsen, Christian Pfeiffer, dem Nachrichten­magazin "Focus".

Tatsächlich sehen Experten mehrere Gründe für das Ost-West-Gefälle:

  1. Einen Grund für den Fremdenhass im Osten sieht Pfeiffer in der DDR-Geschichte: „Wir wissen, dass repressive Erziehungsmethoden dazu führen, dass man sich von Fremden bedroht fühlt.“ Der Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sagte dem Focus: „Die DDR war eine sehr deutsche Gesellschaft, die von Fremden weitgehend abgeschottet war. Ausländer kamen kaum rein und die Ostdeutschen konnten fast nirgendwohin reisen.“ Die Soziologieprofessorin Almut Zwengel von der Hochschule Fulda sagte: „In der DDR gab es keine öffentliche Diskussion über Probleme im Zusam­menleben mit den wenigen Fremden im Land.“
  2. Die Experten geben der Linkspartei ein Mitschuld am Hass. Die Linkspartei pflege Ressentiments, die auch Rechtsextreme ansprächen, sagte Knabe. „Gegen die EU, gegen Amerika, gegen Israel, gegen Kapitalismus.“ Pfeiffer kritisierte, dass sich die Linkspartei bis heute schwer tue, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen: „Diese Blockade hindert sie auch, die DDR-Erziehung als Ursache spezifisch ostdeutscher Probleme von heute zu benennen.“
  3. Ostdeutschland hinkt dem Westen wirtschaftlich hinterher. Und wird es wohl noch lange tun, wenn man etwa Experten des Ifo-Instituts fragt. Möglicherweise spielt eine gewisse Perspektiv- und Arbeitslosigkeit bei Fremdenfeindlichkeit eine Rolle. Darauf gibt es Hinweise in der Forschung.

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