POLITIK
01/09/2015 01:24 CEST | Aktualisiert 21/05/2016 14:35 CEST

"Wunderbarer Neger": Nach nur zwei Talkshows hat sich Bayerns Innenminister untragbar gemacht

Das war es - das N-Wort. Als Zuschauer musste man ungläubig zurückspulen, um sich zu vergewissern, ob der bayerische Innenminister Joachim Herrmann gerade wirklich in der gestrigen "Hart aber fair"-Sendung Roberto Blanco als "wunderbaren Neger" bezeichnet hatte.

Hatte er. Es ging bei Plasberg um die Flüchtlingssituation. Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz berichtete gerade über Erfolgsgeschichten von Einwanderern, als Herrmann ihn von der Seite her unterbricht. Die Kamera weilte noch auf Reitz' Gesicht, der ungläubig lachte, als er hörte, was Herrman in die Runde kalauerte.

"Roberto Blanco ist ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat. Und beim FC Bayern spielen auch eine ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit. Das finden die Fans vom FC Bayern auch gut."

Noch während der Sendung löste Herrmanns Äußerung heftige Reaktionen auf sozialen Medien aus. Und das ist, was von dieser Sendung in Erinnerung bleiben wird. Das ist schade, denn es war eine gute, erleuchtende Sendung. Sie nahm das Positive der Flüchtlingssituation in den Blick.

Lest hier die Reaktionen auf Herrmanns Äußerung:Bei "Hart aber fair:" CSU-Innenminister nennt Roberto Blanco "wunderbaren Neger"

Das lag vor allem an Heike Jüngling. Sie ist die Sozialdezernentin der Stadt Königswinter. In einem Einzelgespräch mit Plasberg zu Anfang der Sendung berichtete sie sachlich, aber mit Stolz, wie ihre Kommune völlig unvorbereitet mit Aufgabe betraut wurde, ein Aufnahmelager für 100 Flüchtlinge einzurichten.

Ehrenamtliche Helfer wurden eingebunden, Hierarchien vergessen. Dienstwege wurden außer Kraft gesetzt - in Königswinter kommuniziert man stattdessen mit Whatsapp. Anstatt auf Anweisungen von oben zu warten, informierte man sich bei anderen Kommunen, wie die mit der Situation umgingen. Von Jüngling hörte man weder Klagen noch Schuldzuweisungen - man hatte den Eindruck einer Frau, die einfach ihren Job macht. Die von Merkel geforderte "Flexibilität": Hier stand sie in einer Person vor uns.

Und dann war da Joachim Herrman. Er nannte Brandanschläge "indiskutabel", beschwor die "echte Willkommenskultur" für "echte Flüchtlinge" - was man als Politiker eben so sagt.

Um dann auf den "Asylmissbrauch" einzugehen. So wollte er seine Forderung nach Abschiebelagern für Asylbewerber vom Balkan unterstreichen. Er verglich die Situation, mit einem Ladenbesitzer, der ein Schild aufhängt, auf dem stehe, dass Ladendiebstahl nicht geduldet würde - dass würde auch keinen der Kunden stören. Deutlicher konnte er nicht ausdrücken, dass er in Asylbewerbern vom Balkan pauschal Kriminelle sieht.

Man hatte den Eindruck, dass in dieser Sendung ein altes und ein neues Deutschland aufeinandertrafen. Mit Jüngling ein Deutschland, das pragmatisch seiner Verantwortung nachkommt. Und mit Herrmann ein Vertreter von Franz-Josef-Strauss-Land: ein Land, in dem Asylbewerber erst mal beweisen müssen, dass sie "echt" und nicht kriminell sind - aber ganz "wunderbar" sind, wenn sie Tore für den FC Bayern schießen.

Schon am Donnerstag war Herrmann bei "Maybrit Illner" aufgefallen. Da hatte er Sascha Lobos Vorschlag, Flüchtlinge als Vertriebene zu bezeichnen, als "Beleidigung für die vor 70 Jahren echt Vertriebenen" bezeichnet.

Unglaublich, dass ein hochrangiger Politiker diese Dummheiten begeht. Herrmann hat sich nach nur zwei Talkshow-Auftritten untragbar gemacht. Er scheint nicht begriffen zu haben, dass dieses Land dabei ist, sich zu verändern.

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