POLITIK
28/08/2015 04:15 CEST | Aktualisiert 28/08/2015 05:52 CEST

Ermittler fassen Schlepper: 3 Fakten über das Flüchtlings-Drama in Österreich

AP
Die Ermittler fanden 71 Leichen in dem abgestellten LKW

Nach der Flüchtlingstragödie in Österreich haben die Ermittler drei Schlepper in Ungarn gefasst. Die Hintermänner werden weiterhin in Rumänien vermutet.

Ermittler hatten die ganze Nacht gearbeitet, um die Leichen aus dem abgestellten Fahrzeug zu bergen. Wie die "Kronen"-Zeitung berichtet, fanden sie 71 Tote in dem Fahrzeug. Andere Medien berichten von 70 Toten. Zuletzt gingen sie noch von 20 bis 50 Verstorbenen aus.

Mitarbeiter des Autobahn-Streckendienstes Asfinag hatten den Lkw am Donnerstag etwa 50 Kilometer südöstlich von Wien in einer Pannenbucht im Autobahnabschnitt bei Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) entdeckt. Aus dem Laderaum quoll laut Polizei Verwesungsflüssigkeit. Die Flüchtlinge waren nach bisherigen Erkenntnissen schon seit anderthalb bis zwei Tagen tot.

Der Lkw wurde in eine ehemalige veterinärmedizinische Anstalt gebracht, wo eine entsprechende Kühlung vorhanden ist. Die Ermittler und Gerichtsmediziner bargen dann die bereits leicht verwesten Opfer, nun untersuchen und identifizieren sie sie, sagte der Chef der Landespolizei, Hans Peter Doskozil.

Neben der Zahl der Opfer sind drei weitere Dinge mittlerweile bekannt geworden.

1. Die Flüchtlinge versuchten offenbar auszubrechen

An dem LKW gibt es Spuren eines Überlebenskampfes. Das berichtet die österreichische "Kronen"-Zeitung. Demnach hat das Fahrzeug einen mehrere Meter langen Riss auf der rechten Seite. Möglich könnte sein, dass die Flüchtlinge versuchten, die Wand einzudrücken. Die Polizei hat sich dazu bislang noch nicht geäußert.

2. Die Opfer waren wahrscheinlich bereits tot, als sie die Grenze passierten

Landespolizei-Chef Doskozil schätzt gegenüber der Tageszeitung "Die Welt" den Todeszeitpunkt der Opfer auf ein- bis eineinhalb Tage vor dem Fund. Er sagte der Zeitung: "Vieles spricht dafür, dass sie schon tot über die Grenze kamen." Das Fahrzeug sei am Mittwoch noch östlich von Budapest gesichtet worden. Er wies darauf hin, dass der Kühlwagen kein typisches Schlepperfahrzeug sei. "Normalerweise benutzen die Schlepper kleinere Lastwagen und Kleinbusse."

3. Das Fahrzeug war einer slowakischen Fleischerei abgekauft worden

Wie "Die Welt" schreibt, war der Kühlwagen ursprünglich im Besitz der slowakischen Fleischverarbeitungsfirma "Hyza" gewesen. Die wiederum gehört zum Konzern Agrofert des tschechischen Milliardärs und Finanzministers Andrej Babis. 2013 verkaufte die Firma einen Teil ihres Fuhrparks, darunter auch diesen LKW.

Heute will die Polizei auf einer Pressekonferenz nähere Ermittlungsergebnisse präsentieren. Unter anderem soll jetzt genau bestimmt werden, auf welche Weise die Menschen ums Leben kamen. Unklar ist auch noch, woher die Flüchtlinge stammten.

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