POLITIK
28/08/2015 10:05 CEST

Flüchtlinge in Deutschland: Diese Bundesländer nehmen besonders viele Asylbewerber auf

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"Flüchtlingslawine", "Ausländer-Invasion", "Asyl-Missbrauch" - rechte Pöbler aus dem Osten Deutschlands setzen derzeit alles daran, um darauf hinzuweisen, dass ihre schöne Heimat angeblich von fremden Sozialschmarotzern überrannt wird.

Dabei bedienen sie sich einer perfiden rechten Rhetorik, die den Eindruck vermitteln soll, dass Sachsen, Thüringen & Co. unter der Last der Asylbewerber zusammenbrechen.

Doch die Realität sieht ganz anders aus. Eine etwas andere Deutschland-Karte zeigt nämlich, dass in Sachsen mit Abstand die wenigsten Flüchtlinge in Deutschland untergebracht sind. Also in jenem Bundesland, in dem die Asylkritiker zuletzt am lautesten krakeelt haben.

Erstellt hat die Karte Benjamin Hennig, Senior Research Fellow an der Universität Oxford. Dafür hat der Wissenschaftler für jedes Bundesland das Verhältnis von Asylbewerbern zur Bevölkerung ausgerechnet.

flüchtlinge

Credit: Benjamin Hennig/viewsoftheworld.net

Spannend ist, ...

  • ... dass nicht nur in Sachsen der Verteilungsschlüssel mit einem Verhältnis von 1:238 (das bedeutet: auf einen Flüchtling kommen 238 Einwohner) relativ niedrig ist. Auch in Sachsen-Anhalt (1:160), Brandenburg (1:211), Thüringen (1:206) und Mecklenburg-Vorpommern (1:164) herrscht alles andere als eine Flüchtlingsflut.

  • ... dass Berlin im Osten eine Ausnahme bildet: Dort kommen 78 Einwohner auf einen Geflüchteten.

  • ... dass die Stadtstaaten Bremen (1:56) und Hamburg (1:60) sowie Nordrhein-Westfalen (1:87) mit die meisten Flüchtlinge aufnehmen.

Woher stammen die Zahlen?

Grundlage für Hennings Karte ist ein Verteilungsschlüssel ("Königsteiner Schlüssel"), der sich nach dem Steueraufkommen und der Bevölkerungszahl in jedem Bundesland richtet. Wer groß und wohlhabend ist, muss mehr schultern. Der "Königsteiner Schlüssel" bestimmt, in welchem Bundesland ein Flüchtling untergebracht wird.

Wie aktuell sind die Daten?

Die Zahlen, die Hennig in seiner Karte benutzt, stammen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und bilden die Situation für das Jahr 2014 ab. Eine BAMF-Übersicht zu den Verteilungsquoten für 2015 zeigt, dass sich innerhalb eines Jahres nicht viel verändert hat. In den Osten der Republik werden nach wie vor vergleichsweise wenig Flüchtlinge geschickt.


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