WIRTSCHAFT
25/08/2015 13:50 CEST

Diabetes-Experten warnen: Wie Danone, Nestlé und Co. die Gesundheit unserer Kinder gefährden

Wie Danone, Nestlé und Co. die Gesundheit unserer Kinder gefährden
Foodwatch
Wie Danone, Nestlé und Co. die Gesundheit unserer Kinder gefährden

Viele Lebensmittel-Hersteller haben sich verpflichtet, Dickmacher nicht gezielt an Kinder zu vermarkten. Konkret heißt es in der freiwilligen Selbsterklärung, die schon seit Jahren in Kraft ist: „Wir werden unsere Kinderwerbung für Lebensmittel verändern.“

Das klingt toll, ist es aber nicht. Die in dieser freiwilligen Selbstverpflichtung („EU Plegde“) verankerten Nährwert-Grenzen sind aus Sicht von Kritikern viel zu lasch. Diabetes-Experten und Verbraucherschützer werfen in einer aktuellen Studie Lebensmittel-Herstellern wie Danone, Nestlé und Ferrero vor, die Gesundheit von Kindern zu gefährden.

Worum geht es konkret? Die Verbraucher-Lobby Foodwatch findet es problematisch, dass laut der Selbstverpflichtung etwa 30 Prozent Zuckergehalt bei Kinder-Frühstücksflocken völlig okay sein sollen.

Deswegen hat Foodwatch verschärfte Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hinzugezogen – und angewendet. Für die sind bei Kinderlebensmitteln etwa nur 15 Prozent Zuckeranteil in Ordnung.

Das Ergebnis: Wenn die viel strengeren WHO-Kriterien gelten, würden 90 Prozent der vermarkteten Kinderlebensmittel der deutschen Unternehmen im Check durchfallen (siehe Beispiele unten).

Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der Deutschen Diabtes Gesellschaft, fordert daher Konsequenzen:

"Die sogenannte Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie für die Kinderlebensmittelwerbung ist eine Mogelpackung und täuscht den Verbraucher. Die meisten 'Kinderlebensmittel' sind keine Lebensmittel, sondern schlichtweg Süßigkeiten. Marketing für 'Kinderlebensmittel' muss per Gesetz eingedämmt werden, sonst werden wir die Welle der Fehlernährung und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen nicht stoppen."

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Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde BLL kritisiert die Studie von Foodwatch als "unseriös und effektheischend". Begründung: Die Organisation verunglimpfe sichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel aufgrund von Nährwertprofilen, die eine reine Empfehlung darstellten, erklärte der BLL. Außerdem informierten die Hersteller über die Inhaltsstoffe und klärten auf.

Aber reicht das aus? 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten laut Studien bereits jetzt als übergewichtig. Daran, dass Kunden eigenverantwortlich immer richtig einschätzen, wie viel gesund ist, glauben die Experten nicht. "Die Menschen schaffen das nicht", sagt Stefanie Gerlach vom Vorstand der Deutschen Adipositas Gesellschaft.

Die Industrie stehe ebenfalls in der Verantwortung und müsse gesunde Lebensmittel herstellen, betont Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. Dass sie das angesichts der höheren Gewinnspannen bei zucker- und fetthaltigen Produkten zu wenig tue, sei nicht erstaunlich: "Dass hier mit Freiwilligkeit nichts zu holen ist, ist doch klar".

(mit Material der dpa)


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