POLITIK
01/09/2015 10:33 CEST | Aktualisiert 01/09/2015 11:27 CEST

Drohen durch Flüchtlinge höhere Sozialkosten? 10 Fakten zu Einwanderern auf dem Arbeitsmarkt

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Wie schnell können Flüchtlinge einen Job aufnehmen?

Nun ist es amtlich: Für Lebensunterhalt, Spracherwerb und Qualifizierung von Flüchtlingen hält Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) im kommenden Jahr 1,8 bis 3,3 Milliarden Euro zusätzlich für nötig.

Diese Kosten würden auf rund 7 Milliarden Euro im Jahr 2019 steigen, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in Berlin. Der Grund: Viele der immer zahlreicheren Flüchtlinge in den Erstaufnahme-Einrichtungen kämen im kommenden Jahr in die Arbeitsvermittlung. Die Behörden gehen in diesem Jahr von 800.000 oder gar mehr Flüchtlingen aus - es wäre die höchste Zahl seit Jahrzehnten.

Die schlechte Nachricht dabei: Es wird länger dauern als zunächst angenommen, diese Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die gute Nachricht aber: Die 2015 und 2016 zu erwartende Zuwanderung von Asylbewerbern und Flüchtlingen dürfte mittelfristig die Arbeitslosenquote maximal um 0,1 Prozentpunkte steigern, wie das "Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung" mitteilt. Hinzu kommt: Es gibt Mittel und Wege, die Flüchtlinge schneller in der Arbeitsmarkt zu integrieren.

Wenn ihr über Flüchtlinge und den deutschen Arbeitsmarkt diskutieren wollt, dann solltet ihr diese 10 Fakten kennen:

1. Die Grundlagen:

Nach einem dreimonatigen Aufenthalt dürfen Asylbewerber in Deutschland arbeiten. In den ersten 15 Monaten müssen die Arbeitsagenturen aber prüfen, ob die Stelle nicht mit einem Deutschen oder EU-Bürger zu besetzen ist. Das Arbeitsverbot für Asylbewerber stammt aus dem Jahr 1980 und sollte unerwünschte Einwanderer abschrecken.

2. Die größten Herausforderungen sind Verständigungsschwierigkeiten, Traumatisierungen und Ausbildungsdefizite aufgrund der Situation im Heimatland

„In der Regel sprechen Flüchtlinge nach drei Monaten nicht genügend Deutsch, um einen Arbeitsplatz antreten zu können“, sagt Raimund Becker, der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit der „Welt“. Deshalb werde es nur in Einzelfällen gelingen, Asylbewerbern bereits nach drei Monaten einen Arbeitsplatz zu vermitteln, sagt er.

3. 77 Prozent der Asylbewerber und Flüchtlinge sind im erwerbsfähigen Alter

Das heißt, sie befinden sich im Alter von 15 bis 64 Jahren. 32 Prozent der Asylbewerber und Flüchtlinge im Jahr 2014 waren unter 18 Jahre alt. Im Jahr 2014 wurden ein Drittel der Asylerstanträge von Frauen gestellt, zwei Drittel von Männern.

4. Die Qualifikation der Asylsuchenden variiert stark

„Die wenigen vorliegenden Informationen zur Qualifikationsstruktur sprechen zwar dafür, dass es auch eine relativ große Gruppe mit höherer Schulbildung oder Universitätsausbildung gibt, aber besonders der Anteil von Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung dürfte sehr hoch sein. Die mittleren Qualifikationen sind kaum vertreten", teilt das "Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit.

5. Das ist, was wir über die Qualifikationen wissen:

Im Jahr 2013 verfügten 13 Prozent über ein abgeschlossenes Hochschulstudium, 24 Prozent über einen mittleren Bildungsabschluss. 58 Prozent verfügten über keine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Zahlen beziehen sich dabei auf Asylbewerber und Flüchtlinge, die eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland erlangen konnten.

6. Auch über Asylbewerber ohne Arbeitserlaubnis gibt es Daten:

Aktuell wurden knapp 20.000 eingereiste Asylbewerber und Flüchtlinge befragt. 88 Prozent von ihnen habe eine Schule besucht, davon 7 Prozent 13 Jahre und länger. 24 Prozent haben eine berufliche Bildung abgeschlossen. 18 Prozent haben eine Hochschule besucht, unter ihnen haben 40 Prozent ihr Studium abgeschlossen.

7. Vielen bringt aber ihre Ausbildung in Deutschland nichts

Weil die Menschen keine Zertifikate haben, können Arbeitgeber und Universitäten die Bildungsabschlüsse häufig nicht anerkennen. Dieses Hindernis solle beseitigt werden, ebenso sollte die Zeit des Aufenthalts in den Gemeinschaftsunterkünften generell auf höchstens drei Monate reduziert werden, damit die Flüchtlinge in Kontakt mit der Gesellschaft kommen können, fordert die „Bertelsmann Stiftung".

8. Finden Asylbewerber Arbeit, ist sie meist unter ihren Qualifikation

Wie die „Bertelsmann Stiftung“ berichtet, suchen Asylbewerber Arbeit und finden diese. Doch meist ist die Tätigkeit unter ihren Qualifikation und schlecht bezahlt. Die Motivation und der Arbeitswille der Flüchtlinge seien zwar groß, sagt Becker. Er plädiert für praktikablere Leistungen für eine schnellere und reibungslosere Anerkennungsverfahren. Arbeiten zu können, bedeutet für die Flüchtlinge nicht nur eine finanzielle Absicherung, sondern ist auch wichtig, um soziale Anerkennung zu erhalten.

9. Die Bundesregierung muss die Flüchtlinge schneller auf dem Arbeitsmarkt integrieren

Insgesamt rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr mit bis zu 800.000 Flüchtlingen. Bekommen diese Flüchtlinge schneller Jobs, verdienen sie eigenes Geld und brauchen keine Hilfe vom Amt.

10. Verstärkte Jobmarkt-Integration kostet Geld, entlastet aber die Sozialkassen

Das kann die Bundesregierung nun konkret tun:

- Den Flüchtlingen muss die Möglichkeit gegeben werden, Deutsch zu lernen.

- Es muss die Möglichkeit geben, die Qualifikationen festzustellen.

- Der Zugang zu Bildungs- und Ausbildungsabschlüssen muss erleichtert werden.

Mit Material von dpa.


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