POLITIK
28/08/2015 01:28 CEST | Aktualisiert 21/05/2016 14:35 CEST

"Nennen wir die Flüchtlinge doch Vertriebene": Dieser Vorschlag brachte die CSU aus der Fassung

ZDF Mediathek
Sascha Lobo und Joachim Herrmann lieferten sich einen erhellenden Schlagabtausch

Noch eine Talkshow zu Flüchtlingen? Zu Beginn der gestrigen "Maybrit Illner"-Sendung fragte man sich, was in dieser Show noch gesagt werden konnte, was nicht bereits in unzähligen anderen geäußert worden ist. Doch überraschend erhellend brachte diese Sendung auf den Punkt, was mit der deutschen "Willkommenskultur" schief läuft.

Da war zunächst Grünen-Stadträtin Ines Kummer aus Freital in der Nähe von Heidenau. Sie hat einen Jungen aus Ghana bei sich aufgenommen. In wenigen Worten brachte sie auf den Punkt, was zurzeit in Deutschland abläuft: "Vielen fehlt einfach die humanitäre Haltung." Sie meinte diejenigen, die an Weihnachten für "Brot für die Welt" spenden, aber "besorgt" sind, wenn in ihrer Gegend eine Flüchtlingsunterkunft eröffnet.

Beispielhaft für diese Haltung stand in der Sendung der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Anschläge auf Flüchtlingsheime nannte er "unerträglich" - um dann angesichts von "Asylmissbrauch" und der "Völkerwanderung" eine "Kurskorrektur" zu fordern.

Und jetzt wurde es interessant. Zuerst forderte die Grüne Kummer den bayerischen Innenminister Herrmann auf, zu erklären, was denn eigentlich der "Asylmissbrauch" sei, der von der CSU so oft beschworen wird? Schließlich macht jeder, den in Deutschland einen Asylantrag stellt, von einem Grundrecht Gebrauch - ganz egal, ob der Antrag abgelehnt wird, oder nicht.

Den Finger in die Wunde legte dann der Blogger Sascha Lobo, der Mann mit dem Irokesenschnitt. Der folgende Schlagabtausch zwischen Lobo und Herrmann war so erhellend, dass wir ihn hier wortwörtlichewiedergeben wollen:

Lobo: "Ich habe einen großartigen Vorschlag für sie! Wie wäre es denn, wenn wir ... die Flüchtlinge nicht mehr Flüchtlinge nennen, sondern Vertriebene? Und dann könnten sie sich ganz phantastisch damit anfreunden, alle in Bayern einzugliedern"

Herrmann: "Das ist allein schon ... ich mein des net so bös' ... das ist eine Beleidigung der Vertriebenen, der wirklich damals vor 70 Jahren Vertriebenen, das in diesen Kontext zu stellen."

Lobo: "Was? Haben sie sich Syrien mal angeguckt?"

Herrmann: "Wir reden nicht von Syrien!"

Lobo: "Wenn sie das als Beleidigung auffassen, dann ist das rassistisch!"

Herrmann: "Entschuldigung, dass habe ich klipp und klar gesagt und vorhin drei Mal wiederholt: Alle, die aus Syrien kommen, die Bürgerkriegsflüchtlinge, die müssen wir aufnehmen, da brauchen wir eine echte Willkommenskultur."

Illner: "Aber bei denen, die in Anführungszeichen 'Wirtschaftsflüchtlinge' sind ..."

Herrmann: "Wer wird denn aus Serbien vertrieben, aus Mazedonien vertrieben? Das ist doch Oberblödsinn!"

Die Frage, warum Herrmann es als Beleidigung ansieht, als "Flüchtling" bezeichnet zu werden, ist berechtigt. Es macht nur Sinn, wenn man Flüchtlingen unterstellt, dass sie nicht aus echter Not in unser Land kommen, sondern "Missbrauch" betreiben, irgendwie kriminell sind, unmoralisch - Schmarotzer, gegen die man sich wehren muss.

Und das ist die "fehlende humanitäre Haltung", die Kummer beklagte. Wir können und müssen unterschiedliche Meinungen haben, wir mit der Flüchtlingssituation umzugehen ist. Aber eines dürfen wir nicht: Vergessen, dass jeder einzelne Flüchtling aus echter Not in unser Land gekommen ist - auch die so genannten "Wirtschaftsflüchtlinge".

Wer die Worte vom "Asylmissbrauch", der "Völkerwanderung" benutzt, tut dies nicht mehr - und bereitet den Hintergrund, vor dem Flüchtlingsheime brennen.

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