WIRTSCHAFT
04/09/2015 16:10 CEST

4 Gründe, warum du Europas Krisenpolitik in 40 Jahren ganz persönlich spüren wirst

dpa

Niedrigzins. EZB. Draghi. Geldpolitik.

Wetten, dass nach diesen vier Wörtern schon 40 Prozent der Leser ausgestiegen sind? Dabei ist das, was gerade in der Europäischen Union passiert etwas, das unser Leben maßgeblich bestimmt und in der Zukunft bestimmen wird.

Der Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber hat uns in einem aktuellen „Handelsblatt“-Interview noch einmal an diese Tatsache erinnert. „Geldpolitische Entscheidungen haben eben nicht nur geldpolitische Folgen, sondern unter Umständen auch weitreichende wirtschaftliche und soziale Konsequenzen", sagte der Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS.

Was meint er damit?

1. Massive Umverteilungseffekte

Weber sagte dem „Handelsblatt“: „Diese Geldpolitik hat massive Umverteilungseffekte. Bei Nullzinsen führt die Bilanzerweiterung der Notenbank dazu, dass der Kreditkanal und der Zinskanal nicht mehr funktionieren. Es bleibt nur der Vermögenskanal. Das heißt: Risikoreiche Anlagen werden belohnt.“

2. Die Altersvorsorge wird dadurch NOCH schwieriger

„Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auf", erklärt Weber. "Wer für die Altersvorsorge auf Versicherungsprodukte und Pensionsanlagen angewiesen ist, hat ein Problem. Und wer zu spät in die Aktienmärkte geht, kann die Verluste oft gar nicht absorbieren, die bei Korrekturen nach langen Boomphasen entstehen."

3. Wir arbeiten und arbeiten und merken dann, dass wir im Alter doch nicht genug Geld haben

Axel Webers Prognose ist unmissverständlich. „Viele Menschen werden es sich gar nicht leisten können, aus der Beschäftigung in die Pensionierung zu gehen. Sie werden länger arbeiten müssen, als sie wollen, weil ihre Pensionssysteme nicht die Erträge liefern, die sie zum Leben brauchen“, sagte er im „Handelsblatt“-Interview.

4. Die Folge: Wir müssen noch länger arbeiten. Daran führt kein Weg vorbei

Axel Weber: „Die neue Parole wird sein: Siebzig ist das neue sechzig. Das ist etwas, was viele in ihrer Altersplanung nicht eingerechnet haben.“

Dabei sollte man heute schon Mitte oder Ende 20 genau das einberechnen. Das macht nicht unbedingt Spaß. Aber es ist enorm wichtig.

Und so kommt Weber zu der Analyse, dass die Lage in Europa „dramatisch und ernst sei“. Die aktuelle Beruhigung werde nur bis zu den Wahlen in Griechenland anhalten. "Wir befinden uns im Auge des Hurrikan."

Europa müsse endlich die notwendigen tiefgreifenden Strukturreformen angehen. Dafür habe die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer lockeren Geldpolitik Zeit gekauft. Jedoch verbringe die Politik diese Zeit mit Nichtstun, sagte Weber. Er war 2011 aus Frust über die lockere Geldpolitik der EZB als Chef der Bundesbank zurückgetreten.

(mit Material der dpa)

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