POLITIK
28/08/2015 08:24 CEST | Aktualisiert 28/08/2015 08:36 CEST

Todes-LKW: Haftbefehle gegen vier Schlepper

DPA
Der Burgenländer Polizeidirektor Hans-Peter Doskozil und die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner

Auf der Flucht nach Europa haben 71 Menschen in Österreich den Tod gefunden: Ermittler bargen ihre Leichen in der Nacht zum Freitag aus einem LKW, der an der Autobahn nahe Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) entdeckt worden war.

Österreich will nun den Schleppern den Prozess machen: Gegen vier Menschen seien europäische Haftbefehle erlassen worden, wie Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz bekanntgaben. Drei Personen seien in Ungarn festgenommen worden. Es handle sich „mit ziemlicher Sicherheit“ um die Personen, die den Todes-LKW gefahren hatten.

Die Opfer sind wahrscheinlich Syrer

Auch Details über die Opfer wurden bekannt: Unter den Menschen im LKW waren demnach vier Kinder - ein Kleinkind und drei Jungen im Alter von 8 bis 10 Jahren. Acht Opfer sind weiblich. Bei den Leichen wurde ein syrisches Ausweisdokument gefunden. Es handle sich somit sehr wahrscheinlich um eine Gruppe syrischer Flüchtlinge, sagte der Direktor der Landespolizei Burgenland, Hans-Peter Doskozil

Wiener Gerichtsmediziner nehmen die Obduktion der Leichen vor. Die Menschen seien wahrscheinlich erstickt, teilte Doskozil mit. Die endgültige Todesursache werde jedoch noch festgestellt. Weitere Fakten zur Todesfahrt sind noch offen. Experten untersuchen derzeit den LKW in einer Halle. So wird ein Sachverständiger prüfen, ob die Insassen versuchten, sich aus der Todesfalle zu befreien.

Das sind vier Fakten über die Todes-Schlepper:

1. Sie sind Teil eines Netzwerks

Die Fahndung in Ungarn lief auf Hochtouren. Insgesamt wurden sogar sieben Menschen festgenommen, bis auf die drei nun in Gewahrsam sitzenden jedoch wieder freigelassen. Das deutet darauf hin, dass sie in einem mafiösen Netzwerk Menschen schmuggelten. Keine Angaben machten die Sprecher zu dem vierten Verdächtigen, gegen den ein Haftbefehl besteht.

2. In der Schlepper-Mafia stehen sie am unteren Ende

Einer der Festgenommenen ist der Fahrzeughalter, die anderen beiden waren wahrscheinlich die Fahrer des Unglücks-LKWs, wie Doskozil sagte. "Wenn man Schlepperorganisationen kennt, weiß man: Das sind die unteren zwei Ebenen", ergänzte er. Die Hintermänner werden in Rumänien vermutet.

3. Sie stammen aus Bulgarien und Ungarn

Bei den in Untersuchungshaft sitzenden handelt es sich um zwei Bulgaren und einen Ungarn. Einer der Bulgaren sei der Besitzer des Lasters, sagte Doskozil. Ob sie von Ungarn nach Östereich überstellt werden, sei noch nicht absehbar, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft in Eisenstadt, Johann Fuchs.

4. Ihre Todesfahrt begann nahe Budapest

Auch Details zur Fahrt mit dem LKW gab der Polizeivertreter auf der Pressekonferenz bekannt: Demnach starteten die Schlepper am Mittwochmorgen südlich von Budapest. Woher die Information stammt, teilten die Sprecher nicht mit. Das Fahrzeug wurde in einer Pannenbucht gefunden. Dort habe es sehr wahrscheinlich bereits 24 Stunden lang gestanden.


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