POLITIK
31/08/2015 03:49 CEST

Aus diesen zwei Gründen könnte der Krieg in der Ukraine unser Leben verändern

Ein Kämpfer der Separatisten in Donezk im September 2014
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Ein Kämpfer der Separatisten in Donezk im September 2014

Über der Flüchtlingsdebatte scheint Deutschland vergessen zu haben, dass am östlichen Rande Europas noch immer Krieg herrscht. Doch die Kämpfe in der Ost-Ukraine laufen weiter – und das sollte auch die Deutschen interessieren.

Nicht nur militärisch, auch wirtschaftlich blutet die Ukraine aus. Ein Zusammenbrechen der staatlichen Ordnung in dem Land würde könnte auch Deutschland treffen. Der Osteuropa-Experte Andreas Umland vom Institut für Euro-Atlantische Kooperation Kiew nennt in einem Gastbeitrag für "Focus Online" zwei wichtige Gründe, warum ein Kollabieren der Ukraine auch unser Leben in Deutschland radikal verändern könnte:

1. Sollte die Ukraine zusammenbrechen, droht uns ein weiterer Flüchtlingsansturm

Umland schreibt: "Wenn die ukrainische Regierung kollabiert, könnten Millionen Ukrainer fliehen. Das Land hat 45 Millionen Einwohner und ist nur politisch, jedoch nicht geologisch von der EU getrennt – weder durch ein Meer noch durch ein unüberwindbares Gebirge. Unabhängig vom Ergebnis der derzeit laufenden Visaliberalisierungs-Verhandlungen zwischen der EU und Ukraine hat dieser simple räumliche Fakt Folgen.

Kann der ukrainische Staat seine Grundfunktionen nicht mehr erfüllen oder wird er gar im Krieg besiegt, könnten sich Millionen Ukrainer auf den Weg in die Emigration machen. Zwar würden einige zu Verwandten oder auf der Suche nach Arbeit nach Osten, das heißt vor allem nach Russland, aufbrechen.

Angesichts der gesunkenen Popularität Russlands infolge des russischen verdeckten Krieges gegen die Ukraine sowie der unklaren Aussichten der russischen Wirtschaft dürfte jedoch die überwiegende Mehrheit der ukrainischen Migranten sich nach Westen bewegen.

Die Grenzdienste Polens, Ungarns und Rumäniens können möglicherweise mit tausenden oder zehntausenden illegalen Grenzübertritten umgehen. Was passiert jedoch, wenn sich hunderttausende oder gar Millionen Ukrainer auf die Ostgrenze der EU zubewegen?

Wird die NATO Militärtechnik auffahren, um verzweifelte Flüchtlinge vor dem Grenzübertritt abzuschrecken? Sollten die Grenzländer der Ukraine Internierungslager für illegale Immigranten aus Osteuropa errichten? Baut die EU eine Mauer von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, um sich von ostslawischen Flüchtlingsströmen abzuschotten?"

2. Kampfhandlungen könnten die Kernkraftwerke in der Ukraine beschädigen

Umland nennt einen weiteren Grund, der uns Sorgen machen sollte: "Hauptsorge aller Europäer, einschließlich Russen, bezüglich der gezielten Moskauer Unterwanderung seines westlichen Bruderstaates sollten die vier Atomkraftwerke der Ukraine sein. Insbesondere gilt dies für das größte Kernkraftwerk Europas in der Region Zaporishja – circa 250 km vom Kampfgebiet im Donezbecken entfernt.

Was passiert mit diesen Atomkraftwerken, wenn die Kiewer Regierung keine Kontrolle mehr über sie ausübt? Wer kümmert sich um die Kernreaktoren, sollte der ukrainische Staat von Russland in den Bankrott getrieben, zerstückelt oder militärisch besiegt werden? Die gesamteuropäischen Erfahrungen mit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 vermitteln einen Vorgeschmack.

Schlimmer noch: Die russischsprachige Region Zaporishja, ohnehin nah am derzeitigen Kampfgebiet, könnte selbst zur Kriegszone werden. Damit könnte Europas größter Kernreaktor unbeabsichtigt von Artilleriegeschossen, Raketen oder Bomben getroffen beziehungsweise auf andere Art und Weise beschädigt werden.

Im allerschlimmsten Fall könnten die fragwürdigen Persönlichkeiten, die Russland in den paramilitärischen Einheiten der Ostukraine für seine Zwecke mobilisiert hat, der Kontrolle Moskaus entgleiten.

Die eng mit ultranationalistischen Kreisen in Russland verbundenen „Separatisten“ könnten in einer für sie ausweglosen Situation einen gezielten Beschuss oder eine vorsätzliche Sprengung zum Beispiel des Zaporishaer Kernkraftwerks androhen.

Vor dem Hintergrund der Tschernobyl-Erfahrung könnte dies im Extremfall einem der vielen schwerbewaffneten prorussischen Hasardeure in der Ostukraine als ein veritables Druckinstrument gegen Kiew erscheinen. "

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