POLITIK
27/08/2015 08:21 CEST | Aktualisiert 27/08/2015 09:11 CEST

Darum zeigt das "Live-Attentat" eine neue Dimension des Tötens

Soziale Medien sichern Amokläufern gro�e Aufmerksamkeit
AP
Soziale Medien sichern Amokläufern gro�e Aufmerksamkeit

Ein Attentäter erschießt zwei junge Journalisten vor laufender Kamera. Es ist ein Verbrechen, das die Welt schockiert. Die Motive des Täters Vester Lee Flanagan sind allerdings nicht neu: Eifersucht und Hass.

Was allerdings neu ist an dem Verbrechen: Der ehemalige TV-Reporter Flanagan, den nach eigener Aussage Neid auf die Kollegen und die Angst vor einem Rassenkrieg trieben, inszenierte sein Verbrechen so, dass es in den sozialen Medien maximale Resonanz fand. Kurz nach der Tat postete Flanagan sein Video auf Facebook (sein Profil hatte er unter einem anderen Namen angelegt), auf Twitter wies er auf den Post hin. Noch während er floh, so berichtet es die britische Nachrichtenseite "The Guardian", aktualisierte er sein Profil bei Twitter und Facebook.

flanagan

Damit schuf Flanagan eine neue Dimension für einen Amoklauf. Der Täter verbreitet seine Tat selbst und Hunderttausende Menschen können seine Nachrichten lesen und teilen. Auf die Berichterstattung durch die traditionellen Medien für die Verbreitung seiner Tat war er damit eigentlich nicht mehr angewiesen.

Sicher, die Strategie kommt uns bekannt vor. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verbreitet ihre Grausamkeiten wie Videos von Hinrichtungen schon länger über Twitter und Facebook und versucht so, Gegner zu verängstigen und Unterstützer zu gewinnen. Eine Strategie gegen die digitale Propaganda haben bisher weder Twitter und Facebook noch die westlichen Regierungen, die gegen den IS kämpfen.

Bei einem Amoklauf oder Hassverbrechen hat dieses Zurschaustellen der Grausamkeit aber noch eine andere Folge: Andere Täter werden zur Nachahmung animiert. Fakt ist: Viele Täter begehen das Verbrechen, um die größtmögliche öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Diese Aufmerksamkeit zu erreichen, wird in Zeiten von sozialen Medien noch leichter.

Künftig werden wir wahrscheinlich noch mehr Videos und Postings wie die von Flanagan sehen - vielleicht übertragen sie ihre Taten bald auch live über den Streamingdienste Periscope. Was zutun ist, um den Tätern nicht noch bei ihren Verbrechen zu helfen? Zwar löschten Twitter und Facebook das Profil und die Videos von Flanagan vergleichsweise schnell - doch nicht bevor sie Hunderte Nutzer gesehen und geteilt hatten. Facebook, Twitter und Co. müssen sich schleunigst eine Strategie überlegen, um in solchen Fällen noch schneller, also innerhalb von Sekunden zu reagieren, und die Beiträge vom Netz zu nehmen. Sonst machen sie sich indirekt zu Komplizen der Mörder.


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