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27/08/2015 11:56 CEST | Aktualisiert 27/08/2015 12:04 CEST

Angst bei Eltern: Macht dieser Brotaufstrich Kinder zu ADHS-Patienten?

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Die Botschaft ist so klein gedruckt wie der Rest der Zutatenliste. Doch der Text verbreitet sich gerade in den sozialen Netzwerken und verunsichert Kunden - vor allem Eltern.

"Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen", lautet der Warnhinweis auf dem "Brotaufstrich Alaska-Seelachs" des Feinkost-Herstellers Popp.

Das Produkt ist in vielen Supermärkten erhältlich, unter anderem bei Edeka und Rewe.

Nutzer fragen auf der Facebook-Seite von Popp: "Verkaufen Sie Lebensmittel oder testen Sie Chemikalien an Menschen aus?"

Was hat es mit der Warnung auf dem Produkt auf sich? Ist es ein gefährlicher Belag auf dem Pausenbrot, der Schüler zu Zappelphilippen und ADHS-Patienten macht? Hat der Fischaufstrich Wirkungen, die den Verstand beeinträchtigen? Das fragen sich derzeit auch mehrere Facebook-Nutzer, die Nachrichten auf Popps offizieller Seite hinterlassen:

Guten Tag. Ich habe gerade auf einer Packung "Brotaufstrich Alska-Seelachs" den Hinweis "kann Aktivität und...

Posted by Caspar Clemens Mierau on Tuesday, August 25, 2015

Es geht vor allem um zwei Zutaten des Brotaufstrichs: Cochenillerot A und Gelborange S. Es handelt sich um Farbstoffe, durch die der Fisch eine kräftige rote Farbe erhält. In den USA ist Cochenillerot A verboten, weil es im Verdacht steht, ADHS auszulösen und das Krebsrisiko zu erhöhen.

Auch die Europäische Union hat den Stoff im Verdacht. Eine britische Studie stellte 2007 einen Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsstörungen und den beiden Farbstoffen her.

Ein Jahr später wiegelte die EU-Lebensmittelbehörde Efsa jedoch ab: Für ein ADHS-Risiko gebe es keinen Beweis. Das EU-Parlament verpflichtete die Hersteller dennoch auf einen Warnhinweis.

Nach Medienbericht: Hersteller Popp plant den Aufstrich ohne die umstrittenen Farbstoffe

Feinkost Popp antwortete bei Facebook zunächst, dass "gewisse Unsicherheiten" bestünden. Nachdem die Nachrichtenseite "Stern.de" über den Warnhinweis auf der Brotaufstrich-Verpackung berichtet hatte, sah sich das Unternehmen offenbar gezwungen, einen weiteren Schritt zu gehen: Am Donnerstag verkündete das Unternehmen, den Aufstrich künftig ohne die umstrittenen Farbstoffe anzubieten.

Ausführlich heißt es:

"Wir beschäftigen uns seit Monaten mit dem Thema Ersatz für Azofarbstoffe. Im Verlauf der letzten Wochen und aufgrund der wiederkehrenden Diskussionen sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass der Einsatz von Azofarbstoffen nicht mehr zeitgemäß ist. Wir haben uns jetzt final entschieden, schnellstmöglich die Azofarbstoffe im Alaska-Seelachs zu ersetzen.


Unsere Produktentwicklung arbeitet bereits seit dem Frühjahr an Alternativen. Selbstverständlich werden wir über die weitere Entwicklung zeitnah informieren."

Das Unternehmen Popp ist keineswegs das einzige Unternehmen, dass auf die umstrittenen Zusatzstoffe setzt. So setzt beispielsweise das Unternehmen Homann auch auf die Zubereitung und muss - wie das seit einigen Jahren gesetzlich vorgeschrieben ist - ebenfalls den Warnhinweis veröffentlichen.

homann

Es gibt jedoch - das ist die gute Nachricht - auch Alaska-Brotaufstriche, die ohne Farbstoffe auskommen. Viele Kunden werden nach dieser Geschichte wahrscheinlich auf entsprechende Hinweise genauer achten.

(ts/tof)


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