POLITIK
01/09/2015 12:45 CEST | Aktualisiert 01/09/2015 12:49 CEST

Nach Facebook-Event einer Autorin: Isländer wollen privat Flüchtlinge aufnehmen

Facebook / Bryndis Bjorgvinsdottir
Die Frau hinter der Aktion: Bryndis Bjorgvinsdottir

Eine isländische Frau hat gezeigt, wie man mit einer kleinen Idee die Politik verändern kann. Nach der Facebook-Aktion der Schriftstellerin Bryndis Bjorgvinsdottir plant die Regierung Islands jetzt, mehr syrische Flüchtlinge aufzunehmen.

Zu wenig Hilfe. Zuvor wollte Island nur 50 Syrern die Einreise gewähren, berichtet die englische Tageszeitung „Daily Telegraph“. Das war Bjorgvinsdottir zu wenig. In Form eines Facebook-Events ermutigte sie die Bevölkerung, privat Flüchtlinge aufzunehmen.

Die Autorin wird selbst aktiv. Zusammen mit einem Bekannten will sie selbst fünf Syrern eine Unterkunft sowie Essen bieten und sogar den Flug bezahlen. "Ich denke, dass die Menschen genug davon haben, Todesmeldungen aus dem Mittelmeerraum und Flüchtlingslagern zu sehen. Sie wollen jetzt etwas tun", zitiert der "Daily Telegraph" die Schriftstellerin.

Die Reaktion war gewaltig. Innerhalb eines Tages boten dem „Daily Telegraph“ zufolge 10.000 Isländer alle möglichen Formen von Hilfe an. In Island leben knapp 330.000 Menschen.

„Ich habe ein zusätzliches Zimmer in meiner geräumigen Wohnung, die ich gerne teile – ebenso wie meine Zeit und Unterstützung.“

„Ich würde gerne auf Kinder aufpassen, sie zum Kindergarten bringen, in die Schule oder wohin auch immer sie müssen. Außerdem kann ich für Leute kochen und ihnen Freundschaft und Wärme bieten. Für eine kleine Familie kann ich das Flugticket bezahlen. Ich kann schwangere Frauen bei den Vorsorgeuntersuchungen unterstützen.“

„Ich möchte gerne helfen: Ich habe Kleidung, Küchenutensilien und ein Zimmer mit Bett, das ich gerne mit Syrern teile. Ich möchte als Freiwilliger arbeiten und dabei helfen, die Leute zu in Empfang zu nehmen, und sie unterstützen, sich an die isländische Gesellschaft anzupassen.“

Die Aktion zeigt Wirkung: Laut dem isländischen Magazin „Iceland Review“ hält die Regierung die Zahl der Angebote zwar für unrealistisch und will sich nicht genau festlegen, wie viele Flüchtlinge aufgenommen werden könnten. Jedoch werde man die Angebote auf Facebook prüfen und gegebenenfalls mehr Menschen einreisen lassen, schreiben „Daily Telegraph“ und das US-amerikanische „Time Magazine“.

Es ist noch nicht vorbei: Die Aktion läuft bis zum 4. September und hat mittlerweile über 12.000 Zusagen.

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Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

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