POLITIK
25/08/2015 07:23 CEST | Aktualisiert 25/08/2015 11:40 CEST

Diese 6 Zahlen zeigen, was Merkel heute in Marxloh erwartet

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Ein "Büdchen" in Duisburg-Marxloh

Die "No-Go-Area" Duisburg-Marxloh ist in den Schlagzeilen. Der Stadtteil geriet zuletzt wegen Straßenkriminalität und gewalttätigen Ausschreitungen gegen die Polizei in die Schlagzeilen. Die Polizeigewerkschaft befürchtet das Entstehen eines rechtsfreien Raums.

Heute wird die Bundeskanzlerin Angela Merkel dort eintreffen.Sie will im Rahmen ihres Bürgerdialogs unter dem Motto "Gut leben in Deutschland" bei einer Diskussion 50 bis 60 Vertreter von Stadt, Verbänden und einer Bürgerinitiative zu treffen.

Unmittelbar vor Merkels Besuch wehrte sich Oberbürgermeister Sören Link (SPD) gegen ein Abstempeln des Viertels. Er sagte er der Zeitung "Bild", der Stadtteil sei von Zuständen, wie man sie in solchen Gegenden vermutet, "meilenweit entfernt". Zwar gebe es in Marxloh Arbeitslosigkeit, bildungsferne Schichten und Schwierigkeiten im Zusammenleben. Dennoch sei Marxloh "ein pulsierender, bunt aufgestellter Stadtteil, der für gutes und friedliches Zusammenleben steht" und in dem es sich sehr gut leben lasse.

Was ist Wahrheit, was ist Fiktion? Hier 6 Mythen über Duisburg-Marxloh im Faktencheck:

1. "In Marxloh leben nur Türken und Roma"

Etwa 18.000 Menschen leben in Marxloh. Davon besitzen etwa 6000 nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Von diesen sind wiederum 4000 Türken. Der Eindruck, dass Ausländer in Marxloh in der Überzahl seien, stimmt also nicht - zwei Drittel der Einwohner sind Deutsche. 64 Prozent der Einwohner Marxlohs haben allerdings einen Migrationshintergrund - ihre Wurzeln liegen also im Ausland.

2. "Marxloh ist der Duisburger Stadtteil mit der höchsten Kriminalitätsrate"

Nach dem Kriminalitätsbericht 2012 des Polizeipräsidium Duisburg kamen 14.623 Straftaten auf 100.000 Einwohner in Marxloh (diese Zahlen wurden hochgerechnet, um die verschiedenen Stadteile vergleichbar zu machen). Damit ist Marxloh tatsächlich einer der Stadtteile mit der höchsten Kriminalitätsrate. Allerdings gibt es fünf weitere, in denen mehr Straftaten stattfinden - an der Spitze die Altstadt mit 33.558 Straftaten je 100.000 Einwohner. Lediglich bei häuslicher Gewalt lag Marxloh mit 74 Fällen je 100.000 Einwohner an der Spitze.

3. "Es gibt in Marxloh viele Straftaten, weil dort viele Ausländer leben"

Polizeisprecher Ramon van der Maat sagte auf Anfrage der "WAZ" in einem Bericht von 2010, dass ein Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Straftaten-Aufkommen nicht zu erkennen sein. Als Beispiel nannte er Mittelmeiderich. Dort leben genauso viele Menschen wie in Marxloh, der Anteil der Bevölkerung ohne deutschen Pass liegt hier bei aber nur bei rund 15 Prozent (Marxloh: 35 Prozent). Trotzdem ist die Kriminalitätsrate vergleichbar. Generell gilt: Je zentraler ein Stadtteil liegt, desto höher ist die Kriminalität. Je ländlicher, desto weniger passiert.

4. "Die Kriminalität in Marxloh steigt jedes Jahr an"

Nach dem Bericht der "WAZ" wurden in 2007 noch 2560 Straftaten aufgenommen. Im Jahr 2009 waren es nur noch 2140. Nach dem Polizeibericht Duisburg von 2013 ist die Gesamtkriminalität in der ganzen Stadt seit Jahren rückläufig - daher kann man annehmen, dass dies auch für Marxloh gilt.

5. "In Marxloh stehen viele Wohnungen leer und verfallen"

Das stimmt. Im Jahr 2012 standen mindestens zwölf Prozent aller Wohnungen im Stadtteil leer - inzwischen sind es wahrscheinlich noch mehr geworden. Bis 2027 kommen noch einmal rund 1400 überschüssige Wohnungen dazu. Der Grund für den Leerstand: Die Einkommen in Marxloh sind so niedrig, dass die Mieten oft nicht die Kosten decken.

6. "In Marxloh leben alle von Hartz IV"

Richtig ist, dass die Arbeitslosigkeit in Marxloh hoch ist. Ganze 22,8 Prozent waren nach dem Sozialbericht von 2010 arbeitslos, 34,0 Prozent Prozent bezogen Arbeitslosengeld oder andere Transferleistungen vom Staat.

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