POLITIK
31/08/2015 23:54 CEST | Aktualisiert 01/09/2015 00:14 CEST

"Willkommen"-Plakate und Neonazis: So empfing München die Flüchtlinge aus Budapest

DPA
Ein kleines Mädchen aus Syrien hält am 31.08.2015 in München einen Luftballon fest

Hunderte Flüchtlinge sind in Bayern eingetroffen. Am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag erreichten sie mit Zügen aus Ungarn und Österreich das süddeutsche Bundesland.

Am Bahnhof München spielten sich ungewöhnliche Szenen ab: Erschöpfte Flüchtlinge schoben sich zwischen Touristen und Pendlern hindurch. Die Stimmung am Bahnhof sei "ruhig" bis "euphorisch" gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Viele Flüchtlinge hätten bei ihrer Ankunft "Thank you, Germany" oder "We love you, Germany" gerufen. Auch Bürger waren vor Ort und begrüßten die Flüchtlinge mit Wasser und Lebensmitteln.

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Viele Familien mit Kindern befanden sich unter den Flüchtlingen

Polizisten nahmen die Menschen in Empfang. Sie leiteten die Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, in eine Nebenhalle. Dort wurden sie registriert und auf Erstaufnahmelager verteilt.

Auch viele Passanten reagieren spontan. Sie gaben den Neuankömmlingen Wasserflaschen und Essen. Viele Menschen solidarisieren sich spontan mit den Flüchtlingen: Ein Mann kniet sich auf den Boden und malte spontan ein Willkommens-Plakat.

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Nicht alle Anwesenden heißen die Flüchtlinge willkommen. An der Nordseite des Hauptbahnhofs hat sich offenbar eine kleine Gruppe Rechtsradikaler versammelt. Demonstranten trugen Shirts mit Aufschriften wie "Man kann über die Nazis sagen was man will, aber sie haben ihren eigenen Stil" oder "Wir schwören Treue bis zum letzten Atemzug". Die Bundespolizei sprach einen Platzverweis aus.

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Die Polizei sprach rechten Demonstranten einen Platzverweis aus

Die Flüchtlinge kamen aus Ungarn angereist. Zuvor hatte die ungarische Polizei am größten Budapester Bahnhof überraschend aufgehört, Flüchtlinge am Besteigen der Züge Richtung Westen zu hindern.

Im ersten der Züge waren am Abend rund 400 Flüchtlinge. In Rosenheim stoppte die Bundespolizei ihn und brachte 190 der Flüchtlinge zur Registrierung in eine ehemalige Kaserne. Etwa 200 weitere konnten nach München weiterreisen. Sie wurden nach der Ankunft in einer Nebenhalle registriert. Am Abend erreichten noch weitere Züge mit Flüchtlingen den Münchner Hauptbahnhof.

Bis Mitternacht sind zwischen 500 und 600 Flüchtlinge in München angekommen. Dies schätzt die Polizei. Einige seien direkt registriert worden, andere wurden mit Bussen in Erstaufnahmeeinrichtungen gebracht. Ob in der Nacht noch weitere Regionalzüge mit Flüchtlingen eintreffen, war zunächst unklar.

Bisher saßen auf dem Budapester Bahnhof 2000 Flüchtlinge fest. Das berichtet die Hilfsorganisation Migration Aid. Offenbar wies ihnen das überforderte Einwanderungsamt keine Lager mehr zu. Nach der Dublin-Verordnung ist derjenige Mitgliedstaat für das Verfahren eines Asylbewerbers zuständig, in dem dieser erstmals europäischen Boden betreten hat. Die EU-Kommission ermahnte Ungarn, europäisches Recht einzuhalten und alle ankommenden Flüchtlinge mit Fingerabdrücken zu registrieren.

Mit Material der DPA

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