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27/08/2015 08:03 CEST | Aktualisiert 27/08/2015 09:45 CEST

Deutschland plant die digitale Revolution: 5 Fakten, die ihr jetzt zum Breitbandausbau wissen müsst

Der Breitbandausbau soll bis 2018 kommen
Thinkstock
Der Breitbandausbau soll bis 2018 kommen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt macht ernst. Endlich. Bis zum Jahr 2018 soll der Breitbandausbau in Deutschland massiv vorangetrieben werden.

Am heutigen Donnerstag will der Minister den Internetanbietern bei einem Treffen der „Netzallianz Digitales Deutschland“ zeigen, wie er Deutschland von der digitalen Steinzeit in die Zukunft führen will. In den nächsten Jahren sollen auch die Menschen in den Teilen des Landes, in denen sich der Breitbandausbau für die Branchen bisher noch nicht gelohnt hat, in Höchstgeschwindigkeit surfen können.

Es steht viel auf dem Spiel: Geht es doch um nichts weniger, als dass Deutschland in der digitalen Welt nicht noch weiter den Anschluss verliert. Dies hätte verheerenden Folgen für unsere Wirtschaft, unseren Arbeitsmarkt, unseren Lebensstandard. Deutschland ist eine Wissensgesellschaft, digitale Technologien sind unsere Zukunft.

Im internationalen Vergleich sind wir nur Mittelmaß. Selbst die Menschen in Ungarn oder Rumänien verfügen mittlerweile über schnelleres Netz als die Internetuser in Deutschland. "Wenn ich zum Thema schnelles Internet eine Schulnote vergeben müsste, würde ich eher zu Ungenügend als zu Mangelhaft tendieren", sagte der Ulmer IT-Experte Jörg Mecke der "Huffington Post".

Hier sind 5 Fakten, die ihr jetzt zum längst überfälligen Breitbandausbau wissen müsst.

1. Wie sieht Dobrindts Plan genau aus?

Wie die „FAZ“ berichtet, soll nach dem Willen des CSU-Politikers bis zum Jahr 2018 jeder Internetuser in Deutschland mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Megabite je Sekunde im Internet surfen können. „Damit schließen wir die weißen Flecken auf der Landkarte", sagte der Minister. Für den Breitbandausbau rechnet Dobrindt mit Kosten von etwa 2,7 Milliarden Euro.

2. Warum ist der Schritt so wichtig?

Bereis seit Jahren fordern Ökonomen einen Ausbau des schnelleren Internets in Deutschland. "Wir haben in Deutschland eine der schlechtesten digitalen Infrastrukturen in Deutschland, das ist mittel- bis langfristig ein Wettbewerbsnachteil", sagte Marcel Fritscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung der "FAZ".

Bereits im vergangene Jahr erklärte Alexander Dobrindt, dass Deutschland das schnellste und intelligenteste Netz der Welt brauche. Wird der Plan des Ministers Wirklichkeit, würden die Deutschen wirklich am schnellsten surfen.

Aktuell sieht die Realität noch ganz anders anders aus: Im internationalen Vergleich liegt Deutschland nur auf Platz 26. Während die Menschen hierzulande mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade einmal 10 Megabite pro Sekunde surfen, sind die Südkoreaner mit mehr als 23 Mbit/s im World Wide Web unterwegs.

Infografik: Deutsches Web: Zu langsam für die Weltspitze  | Statista

3. Wie wird der Ausbau bezahlt?

Das Bundesverkehrsministerium schätzt die Kosten dafür auf 2,7 Milliarden Euro. 1,33 Milliarden Euro nahm die Bundesregierung durch die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen ein. Diese Einnahmen fließen komplett in den Ausbau des schnellen Internets. 1,4 Milliarden Euro hat die Regierung aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt.

Mit dem Geld werden in Kommunen und Landkreisen zwei Szenarien gefördert: Beim "Wirtschaftlichkeitslückenmodell" kann die Kommune einem Internetanbieter helfen, in einem wirtschaftlich unattraktiven Gebiet ein Breitbandnetz zu errichten. Beim "Betreibermodell" sollen die Kommunen in die Lage versetzt werden, eine Infrastruktur zu errichten, die sie den Netzbetreibern verpachten können. Dazu gehören beispielsweise Leerrohre oder neue Glasfaserstrecken.

4. In welchen Regionen ist schnelles Internet bisher nur ein Wunschtraum?

Wie diese Grafik zeigt, sind es vor allem die neuen Bundesländer, die bei der Internetgeschwindigkeit noch immer hinterherhinken. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass das ganze Land dringenden Nachholbedarf hat:

Weiße oder graue Flecken gibt es überall. So verfügen selbst in Bayern und Baden-Württemberg zwar 70 Prozent der Bevölkerung über schnelles Netz. Die "weißen Flecken" können sich über Bundeszuschüsse von bis zu 50 Prozent freuen.

5. Was erhofft sich sich die Bundesregierung vom Breitbandausbau?

Neben dem privaten Nutzen ist das Ziel vor allem, die deutsche Wirtschaft auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu halten. Vor allem in den Regionen, die abseits der großen Ballungsräume liegen, sollen davon profitieren. Alle Experten sind sich einig: Ohne Breitbandverbindung bleibt die wirtschaftliche Entwicklung im ländlichen Raum auf der Strecke.

"Mittelfristig sollte in jedem Schwarzwaldtal Glasfaser liegen", sagte der Chef des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Stefan Wolf, der Deutschen Presse-Agentur. IT-Experte Jörg Mecke erklärt, dass in der heutigen Zeit die flexible Kundenkommunikation immer wichtiger wird. Dies ist allerdings bei einem Kundenbesuch auf dem Land mit der aktuellen Internetverbidnung oftmals unmöglich.

Doch nicht nur die Provinz profitiert vom Breitbandausbau. Es steht viel mehr auf dem Spiel: Dass der Exportweltmeister Deutschland auch in der digitalen Welt endlich zur weltweiten Spitzengruppe aufschließt. Denn die Steinzeit gehört auch in der digitalen Welt längst der Vergangenheit an.

Mit Materialien von dpa.

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