WIRTSCHAFT
31/08/2015 18:55 CEST | Aktualisiert 31/08/2015 19:01 CEST

Neue Enthüllung von Günter Wallraff: Das ist die Wahrheit über deutsche Freizeitparks

Freizeitparks versprechen Spaß - doch der endet für Angestellte und Gäste teilweise wenig erfreulich
Getty
Freizeitparks versprechen Spaß - doch der endet für Angestellte und Gäste teilweise wenig erfreulich

Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und sein Team „Reporter undercover” sind einem neuen Fall auf der Spur. Die Recherche dreht sich diesmal um die Gefahren in deutschen Freizeitparks. Den entsprechenden Beitrag sendete RTL am Montag um 21.15 Uhr. Zehn Monate dauerte die Recherche des Teams in verschiedenen Parks. Im Fokus: Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, die Haltung von Tieren und über die Sicherheitsstandards.

Das Ergebnis sind Enthüllungen über die Schattenseiten der Spaßindustrie.

Beispiel Phantasialand in Brühl: Hier können die Mitarbeiter laut RTL stundenland nicht auf die Toilette gehen. Von Seiten der Vorgesetzen hört sie: „Generell ist es so, Sie haben eine Mittagspause und eine Toilettenpause. Dazwischen heißt es eigentlich Beine zusammenkneifen.“ Auch Freizeit ist knapp. Zwei freie Tage in der Woche gibt es selten. Auch bei Notfalleinsätzen - während der Recherche landet ein Mädchen im Wasser, die Rettungsboote sind zu langsam. Zum Glück springt der Bruder des Mädchens ins Wasser und rettet seine Schwester.

Beispiel Safaripark Stukenbrock in Ostwestfalen: Von Mindestlohn ist hier nicht viel zu sehen - die Festangestellten verdienten 1100 Euro brutto. Bei einer Sechs-Tage-Woche entsprach das laut RTL nur 5,70 Euro brutto in der Stunde. Mitarbeiter wohnen teilweise in einem Camp im Park. Auch die Tierhaltung entspricht nicht den Standards, die Tierschützer erwarten. Mit Peitschen werden die Tiere teilweise bei Safaris auf Kurs gehalten.

Beispiel Tierpark Bad Pyrmont: Hier steht es vor allem schlecht um den Tierschutz. Affen werden allein gehalten - sie haben zu wenig Kontakt zu ihren Pflegern.

Beispiel Holiday Park Haßloch in Rheinland-Pfalz: RTL schreibt in einer Mitteilung: "Hier passiert am 15. August 2014 ein schreckliches Unglück. Claudia Walker und ihre 11-jährige Tochter Amber wollen gerade in das Karussell „Spinning Barrels“ einsteigen, als es losfährt. Während die Mutter zur Seite geschleudert wird, wird Amber erfasst und von den drehenden Platten zu Tode geschleift. In einem langen Interview rekonstruiert Günter Wallraff gemeinsam mit den Eltern, wie es zu dem tödlichen Unfall kommen konnte." Einer der möglichen Gründe: Einer der Bediener des Karussells wurde nicht richtig eingearbeitet.

Günter Wallraffs Fazit am Ende der Recherche: „Dieser tragische Unfall zeigt, dass Freizeitparks eben nicht nur harmloses Vergnügen sind. Ich kann jetzt nur hoffen, dass die Branche daraus Konsequenzen zieht und doch einiges grundlegend ändert. Wer im Freizeitpark am Personal spart, der spart letztlich an der Sicherheit.“


Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite