POLITIK
26/08/2015 07:00 CEST | Aktualisiert 26/08/2015 12:15 CEST

Flüchtlingsheim in Heidenau: 3 Gründe, warum Merkels Besuch zu spät kommt

dpa
3 Gründe, warum Merkels Besuch im Flüchtlingsheim 2 Monate zu spät kommt

An diesem Mittwoch wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum ersten Mal ein Heim für Flüchtlinge besuchen. Es ist ein dringend notwendiger Besuch. Aber einer, der schon zwei Monate früher hätte stattfinden sollen.

1. Es ist ihr Job, sich gegen Rassisten zu stellen

Angela Merkel ist Regierungschefin. Sie und nur sie ist damit die offizielle Verkörperung des deutschen Umgangs mit Flüchtlingen.

Das heißt: Es ist ihr Job, konkrete, praktische Maßnahmen in der Asylpolitik voranzutreiben. Und es ist ihr Job, die Haltung Deutschlands zu verdeutlichen – Stichwort Symbolik.

Keiner kann sich was davon abbeißen, wenn Merkel eine von inzwischen vielen attackierten Asylbewerberunterkünfte besucht. Aber es ist das offizielle Signal, dass Deutschland so etwas nicht toleriert. Merkel musste das nicht bei der ersten Attacke auf ein Flüchtlingsheim tun, schließlich sollen auch nicht Rassisten ihren Tagesablauf diktieren. Aber seit sich die Vorfälle häufen, also seit etwa zwei Monaten, geht es um mehr als ein paar Rassisten: Es geht um unsere Demokratie, unseren Rechtsstaat.

Dass Merkel so lange mit ihrem Besuch gezögert hat, noch vor eineinhalb Monaten im „Sommerinterview sagte: "Ich werde sicher auch ein Flüchtlingsheim einmal besuchen", das zeugt von einer Passivität, die an Ignoranz grenzt.

2. Merkel hat sich als Führungskraft beschädigt

Dass Merkel sich so zurückgehalten hat, ist nicht nur sachlich mehr als schade. Es hat sie auch als Führungskraft beschädigt.

Nicht Merkel hat Heidenau zuerst besucht, sondern SPD-Chef Sigmar Gabriel. Es wirkt, als habe Merkel das Heft aus der Hand gegeben. Sonst fährt sie mit ihrer Beobachtungstaktik gut, diesmal wirkt es, als hechele sie hinterher. Als „Getriebene“ wird sie in den Medien schon bezeichnet. Zumal selbst jetzt ihr Besuch eher gezwungen wirkt, weil sie ohnehin einen Termin in Glashütte hat, nur 20 Kilometer weiter.

Außerdem wirkt es, als habe Merkel nach dem PR-Desaster mit dem Flüchtlingsmädchen Reem nicht mehr zugetraut, einen direkten Kontakt mit Flüchtlingen öffentlich gut durchzustehen.

3. Merkel hat die Deutschen unterschätzt

Die Bürger sind enttäuscht von Merkel. Im Internet fordern sie unter dem Hashtag #merkelsagwas und #merkelkommvorbei mehr Einsatz von der Kanzlerin.

Merkel scheint auch die Deutschen unterschätzt zu haben.

Mehr als 45.000 Menschen haben die Petition auf change.org unterschrieben, die fordert, Merkel solle endlich ein Flüchtlingsheim besuchen.


Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Gabriel attackiert rechte Flüchtlingshetzer: „Pack, das eingesperrt werden muss”

Hier geht es zurück zur Startseite